Saab Fertigung

Mit der Finanzspritze aus Fernost ist der schwedische Autobauer wohl vorerst aus dem Schneider. - Bild: Saab

Letztes Jahr Volvo, jetzt Saab. Auch beim zweiten schwedischen Autohersteller spielt jetzt chinesisches Kapital eine entscheidende Rolle. Während aber Volvo seit letztem Jahr zu 100 Prozent Tochter des Geely-Konzerns ist und schon mit schwarzen Zahlen glänzt, ist der Einstieg des relativ kleinen Hawtai-Konzerns als Teileigner bei der niederländischen Saab-Mutter Spyker Cars von ganz anderem Kaliber.

Die Zusage von alles in allem 150 Millionen Euro aus Peking sind Teil einer strategischen Partnerschaft und geben den akut vom Aus bedrohten Skandinaviern vor allem die Chance, noch mal von vorn anzufangen. “Saab hat sich Zeit gekauft”, kommentierte der Rundfunksender SR die Nachricht vom Einstieg der Chinesen und erklärte auch wofür: “Jetzt muss ganz schnell das Vertrauen der Autokäufer zurückgewonnen werden.”

Denn die immer akuteren Liquiditätsengpässe im Stammwerk Trollhättan hatten schon fast täglich Hiobsbotschaften gebracht. Sie mussten potenziellen Käufern eines Saab wohl die letzte Lust nehmen. Wer kauft noch bei einem Unternehmen, das seit vier Wochen keine neuen Autos mehr fertigen kann, weil Lieferanten aufgrund unbezahlter Rechnungen Komponenten zurückhalten?

Einige von ihnen hatten kurz vor der Einigung mit Hawtai schon Forderungen zur Zwangseintreibung angemeldet. Das sprach nicht für Vertrauen in die optimistischen Beteuerungen von Saab-Chef Victor Muller, er werde rechtzeitig frisches Kapital an Land ziehen. Auch die staatlichen Stellen in Stockholm machten nicht den Eindruck, als glaubten sie noch an eine Zukunft für den kleineren der beiden heimischen Autobauer für gehobene Ansprüche. Sonst hätten sie wohl kaum die Genehmigungsverfahren für den von Muller gewünschten Einstieg des russischen Finanziers Wladimir Antonow betont langsam und mit skeptischen Kommentaren betrieben.

Von 100.000 Fahrzeugen zurück auf Null

Wo doch jeder Tag mit Produktionsstillstand die Verluste erhöhte, Vertrauen kostete und eine Rettung immer unwahrscheinlicher machte. Bis der Niederländer Muller jetzt fast über Nacht seinen chinesischen Partner aus dem Hut zauberte. “Einige Wochen gab es nur schlechte Nachrichten, aber jetzt haben wir die richtige Lösung gefunden”, kommentierte Muller die neue Partnerschaft. Das Geld aus Peking sichere eine “mittelfristige Finanzierung” für Saab, heißt es in der Übereinkunft.

Beobachter in Stockholm meinten, dass Saab spätestens in einem Jahr tragfähige Absatzzahlen vorweisen muss, um eine langfristige Chance zu haben. Nach um die 100.000 Autos pro Jahr als Tochter von General Motors sackte die Produktionszahl 2010, beim Übergang zum winzigen niederländischen Sportwagenhersteller Spyker, auf 32.000. Und jetzt im April auf Null. Als Muller vor einem Jahr das Kommando bei Saab übernahm, hatte er für 2011 eine Zahl von 80.000 Wagen als Ziel angepeilt. Jetzt sieht er neue Hoffnung durch den Einstieg auf dem chinesischen Markt.

Sollte es dem Patienten Saab nicht gelingen, das Vertrauen in die Marke wiederherzustellen, die Bestandskunden zurückzuholen und vor allem neue Kunden hinzuzugewinnen, dann trägt auch der Einstieg der Chinesen nicht zum langfristigen Überleben bei, sondern würde nur die Leidenszeit verlängern, während der das Unternehmen Woche für Woche Geld verliert.

dpa/Guido Kruschke