Eines der vom vom Rückruf wegen defekter Zündschlösser betroffenen Modelle: Saturn Ion. - Bild:

Eines der vom vom Rückruf wegen defekter Zündschlösser betroffenen Modelle: Saturn Ion. - Bild: GM

Der Millionen-Rückruf ist einer der spektaulärsten in den vergangenen Jahren, da die Billig-Zündschlösser Ursache für mehr als eine Dutzend tödlicher Unfälle in den USA gewesen sein sollen.

Auch am Wochende war der Millionen-Rückruf von GM eines der beherrschenden Themen in den US-Medien. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, warum der Autohersteller bereits im Jahr 2006 ein weiterentwickeltes Zündschloss in die Fahrzeuge verbaut hat, nicht aber – wie sonst üblich und auch vorgeschrieben – dazu eine neue Teilenummer vergeben hat. Die Antwort auf die Frage gab Senatorin Claire McCaskill, Vorsitzende des Senatsausschusses, dessen Fragen sich GM-Chefin Mary Barra vergangene Woche stellen musste, am Sonntag dem TV-Sender ABC-News: “Sie (GM) haben versucht zu vertuschen, dass sie eine defektes Zündschloss verbaut haben.”

Der schwerwiegende Verdacht war aufgekommen, nachdem in der Anhörungsrunde ein internes Schreiben präsentiert worden war, das den Verdacht erhärtete, dass GM bereits spätestens ab etwa 2006 um Probleme mit Zündschlössern wusste. Diese können dazu führen, dass die Zündung im Fahrbetrieb auf “Aus” springen kann, mit fatalen Folgen auf die Wirkung von Lenkung, Bremsen und Airbags. Nach derzeitigem Stand werden 32 Unfälle mit 13 Todesfällen auf die Zündschlösser zurückgeführt. Betroffen von dem Rückruf sind Fahrzeuge der Marken Chevrolet, Pontiac und Saturn aus den Jahren 2004 bis 2010, die hauptsächlich in Nordamerika verkauft wurden. Hinzu kommen eine paar Tausend Opel GT.

Delphi soll Produktion erhöhen

Während heftig über die Ursachen und das weitere Vorgehen diskutiert wird und sich GM-Verantwortliche weiteren Anhörungsrunden durch einen Senats-Ausschuss stellen müssen, hat am heutigen Mobtag (7. April) der Austausch der defekten Teile begonnen. Aber auch da klemmt es: Weil es am benötigten Zündschloss-Nachschub mangelt, wird laut GM der Austausch bei den zurückgerufenen Fahrzeugen frühestens Ende Oktober abgeschlossen sei. Mary Barra sagte vergangene Woche, dass man mit dem Zulieferer Delphi über die Erhöhung der Produktionskapazitäten verhandle. Aktuell stellt GM laut Unternehmensangaben 16.000 betroffenen Mietwagen für die Zeit der Reparatur zur Verfügung.

Opfer-Entschädigung im Mittelpunkt

Heikler als der Zündschloss-Austausch ist freilich die Debatte um die Entschädigung der Opfer. Der Senatsausschuss wie auch eine Reihe Anwälte für Verkehrssicherheit drängen GM zur Einrichtung eines Opfer-Fonds in Größenordnung bis zu einer Milliarde Dollar, speziell für mögliche Geschädigte vor dem GM-Konkurs 2009. Durch die neuen Rechtsform von GM nach dem Konkurs stünde diesen keine Entschädigung zu. Für GM-Anwalt Ken Feinberg kommt die Einrichtung eines solchen Fonds “zu früh”, wie er in einer Viedokonferenz am vergangenen Freitag sagte. Der Star-Anwalt fürchtet offenbar, dass der Fonds zu einer Flut weiterer Ansprüche führen könnte.

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Frank Volk