Dieter Zetsche

Vor dem Jahreswechsel hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche schon bei Investoren in China die Werbetrommel gerührt. Ein kolportierter Einstieg des Staatsfonds CIC erscheint nicht unmöglich. - Bild: Daimler

Im Gespräch sei ein Anteil in der Größenordnung von rund zehn Prozent, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen dem Wall Street Journal Deutschland. Andere Insiderquellen sprechen von einer Beteiligung bis 20 Prozent.

Ein Daimler-Sprecher sagte, das Unternehmen kommentiere Marktspekulationen im Allgemeinen nicht.

Mit der Beteiligung an BAIC könnte Daimler das China-Geschäft weiter stärken. Erst Mitte Dezember hatten die Stuttgarter den ehemaligen Lkw-Manager Hubertus Troska in den Vorstand berufen, der dort fortan die Verantwortung für das immens wichtige Geschäft im Reich der Mitte innehat. Nur wenige Tage später bündelten die Schwaben die Vertriebsaktivitäten für importierte und lokal produzierte Pkw in einem Joint-Venture mit BAIC. Zwei separate Gesellschaften hatten hier in der Vergangenheit für Reibungsverluste gesorgt.

Chinesen sammeln fleißig Geld ein<>strong>

Die BAIC-Group will im laufenden Jahr in Hongkong an die Börse gehen und dabei rund zehn Milliarden Yuan, umgerechnet 1,23 Milliarden Euro, einsammeln. Mit dem Geld will der nach Absatz fünftgrößte chinesische Automobilhersteller die Entwicklung von Fahrzeugen seiner Eigenmarke fördern. Der Börsengang wird von Goldman Sachs und Morgan Stanley begleitet. 2010 hat Daimler mit Renault-Nissan eine Zusammenarbeit begonnen, diese wurde durch einen gegenseitige Kapitalbeteiligung untermauert.

Weg an die Spitze führt über China

Das Reich der Mitte ist nach wie vor die Achillesferse von Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz. Die Edelmarke mit dem Stern verlor in China den Anschluss an die Konkurrenten BMW und Audi. Wuchsen die Rivalen im abgelaufenen Jahr in China prozentual jeweils deutlich zweistellig, legten die Mercedes-Benz-Verkäufe gerade einmal um magere 1,5 Prozent zu. Das lag nicht nur an den bislang ineffizienten Vertriebsstrukturen sondern auch daran, dass wichtige Volumenmodelle wie die B-Klasse in dem Land wegen der Einführung einer neuen Generation nicht das ganze Jahr über voll verfügbar waren.

Da die Volksrepublik mittlerweile der größte Automobilmarkt der Welt ist und vor allem für die Premiumhersteller enorm wichtig, verlor Mercedes-Benz auch weltweit gesehen den Anschluss an die Konkurrenten. Die Stuttgarter verkauften global gesehen 1,32 Millionen Autos der Marke Mercedes-Benz – ein Plus von knapp 5 Prozent – während Branchenprimus BMW den Absatz der Kernmarke mit dem blau-weißen Emblem um fast 12 Prozent auf 1,54 Millionen Stück steigerte. Die Verkäufe der VW-Tochter Audi kletterten im etwa gleichen Maße auf rund 1,46 Millionen.

Schwaben wollen wieder die Nummer Eins werden

Will Mercedes-Benz wie von Daimler-Chef Dieter Zetsche geplant bis 2020 wieder die Nummer Eins der Luxusautobauer sein, müssen die Schwaben in China zweifelsohne Vollgas geben. 2015 peilt Mercedes-Benz einen China-Absatz von 300.000 Pkw an – 2012 waren es gut 196.000, nur weniger als die Hälfte der Verkäufe des Marktführers Audi. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, wollen die Stuttgarter ihr im Wettbewerbsvergleich kleines Händlernetz ebenso deutlich ausbauen wie das Produktportfolio. Alleine bis 2015 sollen rund 20 neue und modellgepflegte Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden.

BAIC ist seit geraumer Zeit Partner von Mercedes-Benz. 2006 begannen die Konzerne in einem Gemeinschaftsunternehmen, in China eine Vorgängerversion der E-Klasse zu bauen. Im Frühjahr 2008 startete dann als zweite Baureihe die C-Klasse. Seit Mai 2010 läuft außerdem die aktuelle E-Klasse in einer Langversion vom Band, im Dezember 2011 kam dann der SUV GLK hinzu. Im Spätsommer vergangenen Jahres legten Daimler und BAIC den Grundstein für eine Erweiterung des Werks in Peking, wo ab 2014 zusätzlich Kompaktwagen von Mercedes-Benz gebaut werden sollen.

Alle Beiträge zu den Stichworten Daimler BAIC China

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke