Mit dem Amarok will VW den Rückstand bei den Pickups zu Toyota und Nissan verkürzen. (Bild: VW)

Mit dem Amarok will VW den Rückstand bei den Pickups zu Toyota und Nissan verkürzen. (Bild: VW)

Volkswagen sieht im neuen Pick-Up Amarok auch einen Türöffner für aufstrebende Zukunftsmärkte in Südostasien wie Thailand, Indonesien, die Philippinen oder Vietnam. In Ländern wie Thailand seien Pritschenwagen aufgrund der vielfach schlechten Straßen und des schwach erschlossenen Hinterlandes zum Transport von Menschen und Gütern weit verbreitet, sagte der Sprecher des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge, Wolfgang Schreiber, am Mittwoch im Interview mit Dow Jones Newswires am Rande der Nutzfahrzeugmesse in Hannover.

Den Markt von jährlich rund 700.000 verkauften Pick-Ups in dem ostasiatischen Land will Volkswagen auf Dauer nicht den Wettbewerbern wie Toyota oder Nissan überlassen. Die Pick-Ups könnten dabei auch der Türöffner für die Autos des VW-Konzerns sein. “Das könnte dem Konzern, gewissermaßen im Schlepptau des Amarok, den Markteintritt in Thailand erleichtern”, sagte Schreiber. Der große Erfolg der Pick-Ups in Thailand beruht auch auf der staatlichen Förderung von einer speziellen Form von Pritschenwagen mit zusätzlicher Sitzreihe.

Die Expansion nach Südostasien ist für VW Nutzfahrzeuge jedoch erst der zweite Schritt und könnte in rund fünf Jahren Realität werden. Zunächst wollen die Hannoveraner mit ihrem neuen Pick-Up Europa erobern. “Wir sehen schon jetzt, dass die Nachfrage 2012 die Kapazität von 100.000 produzierten Amarok in Argentinien überschreitet”, sagte Schreiber. “Deswegen überlegen wir, die Fahrzeuge für Europa, aber auch für Russland, die Türkei und vielleicht sogar für Australien in Hannover zu bauen.” Das wären zusätzliche 40.000 Pick-Ups im Jahr, was im Stammwerk mehr als 500 Arbeitsplätze sichern würde. Mitte 2012 könnte es losgehen.

Doch selbst mit dann insgesamt 140.000 Pritschenwagen jährlich würde die Nutzfahrzeugtochter von Europas größtem Autobauer den Konkurrenten Toyota und Nissan hinterherfahren, die jeweils mehr als 200.000 Pick-Ups verkaufen. Volkswagen Nutzfahrzeuge baut neben dem Kleintransporter Crafter Modelle wie den T5, den Lieferwagen Caddy, den neuen Pritschenwagen Amarok oder den Gelände-Transporter Rockton.

Zukunftschancen rechnet sich Schreiber für elektrisch betriebene Stadt-Lieferwagen aus. “Die meisten dieser Fahrzeuge fahren 50 bis 60 Kilometer am Tag”, sagte er. Die begrenzte Batterieleistung von 80 bis 100 Kilometern – bei Autos eines der größten Hindernisse für die Massentauglichkeit – reiche dafür völlig aus. Den E-Caddy will Volkswagen im kommenden Jahr in Hannover erstmals mit Kunden testen, sagte Schreiber.

Für den Lieferverkehr über Land sei eine Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor denkbar, der sogenannte Plug-in-Hybrid. Ende 2011 oder Anfang 2012 wollen die Hannoveraner ihren Transporter T5 Plug-in-Hybrid mit einer Reichweite von 800 bis 1000 Kilometern ebenfalls testen. Mit serienreifen Elektro- oder Hybridmodellen sei jedoch erst ab 2013 zu rechnen, sagte Schreiber.

Auf Schreibers Agenda steht in den kommenden Jahren auch eine engere Verzahnung der Transporterproduktion mit den Autos des Konzerns. “Wir versuchen, viel Technik von der Pkw-Welt zu übernehmen.” In vielen neuen Modellen sei dies schon der Fall, so stecken im T5 und Amarok modifizierte Auto-Grundmotoren, im Caddy stammt die Elektrik aus dem Polo. “Das werden wir intensivieren.” Potenzial sehe er noch beim Kleintransporter Crafter, sagte Schreiber, ohne Details zu verraten. Das Übernehmen von Teilen aus dem Volkswagen-Auto-Baukasten habe jedoch Grenzen, betonte er. Auf Schiebetüren, große Ladeflächen oder niedrige Ladekanten lasse sich nicht verzichten. “Unsere Fahrzeuge müssen immer vollwertige Nutzfahrzeuge sein, schließlich arbeiten 80 Prozent unserer Kunden damit.”

Dow Jones Newswires