GM reagiert auf die Forderungen deutscher Politiker und denkt über größere Subventionen für Opel nach. (Bild: GM)

GM reagiert auf die Forderungen deutscher Politiker und denkt über größere Subventionen für Opel nach. (Bild: GM)

Offenbar nimmt GM seine Mutterrolle bei Opel ernst. Laut der “FAZ” traut sich der amerikanische Autokonzern General Motors (GM) zu, einen größeren Anteil an der Sanierung seines Europa-Geschäfts selbst zu stemmen und mit weniger Staatshilfe auszukommen. Europa-Chef Nick Reilly sagte im Gespräch mit Journalisten auf der Messe in Detroit, er halte es für möglich, dass GM mehr als die bislang angepeilten 600 Millionen Euro selbst aufbringen wird.

Damit reagierte Reilly auf Forderungen aus der deutschen Politik. So hatte der hessische Finanzstaatssekretär Thomas Schäfer dieser Zeitung gesagt, GM müsse mehr Eigenkapital bei Opel einsetzen, wenn der Konzern staatliche Kredite erhalten wolle. Auch Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, der über gute Kontakte ins Kanzleramt verfügt, schloss sich dieser Forderung an.

GM braucht nach eigener Aussage insgesamt 3,3 Milliarden Euro zur Sanierung seines Europa-Geschäfts mit den Marken Opel und Vauxhall. Dazu hoffte der Konzern bislang auf Staatshilfe von insgesamt 2,7 Milliarden Euro aus Ländern, in denen Opel und die britische Schwestergesellschaft Vauxhall Werke haben. Der Anteil von GM hänge vom weiteren Verlauf der Verhandlungen mit den einzelnen Regierungen ab. „In manchen Ländern gehen die Gespräche gut voran, in anderen nicht so sehr”, sagte er. Eine Entscheidung über Beihilfen erwartet er in drei bis vier Monaten – also im April oder Mai. Das heißt, die Entscheidung über Staatshilfe wird kurz vor der auch für die Bundesregierung wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen getroffen, wo Opel in Bochum das Modell Zafira produziert.

GM ist nach dem Insolvenzverfahren im Juni und Juli 2009 nicht mehr in akuter Liquiditätsnot und hat in jüngster Zeit die Bereitschaft demonstriert, Geld auszugeben. So hat der vorübergehend amtierende Vorstandschef Edward Whitacre versprochen, die ausstehenden Kredite der amerikanischen Regierung von 6,7 Milliarden Dollar bis Juni zurückzuzahlen. GM hat rund 50 Milliarden Dollar Staatshilfe bekommen, der Großteil davon wurde in eine Mehrheitsbeteiligung der Regierung umgewandelt. Diesen Anteil kann der Staat erst nach einem Börsengang von GM wieder zu Geld machen. Whitacre sagte auf der Messe, die Staatskredite würden sich am Ende für die Regierung als lohnende Investition erweisen. Zuvor hatte Whitacre schon mit seiner Prognose für Aufsehen gesorgt, wonach GM schon 2010 wieder einen Gewinn erzielen könnte.

Der Restrukturierungsplan für Opel soll laut Reilly innerhalb der kommenden zwei Wochen vorgestellt werden. Bereits an diesem Freitag will Reilly die neue Führung von Opel präsentieren. In der vergangenen Woche war bereits durchgesickert, dass der bisherige Opel-Geschäftsführer Hans Demant abgelöst wird und Reilly die Aufgabe mit übernehmen soll. Reilly machte dazu in Detroit keine konkreten Angaben, sagte aber, eine separate Struktur für GM Europe und Opel sei nicht mehr nötig.

Entscheidungen etwa über die vom Betriebsrat geforderte Mitarbeiterkapitalbeteiligung oder die Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft, auf die GM einen weniger direkten Einfluss hätte, sind noch nicht getroffen worden. Aus dem Betriebsrat wird aber berichtet, dass den Beschäftigten eine Beteiligung am Unternehmen grundsätzlich zugesagt wurde. Ausgehandelt werden müssen aber noch die Konditionen, unter denen dies geschieht: Nach Informationen dieser Zeitung will Reilly statt der von Betriebsratschef Klaus Franz geforderten 10 Prozent zunächst nur einen geringeren Prozentsatz an die Arbeiter übertragen. Im Anschluss daran will Reilly die Beteiligung jedes Jahr um einen Prozentpunkt erhöhen – aber nur dann, wenn die Mitarbeiter den vom Konzern geforderten Verzicht auf jährlich 265 Millionen Euro auch tatsächlich erbringen.

Allerdings soll dies nicht mit der Brechstange durchgesetzt werden. Obwohl sich GM in Detroit selbstbewusster präsentiert, haben die Ereignisse des Jahres 2009 offenbar eine neue Bescheidenheit einkehren lassen. Das Unternehmen schob die Schuld für seinen Niedergang früher gerne auf äußere Umstände, sogar auf die Verbraucher. Der frühere Entwicklungschef und mittlerweile im Management auf eine Beraterrolle reduzierte Bob Lutz sprach immer wieder von einer „Wahrnehmungslücke” und meinte damit, dass Verbraucher nicht erkennen würden, wie wettbewerbsfähig die Autos von GM geworden seien. Der erst vor gut einem Monat zum neuen Nordamerika-Chef beförderte Mark Reuss räumte in Detroit mit dieser Sichtweise auf: „Das Wort Wahrnehmungslücke werden Sie von mir nie hören. Die Wahrnehmung ist die Realität. Und wir sind nun einmal durch ein Insolvenzverfahren gegangen”, sagte Reuss. Bei GM halte ein neuer Realitätssinn Einzug.

Auch die Kultur im Unternehmen habe sich verändert, und dies sei in hohem Maße Ed Whitacre zu verdanken. „Er ist sehr gut darin zu fragen, warum Dinge gemacht werden und ob das so richtig ist.” Das fange bei kleinen Punkten an – etwa dem, dass das Top-Management von GM früher in der Detroiter Zentrale über einen eigenen Fahrstuhl verfügte und deshalb nur wenig Kontakte mit dem Rest der Belegschaft hatte.

GM sei heute ein umsatzgetriebenes Unternehmen und nicht mehr wie früher in erster Linie darauf aus, die Kosten zu senken. Reuss hofft, den Marktanteil in Amerika, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich geschrumpft ist und zuletzt bei knapp 20 Prozent lag, 2010 wiederaufzubauen. Leicht wird das nicht, zumal GM sein Markenportfolio von acht auf vier halbiert hat. Wie andere Unternehmen setzt auch GM verstärkt auf kleinere Autos, etwa den Chevrolet Cruze, der in Asien und Europa bereits verkauft wird und in diesem Jahr auch in Amerika auf den Markt kommen soll. Bis zum Jahresende steht auch die Premiere des Elektroautos Chevrolet Volt an, das GM schon seit einiger Zeit als einen seiner großen Hoffnungsträger darstellt.