Shai Agassi kann optimistisch in die Zukunft blicken. Sein Unternehmen Better Place hat eine Finanzspritze von 350 Millionen Euro erhalten. (Bild: Better Place)

Shai Agassi kann optimistisch in die Zukunft blicken. Sein Unternehmen Better Place hat eine Finanzspritze von 350 Millionen Dollar erhalten. (Bild: Better Place)

Shai Agassi kann im Moment aus dem Vollen schöpfen.  Wie das “Handelsblatt” erfahren hat, haben sich unter anderen HSBC, Morgan Stanley Investment Management und Lazard Asset Management im Rahmen einer Beteiligungsfinanzierung bei Better Place engagiert. HSBC steuerte die Finanzierungsrunde und erwarb selbst für 125 Mio. Dollar einen zehnprozentigen Anteil an Better Place. Außerdem wird Kevin Adeson, der bei der britischen Bank von London aus den Bereich Global Capital Financing leitet, als Non-Executive Director in das Führungsgremium des Unternehmens einziehen.

Better Place hat nun inklusive seiner Geschäftsstellen in Israel, Dänemark und Australien 700 Mio. Dollar Kapital eingesammelt, wie Unternehmensgründer und-chef Shai Agassi im Gespräch mit Handelsblatt Online sagte. Das ehemalige SAP-Vorstandsmitglied will in mehreren Ländern ein Netz von Stationen aufbauen, an denen die Batterien der Elektrofahrzeuge innerhalb von 70 Sekunden ausgetauscht werden können. Sie sollen mit erneuerbarer Energie gespeist werden. Die Fahrer der Elektroautos kaufen von dem US-Unternehmen ein Mobilitätspaket, die teure Batterie bleibt im Besitz von Better Place.

Anthony Bernbaum, HSBC-Führungskraft aus dem Bereich Principal Investments, vergleicht die Bedeutung von Better Place für die Elektromobilität mit der von Microsoft oder Google für die IT-Industrie

Mit dem nun eingesammelten Geld will Agasssi Forschung und Entwicklung stärken sowie den Aufbau der Infrastruktur vorantreiben. Außerdem will er neue Märkte in Europa und Asien erobern. Ende 2011 will Better Place in Dänemark, wo im Dezember bereits ein Test begonnen hat, und Israel an den Start gehen. In beiden Ländern müssen bis dahin früheren Angaben zufolge insgesamt 100 000 Ladestationen stehen und je ungefähr 120 Batteriewechselstationen. Wenige Monate später sollen erste Projekte in Australien und in ausgewählten Regionen Nordamerikas beginnen.

Agassi sagte dem “Handelsblatt“, spätestens im kommenden Jahr wolle er Projekte in weiteren Ländern ankündigen. Großes Interesse zeigte er auch am chinesischen Markt. Er hoffe, dass die neuen Partner Better Place dort die Türen öffnen würden. Der deutsche Markt, wo es das erklärte Ziel der Bundesregierung ist, bis zum Jahr 2020 eine Mio. Elektroautos auf die Straße zu bringen, ist für das Unternehmen ebenfalls attraktiv.

Better Place hatte auf der Automesse IAA im September berichtet, mit gut 20 Ländern im Gespräch zu sein. Jetzt zeigte sich Agassi noch angriffslustiger: “Es gibt keinen Grund, weshalb wir nicht schon morgen überall in Europa aktiv werden könnten.” Und fügte hinzu: “Wir haben zwei bis drei Jahre Vorsprung vor allen anderen Mobilitätskonzepten, die auf alternative Energien setzen.”

Kevin Adeson von HSBC zeigte sich “überzeugt, dass das Konzept von Better Place sowohl technologisch als auch kommerziell alle Voraussetzungen erfüllt, um den Massenmarkt für Elektrofahrzeuge schon bald zu realisieren”. Im Vergleich zu Elektrofahrzeugen mit fixen Batterien erhöhe das Konzept von Better Place die Reichweite von Elektroautos.

Better Place hatte auf der IAA angekündigt, gemeinsam mit Renault bis spätestens im Jahr 2016 allein in Israel und Dänemark 100 000 Elektroautos mit auswechselbarer Batterie auf die Straße zu bringen, die auf der Limousine Fluence des französischen Autobauers basieren. Sie haben nach vier bis acht Stunden für einen kompletten eine Reichweite von 160 Kilometern. Im Schnelllade-Modus kann die Batterie in 30 Minuten auf 80 Prozent ihrer Kapazität aufgeladen werden.

Agassi sagte, bereits jetzt seien Verträge mit Flottenpartnern über fast 50 000 Wagen abgeschlossen worden. Er rechne außerdem, damit dass außer Renault “ein zweiter, dritter und vierter Autobauer mit uns zusammenarbeiten wird”.