Mala Anand, President von SAP Leonard

"Nehmen Sie die Digitalisierung in Angriff. Nicht nur um Innovationen zu entwickeln, sondern um sich zu einem wahren digitalen Unternehmen zu entwickeln." Mala Anand, President von SAP Leonardo, Data & Analytics. Bild: SAP

Durch bahnbrechende Technologien verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen den Branchen. Für innovative Unternehmen eröffnet dies im Zuge ihrer Digitalisierung eine Vielzahl neuer Möglichkeiten. Aber auch für Kunden und Mitarbeiter ergeben sich daraus neue Aufgaben. „Wer sich neu ausrichten möchte, muss sein bestehendes Personal und das bestehende Geschäft schützen und parallel das neue Geschäft aufbauen“, sagte Henning Kagermann, Präsident von acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften,  in Frankfurt auf der SAP Leonardo Live, einer Konferenz, bei der das digitale Innovationssystem der SAP im Mittelpunkt steht. Mit der digitalen Transformation erleben wir laut Kagermann einen Wechsel von der Automatisierung zu autonomen Systemen. Diese lernfähigen Systeme könnten selbstständig ein vorgegebenes Ziel erreichen, auch wenn sich die Bedingungen änderten.

Smarte Fahrzeuge

„Die digitale Transformation findet jetzt statt – und eröffnet enorme Vorteile für Unternehmen“, sagte Pat Bakey, President SAP Industries, mit Bezug auf eine Studie des SAP Center for Business Insight. „Wir beobachten [auch], dass Unternehmen in verschiedenen Branchen tätig sind und dass die Grenzen zwischen Branchen verschwimmen.“ Ein Beispiel hierfür sei Volvo. Das Unternehmen steige in den Markt für autonome Fahrzeuge ein, bei dem die Fahrzeuginsassen sich beispielsweise weiterbilden oder Unterhaltungsangebote nutzen könnten, statt sich auf die Straße konzentrieren zu müssen. Die Passagiere dieser neuen Volvos müssten sich auch um die Versicherung keine Sorgen machen. Der schwedische Luxuswagenhersteller werde auch für Unfälle seiner Fahrzeuge haften. „Man muss sich einmal klar machen, welche Chancen sich Volvo durch neue Geschäftsmodelle eröffnen“, sagte Bakey. „Ist Volvo jetzt eigentlich ein Autobauer? Oder ein Telekommunikationsunternehmen? Oder ein Einzelhändler? Oder ein Unterhaltungskonzern?“

Tanja Rückert, President von IoT & Digital Supply Chain bei der SAP
"Diese Projekte sind mehr als nur IT-Implementierungen. Es geht um die Neuausrichtung Ihres Unternehmens." Tanja Rückert, President von IoT & Digital Supply Chain bei der SAP. Bild: SAP

Digitale Transformation nimmt Fahrt auf

Das britische Hightech-Konglomerat McLaren Technology Group verwendete 1993 bei seinen Formel-1-Rennwagen zum ersten Mal IoT-ähnliche Sensoren, um die Fahrleistung zu optimieren. Hierfür wurden die Bremsentemperatur, die Bodenfreiheit und viele weitere Parameter gemessen. (Später nutzte McLaren diese Datenanalysen für seine Fahrzeugsparte, um das Fahrerlebnis zu verbessern.) Die heutigen, modernen Sensoren von McLaren sammeln jedes Rennwochenende rund 100 GB an Daten.

„Wir haben inzwischen eine Sparte namens Applied Technologies, in die wir unsere Erfahrungen und unser Know-how aus der Formel 1 einbringen“, sagte Craig Charlton, CIO bei McLaren, auf der SAP Leonardo Live. „Dort prüfen wir, wie wir Technologie im Finanz- und Gesundheitswesen und bei vernetzten Fahrzeugen einsetzen können.“

Datenanalysen, die die McLaren-Fahrer im Cockpit unterstützten, könnten eines Tages Vorständen helfen, bei der Hauptversammlung zu glänzen, so Charlton. McLaren versuche sogar, Erfahrungen von herausragenden Boxencrews zu nutzen, um Fertigungsprozesse zu optimieren.

Die Unternehmenslandschaft ändert sich

„Die bisherigen Grenzen sind möglicherweise nicht mehr dieselben“, sagte Hans Thalbauer, Senior Vice President IoT & Digital Supply Chain im Bereich SAP Leonardo, am Dienstag. „Wenn man sich Online-Händler ansieht, entwickeln sich diese immer mehr zu Logistikunternehmen. Die Logistikdienstleister wiederum haben mit 3D-Druck angefangen. Und die Fertigungsindustrie bietet immer mehr Services an.“ Alle diese Möglichkeiten machen die heutige Zeit für Unternehmen sehr spannend. Auf die Mitarbeiter können diese ganzen Änderungen aber auch bedrohlich wirken.„Mitarbeiter und Unternehmen arbeiten nun gemeinsam daran, sicherzustellen, dass sie ihr Leben lang für den Arbeitsmarkt attraktiv bleiben“, sagte Kagermann von acatech. „Für die Mitarbeiter in einem Unternehmen kann man digitale Technologien nutzen, um Beschäftigte mit einem niedrigen Kenntnisstand auf ein viel höheres Niveau zu bringen, als sie es heute haben … wir hoffen, dass wir jeden dahin bekommen.“