Saab Fertigung

Nach dem Ausstieg von Hawtai zieht der schwedische Automobilhersteller mit Pang Da einen neuen Investor an Land. - Bild: Saab

Der akut vom Aus bedrohte Autohersteller Saab präsentiert zum zweiten Mal einen chinesischen Partner als möglichen Rettungsanker. Wie die niederländische Saab-Mutter Spyker Cars am Montag in Zeewolde mitteilte, will das Auto-Vertriebsunternehmen Pang Da als Teileigner einsteigen. Für dringend benötigtes Kapital zum Wiederanlaufen der Saab-Produktion werde Pang Da innerhalb von 30 Tagen zunächst 30 Millionen Euro und danach “unter gewissen Bedingungen” weitere 15 Millionen Euro bereitstellen.

Nur wenige Tage, nachdem der Einstieg des chinesischen Unternehmens Hawtai scheiterte, sei der Vertrag unterzeichnet worden. Pang Da wird demnach insgesamt 110 Millionen Euro investieren. Das Unternehmen mit mehr als 1.100 Niederlassungen der größte chinesische Autohändler. Saab musste im vergangenen Monat die Produktion einstellen, weil der Autobauer seine Lieferanten nicht mehr bezahlen konnte.

Im Rahmen ihrer “strategischen Allianz” gründen Saab und Pang Da laut Spyker ein Gemeinschaftsunternehmen, das Saab-Autos in China vertreibt. Ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen soll “schrittweise” mit der Produktion von Autos der Marke Saab sowie einer eigenen Marke in China beginnen, wie Spyker-Chef Victor Muller erklärte.

Der Autohändler Pang Da, der in China unter anderem die Marken Volkswagen, Mercedes, Toyota, Honda und Subaru vertreibt, war erst Ende April an die Börse gegangen. Mit einem Volumen von rund einer Milliarde US-Dollar (700 Millionen Euro) war es der zweitgrößte Börsengang in China in diesem Jahr. Pang Da war der erste chinesische Autohändler überhaupt, der an die Börse gegangen ist.

In Stockholm wurde die Ankündigung überwiegend zurückhaltend aufgenommen, nachdem schon zwei ähnliche Anläufe des früheren Spyker- und jetzigen Saab-Chefs Victor Muller gescheitert sind. Muller hatte erst vor zwei Wochen eine Einigung mit dem Autohersteller Hawtai aus Peking verkündet. Hawtai zog aber kurz danach seine kurz- und mittelfristigen Zusagen wieder zurück. Zuvor gelang es Muller nicht, den russischen Bankier Wladimir Antonow als kurzfristigen Nothelfer und langfristigen Haupteigner zu etablieren. Im westschwedischen Saab-Werk Trollhättan mit 3.500 Beschäftigten werden seit Anfang April wegen Geldmangels keine Autos mehr gebaut.

Saab hat nach Angaben aus Branchenkreisen Schulden in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Die ehemalige General-Motors-Tochter Saab schreibt seit 20 Jahren rote Zahlen. Spyker kaufte die schwedische Traditionsfirma 2010 für 400 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr verkaufte Saab etwas mehr als 30.000 Autos und verfehlte damit das selbst gesteckte Ziel von 50.000 Fahrzeugen.

dpa/Guido Kruschke