Intelligente Mobilität IoT by SAP

Digitale Mobilität: Nutzer, Verkehrsmittel und Infrastrukturen sollten vernetzt sein, so dass ein Austausch von Informationen möglich wird. - Bild: Dove Lee, Getty Images

Wer von München nach Düsseldorf fahren möchte, kennt die Optionen: Er fährt mit dem eigenen Auto, kauft ein Zugticket bei der Bahn, bucht einen Flug oder sucht sich eine Mitfahrgelegenheit. So weit, so einfach. Wer nicht mit dem eigenen Auto fährt, steht nun vor der Frage, wie er zum Mitfahr-Treffpunkt, zum Bahnhof oder Flughafen kommt. Mit dem Bus, der Straßenbahn, dem (my)Taxi, mit dem Rad per Call a Bike, per Auto mit DriveNow oder Car2Go oder mit dem eigenen Fahrrad? Am Ankunftsort sind die Herausforderungen dann wieder die gleichen. Immer auch verknüpft mit der Frage, was es wohl kosten wird oder ob etwa der öffentliche Nahverkehr mit dem erworbenen Bahnticket abgedeckt ist. Zu guter Letzt entscheiden sich immer noch viele für die klassische Taxivariante: Hineinsetzen, im Idealfall den Arbeitgeber zahlen lassen und ankommen. Wer mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, muss mit sich mit Staus und Parkplatzsuchen auseinandersetzen.

Das Manko: Leuchtturmprojekte, aber keine Gesamtsicht

Mit der Vision einer intelligenten Mobilität hat diese Art zu Reisen wenig zu tun. Denn so gut die eine oder andere Parkplatz-App, die Taxivermittlung über mytaxi, die Mitfahrsuche über BlaBlaCar oder Carsharing über DriveNow oder das Buchen über deutschebahn.de auch funktionieren: Die Plattformen funktionieren nur für sich gesehen, aber nicht zusammen. „Es muss ein gegenseitiges Verständnis für Geschäftsmodelle und Partner her“, fordert Professor Michael Ortgiese von der Fachhochschule Potsdam, der als Experte für Verkehrswesen an der ‚Roadmap Intelligente Mobilität’ mitgearbeitet hat, die die ‚Fokusgruppe Intelligente Mobilität’ kürzlich herausgab. „Die Autoindustrie, der öffentliche Nahverkehr, die IT-Branche, die öffentliche Hand und die Politik: Alle haben sie ihre Sicht auf die Dinge, erfüllen andere Regularien und verfolgen andere Modelle“, so Ortgiese weiter.

Die vier Kennzeichen der digitalen Mobilität

Die ‚Roadmap Intelligente Mobilität’ hilft zu verstehen, was intelligente Mobilität leisten sollte:

1. Mobilitätsrelevante Daten von Mobilitätsteilnehmern sollten erfasst und verwendet werden, um auf dieser Basis individuelle Angebote zu ermöglichen.

2. Nutzer, Verkehrsmittel und Infrastrukturen sollten vernetzt sein, so dass ein Austausch von Informationen möglich wird.

3. Verkehrsflüsse und Mobilitätsverhalten sollten in einem Gesamtsystem inter- multimodal gesteuert werden können.

4. Digitale Technologien sollten zur Information, Planung, Nutzung und Steuerung von Verkehrsmitteln, Verkehrsinfrastrukturen und Verkehrsflüssen eingesetzt werden.

32 Mobilitätsprojekte als Basis

Dass diese Anforderungen technisch umsetzbar sind und komplexe Mobilitätsprojekte realisierbar, zeigen jene 32 Initiativen diverser Unternehmen, die in die Roadmap Intelligente Mobilität eingeflossen sind, darunter auch die folgenden beiden:

Dazu gehört etwa ein Projekt von SAP in Nanjing. Hier stattete die 8-Millionen-Stadt in China Busse und Taxen mit Sensoren aus und bestückte die elektronischen Tickets mit RFID-Chips. An jedem Drehkreuz zur U-Bahn wurde dessen Bewegung automatisch registriert. In Echtzeit werden diese 100 Millionen Informationen pro Tag auf einem zehn Meter hohen und zwölf Meter breiten Bildschirm dargestellt. Das Ziel ist zunächst, aus den vielen Bewegungen Muster zu erkennen und auf dieser Basis zu prognostizieren, wie sich der Verkehr – etwa nach Fußballspielen oder anderen Großveranstaltungen – entwickeln wird. Über die ‚My Nanjing App’ kann jeder Nutzer seine Wege selbst planen und etwa Sharing-Services für Räder an U-Bahnstationen mit nutzen.

Mobilität betrifft allerdings nicht nur den Privatreisenden, sondern auch den Bereich Transport und Logistik. So setzt die Hamburg Port Authority inzwischen eine Plattform ein, die es ermöglicht, diverse am Geschäft im Hafen beteiligte Unternehmen wie Speditionen, Reedereien, Terminalbetreiber miteinander zu vernetzen. Das Ziel besteht darin, die bestehende Infrastruktur intelligenter und effizienter zu nutzen und konkret das Be- und Entladen eines Containerschiffs mit 10000 Containern so schnell wie möglich zu bewerkstelligen. Was bis dato ‚nur’ in Hamburg genutzt wird, könnte schon bald eine ganze Reihe von ‚Smart Ports’ geben, die die eingesetzte SAP-HANA-Technologie nutzen.

Personenverkehr und Logistik gemeinsam denken

Personenverkehr wie Logistik müssen nach Ansicht von Verkehrsexperte Ortgiese zusammen gedacht werden: „Der Güterverkehr und die Logistik auf der einen Seite und der Personenverkehr auf der anderen Seite nutzen dieselbe Infrastruktur“, sagt Ortgiese, „gerade deswegen ist die Kooperation der Akteure enorm wichtig.“ Die Kunst wird darin bestehen, aus diesen und auch den 30 anderen analysierten Leuchtturmprojekten zu lernen. Verkehrsexperte Ortgiese geht es um nicht mehr als ein Grundverständnis über ‚Intelligente Mobilität’: „Das ist nötig, um das Thema zum Fliegen zu bekommen.“ Denn bisher mangelt es noch daran, „gemeinsame Geschäfts- und Betriebsmodelle zu finden, die sowohl lokal als auch übergreifend funktionieren.“

Ob es das ‚Portal für alle’ eines Tages wirklich geben wird, ist ungewiss. Die Deutsche Bahn jedenfalls betreibt bereits ein Auskunftsportal, das deutschlandweit im Einsatz ist. „Was spricht eigentlich dagegen, es durch regionale Car- oder Ridesharing-Angebote und andere Mobilitätsdienste anzureichern?“, fragt Ortgiese. Einen Versuch ist es wert, auch für die Reisenden von Berlin nach Düsseldorf.

Informationen

In der ‚Roadmap Intelligente Mobilität’ hat die Fokusgruppe ‚Intelligente Mobilität’ sieben Handlungsfelder definiert. Sehen Sie im folgenden Video die aktuellen Entwicklungen des Smart Ports in Hamburg. Wie sich Nutzungsszenarien zu Smart Mobility auswirken, behandelt die kürzlich erschienene Buchveröffentlichung zu Smart Mobility von Barbara Flügge im Springer Verlag. Erfahren Sie zudem mehr über die Mobility-Lösungen von SAP auf der New Mobility World der 67. IAA PKW in Frankfurt vom 14. bis 17. September 2017.