SAP-Netzwerker Muench, Stelzer und Seiz

Uli Muench, Global Vice President Industry Business Unit Automotive, SAP, Timo Stelzer, Vice President IoT&Digital Supply Chain; Head of Connected Vehicles R&D, SAP, und Reiner Seiz, Director Automotive Solutions Industry Business Unit Automotive, SAP. Bild: AUTOMOBIL PRODUKTION

In der Wirtschaft geht es nicht mehr nur darum, einzelne Prozessschritte in Unternehmen abzuwickeln, sondern komplette Abläufe zu koordinieren, die sich über die gesamte Wertschöpfungskette erstrecken. Dazu stellt SAP den Kunden die notwendigen Anwendungen, Netzwerke und Plattformen zur Verfügung, die sie brauchen, um die Potenziale der vernetzten Wirtschaft zu nutzen, sich miteinander zu verbinden und effizient zusammenzuarbeiten.

So kombiniert SAP die Funktionen von Ariba, den Handel mit Waren und Dienstleistungen zu organisieren, mit den Funktionen von Fieldglass, externe Mitarbeiter und Projektarbeit zu verwalten, und den Funktionen für Reise- und Reisekostenmanagement von Concur. Damit hilft SAP Unternehmen, ein virtuelles Netzwerk von Partner-Unternehmen in einer gemeinsamen Community zusammenführen. Damit verbessert sich die Informationsbasis für Unternehmen erheblich, so dass sie zentrale Geschäftsprozesse noch effizienter und einfacher abwickeln können, von der Beschaffung über die Fakturierung und Zahlung bis zum Ausbau ihres Personals und dem zielgenauen Management ihrer Talente. „Ein drittes Netzwerk ist das SAP Vehicles Network“, sagt Uli Muench, Global Vice President Industry Business Unit Automotive, SAP. „Wir sehen hier nicht nur die Technologie im Vordergrund. Natürlich benutzen wir die SAP Cloud Plattform-Technologie, um dieses Netzwerk zu erstellen, aber unser Hauptaugenmerk ist und bleibt es, einen Marktplatz für Mobilitätsdienstleistungen zu erstellen und zu betreiben.“

Als Teil des Innovationsportfolios SAP Leonardo ermöglicht das transaktionsbasierte SAP Vehicles Network ein intelligentes, automatisiertes Erlebnis – von der Anmietung von Fahrzeugen über die Parkplatz- und Tankstellensuche und digitale Bezahlmöglichkeiten bis hin zu integrierter Navigation und Spesenabrechnung für Geschäftsreisende. „SAP hat dazu unter anderem neue Vereinbarungen mit Deutsche Tamoil und Q1 angekündigt, durch die Hunderte Tankstellen an das SAP Vehicles Network angeschlossen werden“, sagt Timo Stelzer, Vice President IoT & Digital Supply Chain; Head of Connected Vehicles R&D, SAP. Dank Kooperationen mit PACE und Tantalum kommen zudem automatisierte Optionen zum Begleichen von Parkplatzgebühren und Benzinkosten hinzu. „Das heißt also, Automobilhersteller können in Zukunft nicht nur Tankstellen als Navigationsziel im Navigationssystem anbieten, sondern es dank ‚Mobile Payment’ auch ermöglichen, dass Autofahrer ihre Tankrechnung direkt aus dem Fahrzeug heraus bezahlen können - anstatt in der Schlange anzustehen“, so Stelzer weiter.

