LKW vor Rapsfeld

Wenn Kunden wissen wollen, ob die angelieferten Stückzahlen der Bestellung entsprechen, ob sie rechtzeitig eingetroffen sind und die Qualität stimmt, drücken die SAP-Anwender nur noch aufs ‚Knöpfchen’. Und schon verbindet sich ein Zusatzprogramm – ein Add-On– mit dem ERP-System und sucht sich die eingebuchten Materialien mitsamt Datum, Menge und Qualitätsinformationen heraus. Bild: OFC Pictures - Fotolia.com

Wenn Kunden künftig wissen wollen, ob die angelieferten Stückzahlen der Bestellung entsprechen, ob sie rechtzeitig eingetroffen sind und die Qualität stimmt, drücken die SAP-Anwender nur noch aufs ‚Knöpfchen’. Und schon verbindet sich ein Zusatzprogramm – ein Add-On– mit dem ERP-System und sucht sich die eingebuchten Materialien mitsamt Datum, Menge und Qualitätsinformationen heraus. „Lieferanten, die nicht zuverlässig sind oder schlechte Qualität bieten, fallen auf“, erläutert Mario Rebitzer, zentraler Ansprechpartner der Automotive Consulting Solutions bei SAP für das Reportingtool. Das Zusatzprogramm ist eines von mehr als 150 Add-Ons (ACS), die in den letzten 20 Jahren im SAP-Automotive-Beratungsteam für die Automobilbranche entstanden sind. Allein das Zusatzprogramm für die Lieferantenbeurteilung nutzen inzwischen mehr als zweihundert Kunden weltweit.

ABC-Klassifizierung für die Lieferanten: Ist alles im grünen Bereich?

„Es geht uns darum, dass ein Einkäufer transparente Daten über die Lieferleistung seiner Partner bekommt und nachvollziehbar vorliegen hat“, erläutert Rebitzer. Bestellt etwa ein Automobilhersteller von einem Bauteil 500 Stück, erhält allerdings nur 350 Stück noch dazu einen Tag zu spät, gibt es Punktabzüge für den Lieferanten in der Termin- wie auch in der Mengentreue. Statt der möglichen 100 Punkte erreicht er weniger. Je nachdem wie viele Abzüge es gibt, springt die Ampel des jeweiligen Kriteriums zuerst auf gelb, dann auf rot. Von „ABC-Klassifizierung“ sprechen die Experten im Beratungsteam von SAP. Bei A ist alles in Ordnung, B ist noch okay, aber verbesserungswürdig und bei C besteht Handlungsbedarf.

Logistik und Einkauf: Termin-, Mengentreue und Bestand im Auge haben

Zu den üblichen Kategorien in der Bewertung eines Lieferanten gehören diverse Kriterien, die teilweise auch selbst bestimmt werden könnten. Wichtig für die meisten Unternehmen ist die genannte Termin- und Mengentreue. Doch lassen sich etwa im Lager spezielle Vereinbarungen treffen, indem beispielsweise das Unternehmen eine Mindest- und eine Maximalmenge für den Bestand eines Bauteils festlegt. Ist das Lager übermäßig gefordert gibt es genauso Minuspunkte wie für den Fall, dass zu wenige Bauteile auf Lager sind. Das so genannte Vendor Management Inventory (VMI) lässt sich auch so definieren, dass das Lager seine Bestände so gering wie möglich hält und trotzdem die Produktion sicherstellt.

Qualität: Mängelquoten im Blick haben

Die Zuverlässigkeit der Lieferanten hinsichtlich der Auslieferung und Logistik allein reicht nicht aus, um in der Gesamtbewertung im grünen Bereich zu landen. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Qualität der Produkte, die in den ERP-Systemen der Unternehmen beispielsweise als Parts per Million (PPM) und als Qualitätskennzahl (QKZ) erfasst werden können. Ist von hundert gelieferten Teilen eins defekt, ergibt das 10.000 in der PPM-Tabelle und damit eine Fehlerquote von einem Prozent.

Ähnliches leistet die Qualitätskennzahl. Um sie zu ermitteln, werden hin und wieder Teile etwa am Wareneingang begutachtet und im Falle einer Beanstandung mit einem Fehlercode versehen. Auch diese Informationen fließen in das Gesamtbild des Lieferanten ein. „Wer will, kann zudem so genannte Soft Facts wie eine persönliche Einschätzung der Kommunikationsfähigkeit des Lieferanten oder dessen Insolvenzgefahr flexibel mit einfließen lassen“, ergänzt Rebitzer. Zudem können Audits und Zertifikatsergebnisse in der Lieferantenbeurteilung berücksichtigt werden.

Bewertung als PDF an Lieferanten

„Die Bewertung ist vollautomatisch“, erläutert der SAP-Berater, „die nötigen Zahlen werden direkt aus der Wareneingangsbuchung oder dem Qualitätsmanagement des ERP-Systems herausgelesen“. Das ist seit der ausgelieferten Version 10 des Add-ons auch für SAP-S/4HANA-Systeme möglich. „Eine Vielzahl von Kunden etwa aus den Bereichen Chemie, Pharma, Maschinenbau, High Tech, Automotive und Handel nutzen derzeit das Add-on zur Lieferantenbeurteilung“, sagt Rebitzer, der wichtige Vorteile unter anderem darin sieht, dass es in ein Lieferantenportal eingebunden werden kann und die Lieferanten direkt aus dem System ein PDF via E-Mail zugesendet bekommen können, in dem sie ihre Mängel und Stärken einsehen können.

ABC-Klassifizierung bei SAP - Grafik
Von ABC-Klassifizierung sprechen die Experten im Beratungsteam von SAP. Bei A ist alles in Ordnung, B ist noch okay, aber verbesserungswürdig und bei C besteht Handlungsbedarf. Bild: SAP

Add-on nach zwei Tagen einsatzbereit

In der Regel ist schon nach zwei Tagen die Basis für die Nutzung des Add-on-Standards gelegt. Am ersten Tag werden in der Regel die ‚Engineering Services’ installiert, also das ERP angebunden, am zweiten Tag bereits der erste Prototyp in Gang gebracht. Und auch wenn die derzeit rund 45 Mitarbeiter starke Beratungseinheit für die ACS in Deutschland sitzt, spielt es längst eine untergeordnete Rolle, wo die Unternehmen ihren Hauptsitz haben, die die Add-ons nutzen wollen. So wird etwa die Softwareergänzung für Kunden in den USA und Asien aus der Ferne – remote – von SAP in Hamburg aus installiert. Ein Kollege fliegt für ein bis zwei Tage hinüber ins Ausland, macht einen Übergabeworkshop und geht auf individuelle Fragen gerne ein. Lange wird es nicht mehr dauern: Dann werden auch dort die Lieferanten per PDF darüber informiert, was sie besser machen können – und so mit dazu beitragen, dass die verbesserte Transparenz und Qualität am Ende des Jahres zu Buche schlagen.