Alaramstufe rot bei Porsche & Co.: Wie die “FTD” berichtet, kämpft der Audio-Hersteller Harman Becker mit Lieferproblemen, da Mikrochips zu spaät in den Fabriken eintreffen. Bisher konnte ein Stillstand der Produktion abgewendet werden. Harman-Becker-Mitarbeiter sehen in dem von der amerikanischen Mutter Harman verordneten Sparkurs den Hauptgrund für die Schwierigkeiten.

Kleines Bauteil, große Wirkung. Der “FTD” zufolge, kämpft der Audiosystemhersteller Harman Becker mit Lieferproblemen. Eine Ursache der Lieferprobleme ist der Mangel an Mikrochips, die oft zu spät in den Fabriken eintreffen. Zu den betroffenen Kunden gehören die Autobauer Audi und Porsche. Sprecher der beiden Autohersteller bestätigten entsprechende Informationen.

Einen Stillstand in der Fertigung konnten die Unternehmen jedoch abwenden. Harman Becker rüstet vor allem teure Autos mit hochwertigen Radios und Audiosystemen aus.

Beschäftigte von Harman Becker machen aber auch den durch die US-Mutter diktierten Sparkurs für den Missstand verantwortlich. So seien die Vorlaufzeiten in der Produktion gekürzt worden, Engpässe könnten kaum mehr abgefedert werden. “Der Betrieb läuft auf des Messers Schneide”, heißt es in Arbeitnehmerkreisen.

Bei den für Audi produzierten Geräten wurden die Displays knapp. Die kleinen Bildschirme sind Bestandteil von Systemen, die der Ingolstädter Autokonzern von Harman Becker bezieht. Bei Porsche war das Werk Leipzig betroffen, wo die Modelle Panamera und Cayenne vom Band laufen. “Wir konnten das Thema gemeinsam mit Harman Becker lösen”, sagte ein Porsche-Sprecher.

Harman Becker gehört mit einem Umsatz von rund 2 Mrd. Euro zu den großen deutschen Autozulieferern. Wichtigste Kunden sind BMW , Volkswagen, Audi und Daimler. Sie allein bringen dem Unternehmen rund 40 Prozent des Geschäfts. Zu den bekannten Marken des Zulieferers zählen außer Becker auch Harman Kardon, Infinity und JBL.

Das heutige Unternehmen ist aus der Nobelfirma Becker mit Sitz im badischen Karlsbad hervorgegangen. Die Firma belieferte nach dem Krieg vor allem Mercedes mit exklusiven Radios. Als Becker vor 15 Jahren vor dem Aus stand, kaufte der US-Konzern Harman den Betrieb und verschaffte sich so ein Standbein in der Autozulieferbranche.

Das neue Unternehmen spielte zunächst Traumrenditen ein. Die Tochter wirft seit Jahren zwei Drittel des Konzernumsatzes ab. Die beiden anderen Sparten des US-Mutterkonzerns bieten Hifi- und Videoanlagen für den Privatgebrauch an sowie Lautsprecher und IT-Bedarf für professionelle Anwender.

In der Öffentlichkeit führt die Marke Becker heute allerdings ein Schattendasein. Grund: Die Autohersteller bauen Radios inzwischen unter eigenem Namen ein. Entsprechend stiefmütterlich geht Harman mit der Traditionsmarke um. Der Name erscheint nur noch auf einer Reihe mobiler Navigationsgeräte. Diesen Bereich verkaufte Harman im Januar jedoch an den Landkartenanbieter Falk.

Eine neue Ära brach auch für Becker an, als sich Firmenpatriarch Sidney Harman mit über 90 Jahren aus der Konzernspitze des US-Unternehmens zurückzog. Ihm folgte vor zwei Jahren Dinesh Paliwal. Der 52-jährige Manager landete im Zuge einer gescheiterten Übernahme durch den Investor KKR auf dem Chefsessel von Harman. Paliwals Ziel ist die Rückkehr zu Renditen in zweistelliger Höhe. Bis 2011 sollen deshalb die jährlichen Kosten um 400 Mio. Euro sinken. Um das zu erreichen, verlegt Paliwal Teile der Produktion von Deutschland nach Ungarn und China. Bis Ende des Jahres sollen von ehemals 3800 Stellen in Deutschland 950 weggefallen sein.

Immer mehr Becker-Technik wird in Asien entwickelt, was die deutschen Autobauer besorgt: Die Ingenieure wünschen sich Ansprechpartner in der Nähe. Ein Harman-Sprecher besänftigte: “Wir werden auf jeden Fall weiterhin eine starke Präsenz vor Ort haben.”

Der Umbau des Unternehmens verläuft allerdings holprig. “Die Stimmung ist im Keller”, so ein Ingenieur. Dazu trägt bei, dass Konzernchef Paliwal seinen Mitarbeitern eine Rosskur verordnet hat und gleichzeitig laut US-Zeitschrift Forbes zu den bestbezahlten US-Unternehmensbossen zählt.

Ein deutscher Manager fürchtet als Folge des Sparkurses weitere Engpässe in der Produktion. Der Harman-Sprecher räumte Schwierigkeiten ein, wies aber einen Zusammenhang mit dem Konzernumbau zurück.

Erst im April musste Becker-Firmenchef Klaus Blickle gehen. Er habe sich mit Paliwal wegen des Sparkurses überworfen, heißt es. Der US-Manager muss rasch Erfolge vorweisen: Als er im April ein unerwartet niedriges Renditeziel setzte, rutschte der Harman-Aktienkurs um 20 Prozent ab. Seitdem hat sich die Aktie nicht wieder erholt.