Waberer's

Die Zeiten ändern sich: Waberer's als eines der größten Transportunternehmen Europas macht sich bereit für eine Zukunft aus E-Trucks, Road Trains und fahrerlosen Führerkabinen. Bild: Waberer's

Der Wandel, der sich für die globale LKW-Branche abzeichnet, ist mit dem vergleichbar, der zurzeit die autonomen, elektrischen Autos der Zukunft hervorbringt. In den kommenden Jahren werden LKW, die zwischen 70 und 75 Prozent aller Waren zu den lokalen Märkten in den USA und in Europa befördern, nicht mehr mit fossilen Brennstoffen betrieben werden.

An ihre Stelle treten Lastwagenkombinationen, die aus mehreren Elektro-LKW und einem führenden Sattelzug bestehen, der die nachfolgenden Fahrzeuge steuert, ähnlich den berühmten Road Trains im australischen Outback, die aus vier oder fünf miteinander verbundenen Sattelanhängern bestehen und schwere Lasten über große Distanzen transportieren.

Die Arbeit von Barna Erdélyi, dem stellvertretenden CEO bei Waberer’s International Nyrt, besteht darin, das Unternehmen auf diese Zukunft vorzubereiten. Waberer’s hat seinen Sitz in Budapest und ist in 28 Ländern vertreten. Mit einer Flotte von 4.300 Sattelzügen ist es einer der größten Logistikunternehmen in Europa.

Wandel in der Transportbranche

„Viele halten den LKW-Speditionsbetrieb für eine altmodische Branche. In der gesamten Sparte vollzieht sich jedoch derzeit einen Wandel, an dessen Spitze wir in Europa stehen. Wir investieren gerade sehr viel, um uns auf die E-Trucks, Road Trains und fahrerlosen Führerkabinen von morgen vorzubereiten“, so Erdélyi.

Waberer’s ist eines der größten Unternehmen Ungarns. Es wurde 1948 als Staatsbetrieb Volán Tefu gegründet. Die Firma wurde 1994 privatisiert und übernahm im Jahr 2002 Hungarocamion. Anschließend wurde sie in eine hybride Holding überführt. Heute ist das Unternehmen eine Aktiengesellschaft.

Bei der Börseneinführung im vergangenen Jahr erzielte Waberer’s einen Reinerlös von über 45 Millionen Euro und vollzog damit den größten Börsengang an der Budapester Börse seit 20 Jahren. Die LKW-Branche ist für jede Volkswirtschaft von zentraler Bedeutung, da sie das wesentliche Bindeglied zwischen Konsumenten und den Gütern bildet, die diese wünschen und benötigen.

Ohne Lastkraftwagen käme das Wirtschaftsleben zum Stillstand. Im Hinblick auf die Umwelt fordert diese Art des Transports jedoch auch einen hohen Tribut. Trotz der Bemühungen um mehr Sauberkeit, verursachen Gütertransporte auf der Straße immer noch rund 25 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen. Nach Angaben des US-Verkehrsministeriums machen LKW nur ein Prozent des gesamten Verkehrs aus, sind aber für mehr als ein Viertel an der durch Straßenverkehr verursachten Umweltverschmutzung verantwortlich.

Wer sind die Vorreiter bei Elektromobilität?

Dieselkraftstoff wird so schnell nicht aus unserem Alltag verschwinden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Ein Weg ist es, den Öl- und Kraftstoffverbrauch zu verringern und Fahrzeuge sparsamer zu machen. Eine andere Möglichkeit ist der Umstieg auf alternative Kraftstoffe wie Erdgas oder auf Elektromotoren und der Einsatz von dafür geeigneten LKW.

Die Wirtschaft kann bei diesen Veränderungen eine wichtige Rolle spielen. Vielen Unternehmen, vor allem in der Konsumgüterbranche, wird allmählich bewusst, dass sie diesen Wandel entscheidend mitgestalten können. Deshalb schließen sich immer mehr Unternehmen in globalen Initiativen wie der EV100 zusammen, um die Umstellung auf Elektrofahrzeuge zu beschleunigen und dafür zu sorgen, dass diese bis zum Jahr 2030 Normalität werden.

„Für uns ist das gut“, so Barna Erdélyi. „Die meisten unserer Kunden, etwa IKEA und Unilever, haben strenge Nachhaltigkeitsziele zur Reduzierung ihres Kohlendioxidausstoßes. Wenn sich solche Unternehmen zur Umstellung auf Elektrofahrzeuge verpflichten, verhilft dies uns im Transportgewerbe zur erforderlichen kritischen Masse und dem Vertrauen, diesen Weg ebenfalls weiterzugehen.“

So wird die Veränderung ablaufen

Der stellvertretende CEO von Waberer’s ist optimistisch. „Wir befinden uns in der besten Position, um Partnerschaften mit Firmen wie IKEA und Unilever einzugehen, da wir bereits über eine hochmoderne Fahrzeugflotte mit erstklassiger Technologie und optimalem Kraftstoffverbrauch verfügen. Die Veränderung beginnt jedoch in unserem eigenen Unternehmen und bedeutet viel harte Arbeit“, erläuterte er kürzlich bei der Verleihung der SAP Quality Awards in Heidelberg.

Waberer’s gewann Silber in der Kategorie „Innovation“ für die Implementierung von SAP S/4HANA zur Konsolidierung der Finanz- und Logistikprozesse in 56 Unternehmen. Dank dieser Maßnahme ist der Arbeitsaufwand für den Monatsabschluss nun um 60 Prozent geringer.

Mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge werden die Treibhausgasemissionen in Zukunft jährlich um Millionen von Tonnen reduziert. Dieser Prozess braucht jedoch Zeit. Transportunternehmen wie Waberer’s nutzen bereits alternative Treibstoffe, wie komprimiertes oder flüssiges Erdgas (CNG, Compressed Natural Gas, bzw. LNG, Liquefied Natural Gas). Diese sind sauberer als Dieselkraftsoff und überbrücken die Zeit bis zur vollständigen Umstellung auf elektrisch angetriebene Flotten.

Nach Ansicht von Erdélyi, der nach seiner Tätigkeit als CFO bei den Ungarischen Staatseisenbahnen zu Waberer’s kam, sind E-Trucks eine Frage von Technologie und Infrastruktur.

Er sieht deren Einführung zunächst im städtischen Transport. Hier legen LKW kurze Distanzen zurück und haben einen besseren Zugang zu Ladestationen. Der Güterfernverkehr in Europa mit Elektro-Flotten aus miteinander verbundenen LKW stellt jedoch eine größere Herausforderung dar. Im Gegensatz zur homogenen Landschaft eines einzigen großen Landes wie Australien müssen LKW-Fahrer in Europa Strecken in zahlreichen kleinen Ländern zurücklegen, die jeweils eigene Vorschriften und eine fragmentierte Infrastruktur aufweisen.

Wo die Reise hingeht: automatisiertes Fahren

Erdélyi glaubt an eine vernetzte Welt. LKW und Straßen ermöglichen die Verbindung zwischen Konsumenten und Herstellern. Die IT wiederum verbindet Unternehmen und ermöglicht es ihnen, Prozesse zu automatisieren und zu standardisieren. So vereinfacht sie den Geschäftsbetrieb in der hochkomplexen logistischen Landschaft Europas.

Seiner Meinung nach sind für eine sauberere Zukunft Investitionen in Technologien erforderlich, die ein effizienteres Management von Fahrzeugflotten sowie von Big Data für eine dynamische Entscheidungsfindung ermöglichen. „Im ständigen Austausch mit unseren Lieferanten versuche ich zu verstehen, wie Innovationen die Brücke zwischen unserem Geschäft und einer nachhaltigen Zukunft für uns alle bilden können“, so Erdély.

Werden also Tramper in Zukunft mit einem ausgestreckten Daumen einen E-Truck zum Anhalten bringen können? Wahrscheinlich nicht, wenn es sich um einen Road Train handelt, der durch eine automatisierte Führerkabine gesteuert wird. Aber wer weiß. Irgendwo gibt es sicher schon jemanden, der einen Reiseführer für Tramper schreibt, mit Tipps für die neuen, sauberen Fahrzeuge, die in den nächsten Jahrzehnten durch die Lande fahren werden.