Smog in China

Smoggefahr: In diesem Jahr sollen rund sechs Millionen Autos von Chinas Straßen verschwinden und durch effizientere Fahrzeuge ersetzt werden - ein weiteres riesiges Marktpotenzial. Bild: klange76/Fotolia.com.

Deutsche Autobauer sind mit einem Marktanteil von 20% die führende westliche Autobaunation in China. Westliche Autobauer machen zusammen rund 60% des Marktes aus. Das ergibt eine aktuelle Auswertung des Kreditversicherers Euler Hermes.

China ist seit 2010 der weltweit größte Automobilmarkt, und das Wachstum hält an: Zwischen 2008 und 2010 haben sich die Neuzulassungen verdoppelt, seitdem verzeichnet der Markt ein etwas langsameres, aber stetiges Wachstum. In 2013 sind die neu registrierten Fahrzeuge um 16% auf über 17,5 Millionen PKW gestiegen, für 2014 prognostiziert Euler Hermes bis zu 19 Millionen Neuzulassungen. Die Analysten sehen für die meisten Autobauer gute Aussichten auf dem hochprofitablen Markt.

Nur 5% der Chinesen besitzen ein Fahrzeug

“Autos sind in China ein wichtiges Statussymbol”, sagte Ulrich Nöthel, Vorstand von Euler Hermes. “Wer ein Auto hat, hat den sozialen Aufstieg geschafft, je luxuriöser, desto besser. Wohlhabende Chinesen zögern also nicht beim Erwerb von teuren Modellen und umfangreicher Sonderausstattung. Der dortige Markt hat außerdem noch viel Aufwärtspotenzial: Nur etwa 5 Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen besitzen derzeit ein eigenes Auto – in Europa sind es hingegen 60 Prozent. Zudem hat Chinas Regierungschef Li dem Smog und der Umweltverschmutzung den Kampf angesagt und Anfang März angekündigt, dass in diesem Jahr rund sechs Millionen Autos von den Straßen verschwinden sollen, deren Abgasausstoß zu hoch sei. Diese sollen durch effizientere Technik ersetzt werden. Das zeigt, wie gut die langfristigen Wachstumsaussichten der Automobilbranche im Reich der Mitte sind. Unsere Statistik zeigt, dass deutsche Autobauer schon heute davon profitieren.”

Moderates Ausfallrisiko

Kraftfahrzeuge und insbesondere Fahrzeugteile waren im Jahr 2013 mit einem Anteil von über 17% am Gesamtexport der Bundesrepublik der Exportschlager: “Insgesamt exportierten deutsche Automobilfirmen im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 190 Milliarden Euro ins Ausland“, sagte Thomas Krings, Risiko-Vorstand bei Euler Hermes. „China ist seit Jahren eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften. Insgesamt sehen wir bei Exporten nach China ein moderates Ausfallrisiko und bewerten das Land entsprechend gut. Das gleiche gilt für die Automobilbranche – sowohl in Deutschland als auch in China.”

Joint Ventures von Staatsunternehmen und westlichen Autobauern dominieren den Markt

95% der Fahrzeuge, auch die der westlichen Autobauer, werden in China hergestellt. In der Regel geschieht dies über Joint Ventures mit einheimischen Staatsunternehmen, die meist je zur Hälfte beteiligt sind. Diese Form der Direktinvestition ausländischer Autobauer hat die chinesische Regierung 1981 genehmigt. Dies führte in den vergangenen Jahren zwar einerseits zu rückläufigen Export von Fahrzeugen nach China, gleichzeitig jedoch auch zu steigenden Exportzahlen bei Fahrzeugteilen aus dem Westen. Die Autobauer produzieren in den Fabriken vor Ort jedoch zumeist bereits eingestellte ausländische Modelle unter chinesischem Markennamen, insbesondere, wenn diese bereits durch eine neue Autogeneration ersetzt wurde. So vermeiden die westlichen Autobauer einen Interessenskonflikt oder eine Konkurrenzsituation mit ihren eigenen imageträchtigen Marken, die sich nach wie vor bei den Chinesen aus Imagegründen einer großen Beliebtheit erfreuen.
Neben den Joint Ventures gibt es in China zudem mehr als 80 kleine staatliche und private Firmen mit begrenzter lokaler Reichweite und ungewissen Zukunftsaussichten – rund 80% der Hersteller verzeichnen nur schwache Umsätze. Sie sind zu klein, um bei Forschung und Entwicklung mit den westlichen Autobauern mithalten zu können. Nur etwa 15 dieser Firmen verfügen über eine Produktionskapazität von mehr als 100.000 Fahrzeugen pro Jahr.

Euler Hermes/Andreas Karius