Alexander Lutze, BPW Innovation Lab in Siegburg. Hier wird das "Internet of Transport" entwickelt -  IoT, SAP- sowie Transport- und Logistikexperten entwickeln gemeinsam Lösungen für den vernetzten Transport.

Alexander Lutze, BPW Innovation Lab in Siegburg. Hier wird das "Internet of Transport" entwickelt - IoT, SAP- sowie Transport- und Logistikexperten entwickeln gemeinsam Lösungen für den vernetzten Transport. Bild: BPW Bergische Achsen KG

Der Weg zum Innovation Lab bei BPW Bergische Achsen ist beschwerlich. Im vierten und obersten Stockwerk eines Fabrikgebäudes liegt die knapp anderthalb Jahre alte Digitalisierungs-Ideenschmiede des Mobilitäts- und Systempartners der internationalen Transportindustrie. Wer nicht trainiert ist, gerät außer Puste. Denn die Etagen haben hohe Decken. Sie sind nicht für Menschen gemacht, eher für riesige Maschinen. Noch dazu lauern auf dem Weg nach oben Poster mit Botschaften wie „Fail Early, Fail Often“ – eine Herangehensweise, die für den Hersteller von Qualitätsprodukten wie hochwertigen Trailer-Achsen lange Zeit eher gewöhnungsbedürftig war.

BPW Innovation Lab: Refugium für Querdenker

Arndt Hoffmann nimmt die vielen Stufen jeden Tag. Der Wirtschafts-Ingenieur ist in die Endetage bereits eingezogen als nicht mal eine Pflanze im etwa 90 Quadratmeter großen Refugium der Querdenker von BPW Bergische Achsen zu finden war. Das ist heute anders. Eine offene Küche, ein paar Besprechungstische, eine rote Couch, diverse Schreibtische, einige Yukkapalmen und natürlich Flipcharts. Neudeutsch spricht man hier von einem Open Space, der sich zudem im Sommer um eine fast ebenso große Dachterrasse erweitern lässt. Hoffmann ist der Mann, der frische Ideen bewertet, sie auf Herz und Nieren überprüft und zuletzt viele nach dem Fail-Fast-Prinzip aussortiert.

Design Thinking und Business Model Canvas: Stärken und Schwächen von neuen Ideen entdecken

Methodiken wie Design Thinking und Canvas sind hier die Ansätze, mit denen neue Ideen gefunden und treffsicher bewertet werden. Erst kürzlich waren Mitarbeiter aus vier Geschäftsbereichen von BPW im Innovation Lab, um Risiken und Chancen aktueller Geschäftsmodelle zu hinterfragen und Handlungsfelder zu definieren, die mittelfristig erfolgversprechend erscheinen. „Mitte Juni werden die Ergebnisse der Geschäftsführung vorgestellt“, berichtet Marcus Sassenrath, der zudem für die Internationale Managementkonferenz des Unternehmens Workshops für 80 Mitarbeiter organisierte. Dafür schulte er zuvor sechs Moderatoren, die dann im Anschluss die parallelen Workshops leiteten.

Das Ziel: Herausfinden, wie digitale Produkte die Welt von Personas wie etwa Fuhrparkleitern und Disponenten positiv beeinflussen können. „Danach konnten wieder ein paar mehr Mitarbeiter die Methode anwenden“, ist der CDO von BPW überzeugt, der für die IT- und Digitalisierungsstrategie des Unternehmens mit weltweit 6.900 Mitarbeiter und 1,3 Milliarden Euro Umsatz (2016) verantwortlich ist. Der Vorzug der neuen Methodik: „Jegliches Meeting-Gehabe fällt hier weg, wir kommen schneller zu Ergebnissen und es gibt keine endlosen Diskussionen mehr“, beschreibt Sassenrath einige der Vorteile etwa durch Design Thinking.

„Jegliches Meeting-Gehabe fällt hier weg, wir kommen schneller zu Ergebnissen und es gibt keine endlosen Diskussionen mehr“, beschreibt Marcus Sassenrath, CDO bei BPW Bergische Achsen, die Vorteile von Design Thinking.
„Jegliches Meeting-Gehabe fällt hier weg“, so Marcus Sassenrath, CDO bei BPW Bergische Achsen, über die Vorteile von Design Thinking. Bild: SAP

Transparenz in der Supply Chain durch digitale Logistikprozesse

Ein konkretes Produkt des BPW Innovation Labs hält Alexander Lutze, ebenfalls Gründungsmitglied des Innovation Labs, in der Hand. Es ist ein „Tracker“, der dafür da ist, etwa die Position und Erschütterungen beim Transport von Waren zu messen. Um zu verstehen, dass der Markt ein solches Produkt braucht, sind Lutze und Kollegen in andere Rollen geschlüpft, zum Beispiel in die des Produktionsplaners. Der möchte wissen, ob die Bauteile rechtzeitig eintreffen, die für die Fertigstellung eines Produktes erforderlich sind. Sind etwa Achsen auf dem Weg zum Kunden, möchte er wissen, wann sie ankommen.

