Ventilsitzringe für die Motoren des VW Käfer von Bleistahl

Der Einstieg in den Automobilmarkt gelang Bleistahl in den 50er Jahren mit Ventilsitzringen für die Motoren des VW Käfer. Bild: Bleistahl

63 Jahre kam Autozulieferer Bleistahl mit diversen selbstgeschriebenen und veralteten Programmen zurecht. Doch seit einem Jahr hat das mittelständische Familenunternehmen erstmals ein professionelles ERP im Einsatz. Was hat es gebracht? Ein Report des SAP-Quality-Award-Preisträgers in der Kategorie Fast Delivery.

Was der VW Käfer für Bleistahl bedeutete und warum die IT eine Nebenrolle spielte

In den letzten sechs Jahrzehnten ist das Familienunternehmen Bleistahl zum Weltmarktführer für Ventilsitzringe und Ventilführungen gewachsen und fertigt diese bereits in der dritten Generation mit mehr als 800 Mitarbeitern an Standorten in China, USA, Südafrika, Brasilien und Deutschland. Die Produkte der Firma kommen in Pkws, Lkws, Industriemotoren, im Motorsport, in Sportflugzeugen und Funmobilen auf der ganzen Welt zum Einsatz. Der Einstieg in den Automobilmarkt gelang in den 50er Jahren mit Ventilsitzringen für die Motoren des VW Käfer. Oliver Schlüter wurde schnell klar, was auf ihn zukam, als er vor sechs Jahren vom internationalen Milliardenkonzern PPG zum Mittelständler ins Ruhrgebiet wechselte. Denn die IT ist in dieser Zeit mit dem Unternehmen einfach mitgewachsen. Mit den Anforderungen der Kunden stiegen jedoch auch die Anforderungen an die IT. „Die selbstgeschriebenen Software-Programme wurden irgendwie miteinander verknüpft und verquickt“, meint IT-Manager Schlüter, „mit einem ERP oder gar einem Standard hatte das nicht viel zu tun.“ Mit dem Geschäftsalltag waren die Systeme nicht mehr vereinbar.

Warum ein ‚echtes ERP’ den Willen zu Veränderung voraussetzt

2011 startete ein IT-Dienstleister bei Bleistahl, um den Wandel im Unternehmen zu begleiten. „Doch wir waren nicht bereit, uns zu verändern, wollten alles weiter machen wie bisher, nur mit neuer Software“, erinnert sich Schlüter an seine ersten Tage im Unternehmen. Eine Mission Impossible. „Mit dem Einlegen einer CD war es nicht getan, die IT-Landschaft zu modernisieren“, sagt Schlüter.

Wie die neue Strategie aussieht

IT-Manager Schlüter war ja auch eigentlich gekommen, um aufzuräumen. Und das bedeutete nun endgültig Standardisierung und Harmonisierung. Der neue IT-Leiter brauchte ein IT-System, mit dem Bleistahl vom Headquarter aus in die Welt hinausgehen und Service anbieten kann. Die Systeme mussten also von Grund auf neu aufgebaut werden. Sicherheits-, Unterhalts- und Betriebssysteme sollten möglichst einheitlich sein und auf dieser Basis ausländische Standorte leicht anzubinden sein.

Warum eine SAP-Hausmesse nötig wurde

„Eine Umfrage ergab, dass sich genau drei Mitarbeiter von Bleistahl auf SAP freuten – der Finanzchef, der Geschäftsführer und ich“, erinnert sich Schlüter, dem das entschieden zu wenig war. Die Stimmung war bestenfalls abwartend. Die Mitarbeiter waren unsicher, was der neue Standard für sie konkret bedeuten würde, der ja Verkauf, Vertrieb, die Logistik, das Finanzwesen, das Lager, die Transportprozesse und den Datenaustausch über EDI betraf. „Es war wichtig, Vertrauen herzustellen, um eine Basis für die gemeinsame Arbeit zu schaffen“, sagt Schlüter. Die Idee der SAP-Hausmesse entstand. Dort wurden die wichtigsten Fragen geklärt: Was bedeutet SAP für Bleistahl? Was heißt das für den zentralen Einkäufer und andere Rollen im Unternehmen? Wie sehen die neuen Prozesse jeweils aus? Das Projektteam stand für Fragen und Antworten zur Verfügung, gab Auskunft darüber, was im Projekt gut gelaufen war und was nicht. Trainings für die Enduser ergänzten diese Aufklärungsinitiative – abgestimmt auf den 3-Schicht-Betrieb vor Ort. „Wir sind iterativ vorgegangen, haben auf Bedarf neue Trainings gemacht, in denen wir immer tiefer in die Prozesse hineingegangen sind“, sagt Schlüter.