Sergio Marchionne Fiat breit

Fiat-Chef Sergio Marchionne will den Firmensitz der beiden Unternehmen Fiat und Chrysler nach Großbritannien verlegen. - Bild: Fiat

Die Aktien des neuen Unternehmens sollen dann an der Wall Street gelistet werden, heißt es von Personen, die mit den Plänen vertraut sind.

Der Vorschlag von Marchionne würde in die gleiche Richtung gehen, den CNH Industrial bereits letztes Jahr eingeschlagen hat. Bei dem Hersteller von Land- und Baumaschinen ist Marchionne Vorstandsvorsitzender. Dieser Schritt würde ihm aus der schwierigen Lage helfen, sich für Italien oder die USA als Firmensitz für das neue Unternehmen entscheiden zu müssen. Zudem wären geringere Steuern auf Gewinnausschüttungen zu zahlen.

Unternehmen sollen miteinander verschmolzen werden

Marchionne ist der Stratege hinter der seit 2009 schrittweise durchgeführten Übernahme von Chrysler. Das Ziel ist nun, die beiden Unternehmen zu verschmelzen. Damit würde weltweit der siebtgrößte Automobilhersteller entstehen. Der Aufsichtsrat von Fiat muss dem Vorschlag noch zustimmen.

Zudem wird erwartet, dass die Wall Street die Heimatbörse des neuen Unternehmens wird. Bereits letzte Woche deutete Marchionne gegenüber der Presse an, dass das Unternehmen dort auf ein größeres und besseres Kapitalumfeld treffe als in Mailand, wo die Fiat-Aktie momentan gehandelt werde.

Bloomberg hatte bereits diese Woche als erster darüber berichtet, dass der Vorschlag dem Aufsichtsrat vorgelegt werden soll. Dies soll zeitgleich mit der Vorlage der Geschäftszahlen für 2013 erfolgen, die das Gremium vor der Veröffentlichung am 29. Januar überprüft.

Gemeinsam dürften Fiat und Chrysler im vierten Quartal den Nettogewinn mit 400 Millionen Euro leicht nach oben schieben. Auf das Gesamtjahr gesehen würde der Gewinn allerdings um 24 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro zurückgehen, wie aus der Konsensschätzung von 22 Analysten hervorgeht – die von Fiat erhoben wurde. Der Rückgang spiegelt die Probleme von Fiat in Europa. Sinkende Verkaufszahlen und Kosten für die Neuausrichtung hin zur Premiumklasse belasten das Ergebnis.

Das erwartet Ergebnis ist die Umkehr der Zahlen aus der Vergangenheit. Damals führte Fiat Chrysler aus der Pleite. Nun ist es das US-Geschäft mit seinen neuen Modellen und der stark steigenden Nachfrage in den USA, die dem Mutterkonzern hilft.

Sorge in Italien um neue Heimat des Konzerns

In Italien ist man besorgt darüber, wo der aus Fiat-Chrysler entstehende Konzern seine Heimat findet. Fiat hat seine Wurzeln in Turin und ist der größte private Arbeitgeber in Italien. Aber das produzierende Gewerbe in Italien leidet an hohen Steuern, einem hohen Schutz der Arbeitnehmer und weiteren Beschränkungen. Daher ist es schwer mit preisgünstigeren und flexibleren Regionen auf der Welt, wie zum Beispiel in den USA, zu konkurrieren.

Die Frage, wo das neue Unternehmen seinen Hauptsitz haben wird, ist für Marchionne nachrangig, da Fiat und Chrysler überall auf der Welt ihre Autos verkaufen. Er selber lebe die meiste Zeit in einem Flugzeug. John Elkann, Vorsitzender des Fiat-Aufsichtsrates, hätte gerne, dass der neue Konzern in jeder wichtigen Region mit einem Firmensitz vertreten ist, in Europa, in Nordamerika und in Lateinamerika.

Der Firmensitz in den Großbritannien würde nach Aussage eines Steuer-Experten bedeuten, dass die Unternehmensgruppe es vermeiden könnte, eine Quellensteuer auf Erträge ausländischer Unternehmenseinheiten zu zahlen, die später an die Aktionäre ausgeschüttet würden.

Größter Nutznießer dieser Entscheidung wäre die italienische Investmentgesellschaft Exor SpA, die mit einer Beteiligung von 30,05 Prozent der größte Fiat-Aktionär ist. Chef von Exor ist John Elkann, der mit einer Beteiligung von 27,2 Prozent zudem der größte Aktionär von CNH Industrial ist. CNH ist der Nachfolger von Fiat Industrial, einer Ausgliederung von Fiat aus dem Jahr 2011.

Die Pläne, Fiat-Chrysler an die Wall Street zu bringen und den Firmensitz zu verlegen, folgen auf den Kauf des restlichen Chrysler-Anteils in Höhe von 41,5 Prozent und einem Volumen von 4,35 Milliarden Dollar von der Stiftung der Gewerkschaft der United Auto Workers am 1. Januar. Im Mai will Fiat unter anderem den Neustart der Marke Alfa Romeo vorstellen. Marchionne traut dieser Marke großes Potenzial zu, besonders in den USA.

Zu diesem Termin könnte Fiat zudem konkretisieren, wie das Geld eingesammelt werden soll, um die Pläne umzusetzen. Analysten gehen von einer Milliarde Euro aus, die weder Fiat noch Chrysler alleine aus ihrem Cash-Flow finanzieren könnten. Fiat und Chrysler seien auf Grund ihrer kleinen Produkt-Portfolios und geringerem Marktanteil am Heimatmarkt in einer schwächeren Position, als ihre großen Wettbewerber. Den Schritt in die Wachstumsmärkte wie China hätten beide Unternehmen bisher langsam umgesetzt.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke