Bild: ZF Friedrichshafen
Bild: ZF Friedrichshafen

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist momentan eine besonders kritische Zeit – vor allem dafür, die richtigen Entscheidungen zu treffen?
Im Hinblick auf die sich enorm rasch ändernden politischen Rahmenbedingungen – mit Importzöllen hier und Handelsembargos da – fällt es tatsächlich nicht leicht, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Als Industrieunternehmen sind zum Beispiel Entscheidungen für neue Produktionsstandorte mit hohem Kapitaleinsatz verbunden; abrupte Änderungen des geschäftlichen Handlungsrahmens sind dabei Gift und führen gegebenenfalls zu einer Lähmung der Investitionstätigkeit.  

AUTOMOBIL PRODUKTION: ZF ist unter anderem stark beim Thema Autonomes Fahren, ein Bereich, der zunächst mal kostet, aber der Zeitpunkt eines „Return on invest“ noch nicht klar ist. Bedeutet das für ein Unternehmen wie ZF, man muss mehr auf die hohe Kante legen, um solche Durststrecken durchzuhalten?
Wer in den zukunftsträchtigen Technologiefeldern vorne mit dabei sein will, muss stärker ins Risiko gehen und Vorleistungen bringen als andere. Das führt in der Tat dazu, dass technologisch führende Unternehmen wie ZF dazu gezwungen sind, noch sorgsamer mit den Mitteln umzugehen. Als nicht-börsennotiertes Unternehmen sind wir es aber gewohnt, hauptsächlich das Geld zu investieren, das wir zuvor erwirtschaftet haben. Die anhaltend hohen Investitionen in unsere Zukunftsfähigkeit erhöhen insofern den Druck, nachhaltig profitabel zu sein und stark auf die Ergebnisqualität zu achten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie planen Sie das Thema Risiko, wenn es bei solchen Technologien nicht zum erhofften Durchbruch kommt?
Hier hilft ein gut ausbalanciertes, attraktives Technologie- und Produktportfolio. Und natürlich setzt ein gutes Risikomanagement akkurate Planungsprozesse voraus, bei denen vielerlei Szenarien erstellt und bewertet werden – denn in den zentralen Technologie-Zukunftsfeldern darf es keine bösen Überraschungen geben. Dazu ist auch nötig, gewisse Umkehrpunkte beziehungsweise Ausstiegspunkt zu definieren – und dann auch die Disziplin zum Ausstieg zu haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie arbeiten natürlich auch mit vielen Partnern zusammen. Was hat diese „Arbeitsteilung“ für Auswirkungen auf die Kultur bei ZF und seine Beschäftigten?
Die Kultur der Partner wird  als bereichernde Ergänzung verstanden. Das klappt in den meisten Fällen recht gut. Die kleinen Start-up-Unternehmen in unserem Partnernetzwerk bringen zum Beispiel viel Agilität und Flexibilität mit. Das Tempo einiger Partner gibt aber für gemeinsame Projekte durchaus den Takt vor – und das empfinden viele Projektbeteiligte auf ZF-Seite als befreiend und motivierend.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Herausragend ist die Partnerschaft mit Nvidia. Wie ist hier der Stand?
Die Partnerschaft ist  sehr gut, auch weil die Rollen klar verteilt sind. Wir sind der Tier 1 und werden von Nvidia mit wesentlichen Technologiebausteinen beliefert. Unser Supercomputer ZF ProAI profitiert von den schnellen Entwicklungszyklen unseres Partners und wir machen die Technologie sicher und tauglich für die Anwendung in Autos, Nutzfahrzeugen, Bussen und auch für Baumaschinen und die Agrartechnik. Sogar einen Gabelstapler haben wir mit einem künstlichen Intelligenz-System ausgerüstet.