Straßenverkehr in Moskau: Russland könnte laut einer aktuellen BCG-Studie schon 2014 wieder einen

Straßenverkehr in Moskau: Russland könnte laut einer aktuellen BCG-Studie schon 2014 wieder einen Absatz von über drei Millionen Pkw und LCVs erreichen. - Bild: Fotolia/Pavel Losevsky

Bis 2020 könnte Russland zu den Top-6 der weltweiten Absatzmärkte im Automobilsektor aufsteigen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle BCG-Studie, die das Marktpotenzial der russischen Automobilindustrie analysiert und bis dahin einen Absatz von vier Millionen Einheiten prognostiziert.

Hierfür müssen unternehmerische Rahmenbedingungen attraktiver werden, damit internationale Automobilhersteller ihre Wertschöpfung verstärkt lokalisieren und somit Wachstum vor Ort unterstützen, heißt es in der Studie der Boston Consulting Group. Gleichzeitig ist eine Restrukturierung der lokalen Hersteller- und Lieferantennetzwerke erforderlich, um sich im globalen Wettbewerb behaupten zu können.

Obwohl der russische Automobilmarkt 2009 knapp 50 Prozent seines Absatzes einbüßte, bleibt Russland ein wichtiger Wachstumsmarkt für ausländische Automobilhersteller und Zulieferer von Originalteilen (OEMs bzw. OESs). Bis 2014 wird er bereits wieder sein Vorkrisenvolumen von drei Millionen abgesetzten Einheiten pro Jahr erreicht haben. Der russische Automobilmarkt erreicht demnach jährliche Wachstumsraten zwischen acht und vierzehn Prozent. “Wir rechnen in den nächsten fünf Jahren mit jährlichen Wachstumsraten zwischen acht und vierzehn Prozent”, sagt Nikolaus Lang, Partner und Globalisierungsexperte für die Automobilbranche bei BCG. “Unsere Analysen prognostizieren vier Millionen abgesetzte Einheiten im Jahr 2020.”

Russische Automobilhersteller gehen verstärkt Kooperationen mit internationalen Partnern ein

Strukturell werde sich der russische Markt in den kommenden Jahren zunehmend an europäischen Nachfragemustern orientieren, mit einem Fokus auf Pkw aus den mittelgroßen B-und C-Segmenten sowie auf Geländewagen. Letztere versprächen das größteWachstum. Im Pkw-Segment und im Bereich der Light Commercial Vehicles (LCVs) wird Russland bis 2018 zum europaweit größten Markt aufsteigen ? und damit Deutschland überholen.

Die BCG-Analysen verdeutlichen, dass die Produktionskapazitäten zwischen 2007 und 2010 um rund 50 Prozent gestiegen sind und bis 2014 die Marke von 3,2 Millionen Einheiten erreicht sein wird. Aktuell gehen russische Automobilhersteller wie AvtoVAZ, GAZ und Sollers verstärkt Kooperationen mit internationalen Partnern ein. “Es ist wichtig, diese Partnerschaften so zu gestalten, dass sie Modernisierungschancen mitbringen und einen Transfer von Technologien nach Russland ermöglichen”, erklärt Lang. “Nur so kann Russland der Anschluss an den globalen Wettbewerb gelingen.”

21 der weltweit 40 größten OESs im Automobilsektor sind aktuell in Russland präsent. Die Studie prognostiziert ihnen ab 2010 ein jährliches Wachstum um 19 Prozent: Bis 2015 werden die Umsätze der Zulieferer damit von 6,7 Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro steigen. Dennoch besteht auf der lokalen Lieferantenseite deutliches Optimierungspotenzial, vor allem in puncto Qualität, Liefertreue und finanzieller Stabilität.

2015 werden die Produktionskapazitäten der in Russland produzierenden OEMs rund 90 Prozent über Vorkrisenniveau liegen, das entspricht einer Verdoppelung seit 2007, so die BCG-Analyse. Um dieses gesteigerte Fertigungspotenzial zu nutzen, muss es den OEMs jedoch gelingen, den Ausbau ihrer Kapazitäten zeitlich optimal auf die Entwicklung der Nachfrage abzustimmen. Eine weitere Herausforderung sind die vergleichsweise hohen Materialkosten in Russland, die aus höheren Fix-, Logistik- und Qualitätskosten resultieren und bis zu 15 Prozent über dem Preisniveau westeuropäischer Staaten liegen. Ein stringentes Kostenmanagement ist daher erfolgskritisch. Lokale Beschaffungs- und Produktionsverbünde sind eine Möglichkeit, Produktionskosten durch Skaleneffekte niedrig zu halten.

gw