Der Tracker, der durch eine technische Innovation nun bis zu zwei Jahre ohne Batteriewechsel auskommt, wird auf dem Trägergestell der Achsen befestigt, so dass immer klar ist, wo sich die Lieferung befindet. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Versender zu, der die gerade gefertigten Bauteile auf die Reise zum Kunden schickt. „Die zunehmende Digitalisierung von Logistikprozessen wird dazu führen, dass Versender und Empfänger den Transportprozess künftig mehr und mehr selbst in die Hand nehmen“, erläutert Sassenrath. Unsere Tracking-Lösung ist ein wichtiger Baustein dafür,  weil sie die digitale Warenverfolgung abdeckt.“

„Transparenz schaffen von Rampe zu Rampe“ benennt Sassenrath den Fokus seiner Lösung, für die er SAP als Geburtshelfer sieht. Denn in einem Design-Thinking-Workshop mit Innovationsmanager und dem Leiter des SAP Digital Studios Kai Wussow von SAP Digital Business Services sind Anfang 2017 die ersten Ideen zum „Internet of Transport“ entstanden – übrigens ein Produktname, den sich BPW ob des möglichen Marktpotenzials vorsorglich hat schützen lassen. Heute haben bereits fünf Kunden die Lösung als Piloten im Einsatz. „Der Tracker ist über das Prototypen-Stadium hinaus und geht gerade in Serie“, so Sassenrath.

Zudem ist ein SAP Add-on in der Entwicklung, durch das aus einem SAP- Fertigungsauftrag heraus ein Link generiert werden kann, der über die aktuelle Position der Lieferung Auskunft gibt. Es sind solche und viele weitere Innovationen auch aus anderen Bereichen von BPW, die dazu beigetragen haben, dass das Unternehmen in der Kategorie Automobilindustrie von Focus Money gerade als „Digital Champion“ (3. Platz) ausgezeichnet wurde.

Sassenraths „soziokratischer“ Ansatz: Jede Idee zählt

Im „Kompetenzzentrum für die Digitalisierung im Transport“, dem BPW Innovation Lab, gibt es keinen „Chef“. Zwar hat es Sassenrath mitgegründet, initiiert und ist auch „zu einem Drittel“ dort tätig und formal verantwortet der Digitalisierungsexperte das Innovation Lab gegenüber der BPW-Geschäftsleitung, doch spielt das im alltäglichen „Doing“ in Siegburg keine Rolle. Das Credo heißt: Auf Augenhöhe kommunizieren und selbstorganisiert arbeiten. Wie in jedem Design-Thinking-Workshop zählt jede Idee, egal von wem. Von einem „soziokratischen Ansatz“ spricht Sassenrath, der dem Team den Rücken freihält, wenn es um Ressourcen oder um Themen geht, bei denen das InnoLab an etablierten Prozessen „aneckt“ und Diskussionen mit dem Mutterhaus geführt werden müssen.

Vom Dachgeschoss des BPW Innovation Lab aus haben Sassenrath, Lutze, Hoffmann und ihre Kollegen einen weiten Blick über die Stadt, hinein ins nahegelegene Bergische Land. Insgesamt haben mittlerweile über 200 Mitarbeiter der BPW Bergische Achsen in diesem Dachgeschoss der Fabrik Ideen entwickelt und bewertet. „Ausreichend Abstand, um kulturell nicht eingeschränkt zu werden und nah genug, damit Austausch möglich ist“, befindet Sassenrath, der zwei Drittel seiner Zeit im 40 Kilometer entfernten Mutterhaus in Wiehl verbringt und immer noch meistens zu Fuß ins Dachgeschoss der Digitalisierungskollegen gelangt und den Aufzug meidet. Das ist nur konsequent. Denn Innovationen schaffen ist ein wenig wie Treppen steigen: Es kostet Kraft und Ausdauer – sonst wird das nichts.

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