Chrysler Ram Pick-up-Truck

Der künftige Großkonzern Fiat/Chrysler wird seinen Kunden weltweit künftig eine breite Modellpalette anbieten können - bis hin zum beliebten Ram Pick-up-Truck. - Bild: Chrysler

Die neu geformte FiatChrysler Group gehört zu den größten Autoherstellern der Welt und will es mit Branchengrößen wie Volkswagen oder Toyota aufnehmen. Die Modellpalette reicht vom knuffigen Kleinwagen Fiat 500 bis zum tonnenschweren Pick-up-Truck der US-Marke Ram.

Die Italiener halten mittlerweile 53,5 Prozent an Chrysler. Derzeit werde ein gemeinsames Management installiert, erklärte Konzernchef Sergio Marchionne. Der gebürtige Italiener ist schon heute die Klammer, die die beiden Unternehmen zusammenhält. Er lenkt sowohl Fiat als auch Chrysler seit dem Neustart vor zwei Jahren.

Dank der amerikanischen Verstärkung peilt Fiat nun im Gesamtjahr einen Umsatz von mehr als 58 Milliarden Euro an, nachdem das bisherige Ziel bei 37 Milliarden Euro lag. Seit dem 1. Juni fließen jedoch auch die Chrysler-Ergebnisse mit ein. Unterm Strich soll am Jahresende ein Gewinn von 1,7 Milliarden Euro herauskommen.

Bereits im zweiten Quartal profitierte Fiat kräftig von Chrysler: Statt eines Verlusts von 17 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum verdienten die Italiener nun unterm Strich 1,2 Milliarden Euro. Der Umsatz verbesserte sich um 40 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro. Ohne Chrysler betrug der Zuwachs annähernd 7 Prozent auf 10,0 Milliarden Euro.

Rückzahlung der Staatskredite belastet Bilanz

Chrysler dagegen musste ein Opfer bringen für den Zusammenschluss. Der US-Hersteller löste vorzeitig seine verbliebenen Staatskredite ab, die ihm in der schweren Branchenkrise des Jahres 2009 das Überleben ermöglicht hatten. Der Schritt drückte das Unternehmen mit 370 Millionen Dollar (256 Millionen Euro) in die Verlustzone. Im Vorjahreszeitraum hatte Chrysler halb so viel Geld verloren.

Marchionne pries die Fortschritte, die Chrysler im Quartal gemacht habe: Die Verkäufe stiegen um 19 Prozent auf 486.000 Autos. Vor allem die Jeep-Geländewagen liefen blendend. Weil der Hersteller zudem höhere Preise erzielen konnte, kletterte der Umsatz um 30 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar (9,5 Milliarden Euro). “Wir schlagen uns weiter gut, sowohl in den USA wie auch in Kanada.”

Ohne die Rückzahlung der Staatshilfe wäre es Chrysler sogar zum zweiten Mal seit dem Neustart gelungen, Geld zu verdienen. Auch im Gesamtjahr, so warnte das Unternehmen, dürften nun rote Zahlen herauskommen. Auf lange Sicht zahlt es sich aber aus, dass der Konzern seine verbliebenen 7,6 Milliarden Dollar Schulden bei den USA und Kanada getilgt hat – denn nun spart sich Chrysler die hohen Zinszahlungen.

Die Regierungen hatten Chrysler vor dem Bankrott gerettet. Der italienische Wettbewerber Fiat ergriff damals die Chance und bot sich als Hilfe bei den Bemühungen an, Chrysler wieder auf Vordermann zu bringen. Fiat-Chef Marchionne wurde Kopf beider Unternehmen und half Chrysler mit italienischem Know-how bei der Entwicklung neuer Wagen. Im Gegenzug bekam Fiat nach und nach immer mehr Anteile.

Keine Eile bei den Gewerkschaftsanteilen

Der einzige verbliebene Mitbesitzer bei Chrysler ist der Gesundheitsfonds der Auto-Gewerkschaft UAW. Fiat hat sich das Recht gesichert, auch dessen Anteile zu übernehmen. Marchionne machte jedoch deutlich, dass er keine Eile hat: “Das steht nicht auf meiner Liste für diese Woche oder diesen Monat. Es gibt Wichtigeres zu tun.” Die Gewerkschaft ist über kurz oder lang auf das Geld angewiesen, um die medizinische Versorgung ihrer Mitglieder zu sichern.

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dpa-AFX/Guido Kruschke