IoT-Plattform, Retail Innovation Lab, SAP

Einkaufen per Smartphone: Bei jeder Bewegung von Waren oder Einkaufswägen fließen Daten in die Cloud. In einer IoT-Plattform werden diese Daten analysiert und neue Erkenntnisse über das Einkaufsverhalten der Kunden gewonnen. Bild: SAP

Oliver Reulmann ist auf IoT-Mission. Auf Messen und Kongressen präsentiert der Strategic Architect für die Branche Retail bei SAP den ‚IoT Store on Wheels’, eine Einzelhandelsfiliale als Miniaturmodell, mit Sensoren ausgestattet und vernetzt. Bei jeder Bewegung von Waren oder Einkaufswägen fließen Daten in die Cloud. In einer IoT-Plattform (auf Basis der SAP HANA Cloud Platform) werden diese Daten analysiert und neue Erkenntnisse über das Einkaufsverhalten der Kunden gewonnen. „Wir wollen die Händler für die Technologien der Zukunft gewinnen“, sagt Reulmann aus dem Digital Business Service von SAP, „und was ist da besser geeignet, als ein Modell, das man anfassen und dessen Auswertung man direkt selbst machen kann.“

IoT für Retail: Die wichtigsten Hürden

Oliver Reulmann, SAP, IoT
Oliver Reulmann, SAP: „Wir wollen die Händler für die Technologien der Zukunft gewinnen.“ Bild: SAP

Überzeugungsarbeit ist nötig. „Denn noch gibt es einige Hürden auf dem Weg in die technologische Zukunft des Handels“, sind Michael Osthof und Hendrik Hilger überzeugt, die Leiter des Retail Innovation Labs von SAP in Sankt Ingbert.

  1. Inselbetrachtung: Die Ansätze bei einzelnen Handelsunternehmen sind oft isolierte Engagements beispielsweise mit kleinen Startups, die sich einzelne Aspekte des Verkaufsprozesses vornehmen. „Was hilft es einem Unternehmen, Besucherströme zu analysieren, wenn diese nicht mit den aktuellen Umsätzen synchronisiert werden?“, fragt  der gelernte Wirtschaftsinformatiker Hilger, „der geschäftliche Kontext bleibt noch zu oft auf der Strecke oder kommt erst verspätet hinzu.“

  2. Zu viele Technologien: „Es gibt viele Technologien, die IoT-Szenarien unterstützen, aber nicht die eine, die alles kann“, sagt SAP-Experte Osthof. So gibt es beispielsweise für die Erfassung von Besucherströmen in der Filialen die Möglichkeit, die WIFI-fähigen Geräte der Kunden anonymisiert mit zu verfolgen, Videoaufnahmen zu analysieren oder Bluetooth einzusetzen. Alle Technologien haben ihre Vor- und Nachteile. Über die SAP HANA Cloud Platform lassen sie sich gemeinsam analysieren. Weiterer wichtiger Aspekt: Diese konsolidierten Erkenntnisse lassen sich zusammen mit Zahlen aus dem ERP, der Warenwirtschaft, der Logistik, dem Finanzwesen betrachten. „Wir verbinden die Ist-Welt der Dinge mit dem Business-Kontext“, so Osthof.

  3. Datenschutz ernst nehmen: Bei einem Pilotprojekt in einem neuen Einkaufszentrum werden die Laufwege der Besucher über eine Videokamera in einer Heatmap dargestellt – eine  anonymisierte Analyse, die letztlich wieder dem Kunden zugute kommen soll. Natürlich sind bei solchen Analysen datenschutzrechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, die sich in unterschiedlichen Ländern stark unterscheiden. „Es ist wichtig, von vornherein offen damit umzugehen, was mit Daten gemacht wird und welchen Mehrwert sie liefern“, sagt Reulmann. Es gibt zum Teil auch eine starke Diskrepanz zwischen dem, was erlaubt und dem, was gesellschaftlich akzeptiert ist. Ein Hackathon mit 25 Studentinnen aus dem Rhein-Main-Gebiet brachte kürzlich die Idee auf, dass sich Kunden in einem Smart Fitting Room in ihrem neuen Outfit fotografieren konnten, das danach im Schaufenster des Geschäfts gezeigt wurde. „Als ‚Werbeikone’ zu fungieren, machte den Kunden offenbar nichts aus“, sagt Osthof.

  4. Konkurrierende Projekte: Das Thema Omnichannel, also die konsolidierte Sicht auf alle Einkaufskanäle vom Online-Shop über den mobilen bis hin zum stationären Einkauf, steht aktuell noch bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Agenda. „Deshalb fehlt aktuell noch oft die Motivation, das noch neue Thema IoT anzugehen“, berichtet Osthof.
    Quick-start Implementation’ nimmt Kunden die Angst vor teurem IoT-Großprojekt.
    Dabei ist der Einstieg oft nicht so kompliziert wie von vielen gedacht. „Schon nach acht bis zehn Wochen lassen sich mit einer Quick-start Implementation erste Erfolge des Einsatzes von IoT-Projekten sehen“, so zeigt die Erfahrung von Hendrik Hilger, einem der Spezialisten, die an neuen technologischen Ansätzen für den Handel tüfteln. Über Design Thinking die Anforderungen des Kunden spezifizieren, einen Prototyp bauen, überlegen, wie sich die IT-Infrastruktur einbinden lässt und agil die Version 1.0 der IoT-Anwendung auf Basis der SAP HANA Cloud Platform entwickeln: „Ein Einstiegsprojekt ist überschaubar lang und erfordert keine langen Planungszeiträume“, sagt Hilger, der nicht zuletzt aufgrund der bereits vorkonfigurierten IoT-Plattform eine gute Möglichkeit sieht, schnell user-zentrierte Ansätze umsetzen zu können.