SAP Vehicles Network

Bereits 2014 haben SAP, Shell und Volkswagen an einem Pilotprojekt gearbeitet, das der Frage nachging, wie vernetzte Fahrzeuge mit ihrer Umwelt interagieren können. Das gemeinsame Innovationsprojekt sollte den Weg für eine Vielzahl von Services ebnen, die Autofahrern das Leben leichter machen, darunter auch das mobile Bezahlen an Zapfsäulen. Ziel des Projekts war es, Autofahrern eine cloudbasierte Lösung zur Verfügung zu stellen, die Zeit spart und wichtige Informationen und Angebote bereitstellt. „Im Rahmen dieses Projekts konnten Volkswagen-Kunden über Monate hinweg verschiedene Szenarien erproben“, sagt Reiner Seiz, Director Automotive Solutions Industry Business Unit Automotive, SAP. „Die VW-Kunden konnten an Shell-Tankstellen mit der VW-App bezahlen. Oder sie konnten ihr Elektrofahrzeug laden und Parkplätze reservieren – und bekamen zudem Location Based Offers von McDonalds“. Ein einzelnes Unternehmen könnte nur schwerlich einen derart umfassenden Service nicht bieten. „Das Pilotprogramm bildete die Grundlage für weitere Gespräche über Kooperationen im Bereich Connected Cars – nicht nur zwischen den drei Unternehmen, sondern auch mit anderen Firmen“, so Seiz weiter. „Dieses erfolgreiche industrieübergreifende Pilotprojekt zeigt das Potenzial, das in den Mobilitätskonzepten der Zukunft steckt. Gleichzeitig demonstriert es den Nutzen und den Komfort für unsere Kunden“, sagte damals Dr. Volkmar Tanneberger, Leiter Elektrik- und Elektronikentwicklung, Volkswagen AG.

SAP arbeitet im Bereich Connected Cars mit sehr vielen Automobilherstellern zusammen, doch am Ende des Tages liegt es an den Automobilherstellern, Mobilitätslösungen und -Apps wie ‚Mobile Payment’ irgendwann mit ihren Fahrzeugen in den Markt zu bekommen. „Das kann sowohl als Offering in Neufahrzeugen oder über eine Zusatz-App in älteren und nicht vernetzten Fahrzeugen stattfinden“, sagt Vice President IoT & Digital Supply Chain Stelzer. Im Rahmen verschiedener Geschäftsmodelle, die SAP mit Automobilherstellern und Tankstellenbetreibern bespricht, sind zum Beispiel heute schon folgende Business-Szenarien denkbar: Der Automobilhersteller weiß, wie lange ein Fahrzeug unterwegs ist, wie viele Leute im Auto sitzen und wie viele Anschnallgurte tatsächlich aktiviert sind. Wenn zudem die Strecke bekannt ist, könnte der OEM auch vorhersagen, wenn das Fahrzeug welche Tankstelle ansteuert. „Jetzt kann der Automobilhersteller natürlich alle diese Daten an den Tankstellenbetreiber übergeben und ihm damit ermöglichen, auf die Insassen des Autos zugeschnittene Produkte aus seinem Shop anzubieten, wie zum Beispiel ‚Family Pizza’ und vier kalte Getränke“, sagt Uli Muench. Ein interessantes Szenario, nicht zuletzt deshalb, weil „Tankstellen sehr viel höhere Margen im Family Store haben als beim Benzinverkauf“ (Muench). „Wir könnten so was auch unterstützen, aber es ist nicht unser Businessmodell und es sind nicht unsere Daten. SAP will auch gar nicht auf diesen Daten sitzen oder sie besitzen. Das wird bei jedem Deal, den wir in diesem Bereich machen, ganz klar geregelt“, sagt Reiner Seiz.

SAP habe eine ganz klare Mission: das Leben des Endbenutzers, der eigenen Unternehmen und der Kunden einfacher zu machen. „Und im Bereich Konnektivitätsdienste und Mobile Services gibt es drei Möglichkeiten: Wir bieten dieser Klientel eine passende Applikation, eine Plattform oder eben Zugriff auf diese Netzwerke.“ Und hier sieht sich SAP in einer ganz bedeutenden Rolle: „Zu unserem Kerngeschäft und zu unseren Kompetenzfeldern gehören seit eh und je Abrechnungssysteme. Und jetzt geht es darum, auf dieser Basis mit Kunden und mit Partnern zusammen neue, innovative Geschäftsmodelle abzubilden, die in diese Bereiche vorstoßen und sich im Markt etablieren“, so Timo Stelzer.