Nissan Leaf

Nissan betreibt in Sunderland eines der grössten Autowerke weltweit. Für den Fall eines EU-Austritt hatte Renault-Nissan Chef Ghosn Konsequenzen angedeutet. Bild: Volk

In dem von der britischen Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) bei KPMG in Auftrag gegebenen 20-seitigen Report befürchten 70 Prozent der in der Autoindustrie befragten Führungskräfte, dass ein EU-Ausstieg Großbritanniens negativen Einfluss auf die Branche hätte. 75 Prozent der Befragten erwarten für diesen Fall, dass die Investitionen auf der Insel erheblich zurück gehen würden.

Dagegen sehen die Befragten in der EU-Mitgliedschaft des Landes einen wesentlichen Faktor für den Aufschwung der britischen Autoindustrie und deren Wettbewerbsfähigkeit. Hilfreich sei auch der Einfluss der EU bei Verhandlungen über Freihandelsabkommen oder der Verbesserung des Zugangs zu internationalen Wachstumsmärkten. Wichtig sei die EU-Zugehörigkeit bei der Gestaltung von verbindlichen Normen, beim Zugang zu Fördermitteln für Forschung und Entwicklung bis hin zur Freizügigkeit, Experten aus EU-Ländern in Großbritannien beschäftigen zu können. Ungeachtet dieser positiven Aspekte, bestehe nach Einschätzung der Befragten aber auch Reformbedarf bei der EU, beispielsweise bei der Beseitigung lästiger EU-Verordnungen.

Nach Einschätzung der Marktexperte von IHS Automotive liefert der Bericht nachdrückliche Argumente gegen einen EU-Austritt Großbritanniens. IHS erinnert daran, dass fast 80 Prozent der in Großbritannien produzierten Pkw exportiert werden, 40 Prozent davon in Länder der EU. Derzeit beschäftigt die Autoindustrie 700.000 Menschen direkt, rund vier Prozent des Bruttoinladsprodukts wird von der Autoindustrie erwirtschaftet. Allerdings: Mit Nissan, General Motors, Ford, BMW und der VW Group kommen wichtige Investitionen nicht von britischen Unternehmen. Renault-Nissan Chef Carlos Ghosn hatte im Zusammenhang mit der Diskussion um das Referendum bereits weitere Investitionen in Frage gestellt. Nissan betreibt in Sunderland eines der größten und produktivsten Autowerke weltweit. Auch Ford-Europachef Steven Odell hatte anklingen lassen, dass der US-Hersteller seine Aktivitäten in Großbritannien im Falle eines EU-Austritts neu bewerten müsse. IHS hält einen Austritt Großbritanniens für unwahrscheinlich, alleine die Diskussion um das Referendum sorge aber bereits für erhebliche Unruhe in der Autoindustrie und schade dem Ruf des Landes.

Alle Beiträge zu den Stichwörtern Großbritannien

IHS/ Frank Volk