Victor Muller Saab breit

Ab August könnten die Bänder in Trollhättan erneut anlaufen. Saab plant den Produktionsstart für den 9. August. - Bild: dpa

Wie das Traditionsunternehmen am Donnerstag in Trollhättan mitteilte, wird der 9. August als Produktionsstart angepeilt. Seit April hat das westschwedische Stammwerk so gut wie permanent stillgestanden, weil Saab kein Geld mehr zur Bezahlung von Zulieferern hatte und Ende Juni auch Löhne und Gehälter nicht termingerecht überweisen konnte. Ein Grund für die weitere Verzögerung sind die Werksferien bei mehreren Zulieferern. Außerdem müssen mehrere der Saab-Zuliefer-Firmen erst wieder ihre Lager mit wichtigen Bauteilen füllen.

“Wir haben jetzt eine Reihe positiver Entwicklungen in Gang gebracht und sind viel optimistischer”, sagte Unternehmenssprecherin Gunilla Gustavs. Insgesamt seien in den letzten Woche 61 Millionen Euro zur Wiederaufnahme der Produktion in die Kasse gekommen. Bis zum Startschuss müsse man noch “komplexe Verhandlungen” mit Zulieferern führen und auch das Ende der Sommerferien abwarten.

Victor Muller

Der niederländische Saab-Chef Victor Muller ist zuversichtlich, dass man die Produktion im August wieder aufnehmen kann. - Bild: Spyker

Grünes Licht für den Teilverkauf der Fabrikanlagen

Schwedens Regierung gab Saab ebenfalls am Donnerstag grünes Licht für den Teilverkauf seiner Fabrikanlage. Nach der Stockholmer Kabinettsentscheidung kann das Unternehmen jetzt mit dringend benötigten 255 Millionen Kronen (28 Millionen Euro) planen. Ein Konsortium von Immobilien-Investoren übernimmt für diesen Betrag 50,1 Prozent der Anteile an der Saab-Fabrik. Der Autohersteller kann sie weiter uneingeschränkt per Leasing nutzen.

Anfang der Woche war bekanntgeworden, dass Saab im vergangenen Jahr einen Verlust von umgerechnet 341 Millionen Euro (3,1 Milliarden Kronen) eingefahren und dabei nur 28.282 Autos verkauft hat. 2008 als Tochter des US-Konzerns General Motors waren es noch 93.000. Anfang 2010 hatte der niederländische Sportwagenhersteller Spyker Cars (jetzt Swedish Automobile) das Unternehmen übernommen.

Mittelfristig 220 Millionen Euro Kapitalbedarf

Auto-Analysten beziffern den Kapitalbedarf von Saab aber mittelfristig auf umgerechten etwa 220 Millionen Euro (zwei Milliarden Kronen). Das berichtet das „Handelsblatt“. Dieses Geld könnte durch den geplanten Einstieg des chinesischen Auto-Händlers Pang Da und des chinesischen Auto-Produzenten Youngman Lotus in die Saab-Kassen fließen. Noch steht allerdings die Genehmigung durch die chinesischen Behörden aus. Mit ihnen wird nicht vor diesem Herbst gerechnet.

Die für dieses Jahr zunächst angepeilten 100.000 Autos können wegen des Produktionsstopps ebenfalls nicht mehr erreicht werden. Die enormen Liquiditätsprobleme zwangen Saab im April zu dem bis heute anhaltenden Produktionsstopp, da Zulieferer wichtige Bauteile als Pfand für unbezahlte Rechnungen zurückbehalten hatten.

dpa-AFX/Guido Kruschke