Daniel Akerson breit

General Motors bricht mit einem Tabu in der Autobranche: Das Management greift den Chef eines Konkurrenten frontal an. Und der Autobauer aus Detroit mit CEO Dan Akerson hat allen Grund, sich über Winterkorn zu ärgern. - Bild: GM

Zum ersten Mal seit dem Aufkommen der Gerüchte vor mehr als einem Monat hat sich die Konzernzentrale in Detroit klar hinter die Rüsselsheimer gestellt. “Opel gehört seit 1928 zur GM-Familie und bleibt wichtig für das Unternehmen”, erklärte der US-Autobauer am späten Mittwoch (Ortszeit).

Dr. Winterkorn

Wolfsburger Gedankenspiele: Winterkorn sinniert über die Zukunft von Opel und erntet dafür scharfe Kritik aus Detroit. - Bild: VW

Auslöser der Mitteilung waren Äußerungen von VW-Chef Martin Winterkorn, der sich anschickt, General Motors von der Weltspitze zu verdrängen. Winterkorn hatte am Rande einer Veranstaltung auf Nachfrage von Journalisten über die Zukunft von Opel sinniert und sich unter anderem zu einem möglichen Interesse chinesischer Autobauer geäußert. Die Worte des Automanagers waren daraufhin in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” zu lesen.

Chinesen für den Fall der Fälle?

Winterkorn war in dem fraglichen Gespräch in der Presserunde auf Opel gekommen, als er Fragen zu Hyundai beantwortete, also zu jenem aggressiven aufstrebenden koreanischen Hersteller, den sogar Wolfsburg fürchtet. Er glaube nicht, dass Hyundai für eine Übernahme von Opel zu erwärmen wäre, sagte der Manager. Dafür aber wohl eher Chinesen, aber auch nur “im Fall der Fälle”.

Der VW-Chef ließ es sich aber in der Runde nicht nehmen, ein bisschen Expertise einzustreuen: Reizen könnte Chinesen vor allem das Opel-Entwicklungszentrum und der Vertriebskanal. Es sei theoretisch machbar, Opel aus dem GM-Konzern herauszulösen – wenn man dies denn unbedingt wolle. “Die Frage ist, ob es klug ist, 5000 hochqualifizierte Ingenieure in einer Zeit aufzugeben, in der jeder händeringend nach Fachkräften sucht”, wird er zitiert.

Nick Reilly

Nick Reilly: General Motors ist sehr zufrieden mit den Sanierungserfolgen bei Opel. - Bild: GM

Der Konter kam postwendend

GM kommentiere Gerüchte und Spekulationen eigentlich nicht, leitete der US-Konzern seine Erwiderung ein. “„Leider zeigen nicht alle unsere Wettbewerber die gleiche Zurückhaltung.” Damit gab sich die GM-Zentrale ungewöhnlich dünnhäutig.

Die in Magazinberichten Anfang Juni aufgekommenen Opel-Verkaufsspekulationen hatten die Amerikaner lange unkommentiert stehen lassen. Erst Ende Juni äußerte sich Opel-Aufsichtsratschef Nick Reilly öffentlich und sprach davon, dass GM „sehr zufrieden“ mit den Sanierungserfolgen bei Opel sei.

Diese Sichtweise bestätigte nun auch die GM-Zentrale in Detroit: GM sei zufrieden damit, wie Opel das Geschäft wieder auf Vordermann gebracht habe. Das Unternehmen investiere auch weiterhin in Produkte für den europäischen Markt wie dem Elektroauto Opel Ampera, erklärte GM.

Der Ampera ist der Bruder des bereits in den USA erfolgreichen Chevrolet Volt. VW und General Motors wollten die Geschehnisse am Donnerstag nicht weiter kommentieren.

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dpa/FTD/Guido Kruschke