Bild: Shutterstock

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Herr Lange, vor allem Unternehmen aus den USA schwärmen von den neuen Möglichkeiten des Internet of Things. Auch in Deutschland kommt keiner mehr an dem Thema vorbei. Sie raten dennoch dazu, nichts zu überstürzen. Weshalb?
Den meisten Unternehmen in Deutschland ist klar, dass sie in weitere Digitalisierung investieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch der deutsche Markt unterscheidet sich vom US-amerikanischen. Während die Amerikaner schneller agieren und oft auf Trial-and-Error setzen, sind Deutsche traditionell vorsichtiger. Das ist auch gut so. Statt einfach mal los zu starten, sollten Unternehmen zunächst analysieren, wo sie stehen und was in Zukunft möglich ist. Sie müssen ein stabiles Fundament legen und dann erst den nächsten Schritt gehen.

Wie kann diese Analyse aussehen?
Wir raten unseren Kunden, ihr Unternehmen zunächst intensiv zu scannen: Wo stehen wir in der Digitalisierung? Lassen sich unsere Maschinen auf den neuesten Stand bringen und beispielsweise mit Sensoren ausstatten – und was bringt das konkret? Danach stellt sich die Frage nach der Datenqualität. Oft lassen sich schon die bestehenden Daten im Unternehmen nicht auswerten, weil sie unstrukturiert sind. Eine wichtige Maßnahme wäre dann, diese Daten zu ordnen – oftmals ergeben sich daraus schon erste Anwendungsszenarien, beispielsweise im Marketing. Hier sind meist viele Informationen hinterlegt, die, richtig strukturiert, zu neuen Geschäftsfeldern oder Produktideen führen. Datenanalysten können Kausalzusammenhänge finden und ihr Reporting auf eine neue Stufe bringen. Wenn das alles erledigt ist, ist der Weg frei für IoT und die Risiken halten sich dann in Grenzen.

Gehen wir davon aus, die bestehenden Daten im Unternehmen sind strukturiert und werden genutzt. Die Verantwortlichen wissen, welche technischen Möglichkeiten es gibt und ob bestehende Anlagen aufgerüstet werden können. Wie geht es nun weiter?
Prinzipiell kann es jetzt ähnlich weitergehen wie bei den Amerikanern: mit Trial-and-Error. Die Verantwortlichen suchen sich ein erfolgversprechendes Anwendungsszenario heraus und probieren es einfach mal aus. Dank der deutlich besseren Vorbereitung ist das Investitionsrisiko gering. Dennoch hat die Erfahrung gezeigt, dass mit dem ersten Use-Case noch viele andere Ideen auftauchen. Daher empfiehlt es sich, zunächst klein anzufangen und nicht gleich das ganze Unternehmen umzustrukturieren. Wichtig dabei ist, nicht einfach das zu tun, was gerade im Trend ist, sondern die Marktentwicklungen und die Kundenanforderungen zu betrachten. In der produzierenden Industrie beispielsweise geht der Trend dazu, immer umfassendere Dienstleistungen anzubieten. Viele Hersteller verdienen weniger mit ihrem eigentlichen Produkt als mit dem anschließenden Service. Da bietet sich Predictive Maintenance an, um beispielsweise Wartungsintervalle zu reduzieren oder Maschinenausfälle beim Kunden voraussagen zu können. Das heißt aber nicht, dass das für alle Unternehmen der produzierenden Industrie zutrifft. Alles in allem ist eine gründliche Vorbereitung wichtig, dann ist das Thema IoT überschaubar und erfolgversprechend. Natürlich sagt sich das mit der Vorbereitung leicht – oft weiß man aber ja gar nicht, was überhaupt möglich ist. Wir haben deshalb gemeinsam mit unserem Partner ROI Consulting einen Industrie-4.0-Schnellcheck entwickelt mit dem Unternehmen ihren digitalen Reifegrad messen können. Mit diesem Wissen fallen die nächsten Schritte viel leichter.