Daimler Zetsche breit

Dieter Zetsche: Im vergangenen Jahr haben wir uns rasend schnell von der Krise erholt, nun wird es darum gehen, neue Technologien und Märkte zu erschließen sowie Partnerschaften auszubauen. - Bild: dpa

Er will über die Zukunft der Nobelmarke Maybach richten, die Verkäufe der Kleinstwagentochter Smart ankurbeln und entscheiden, was mit dem Anteil am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS passiert.

Im vergangenen Jahr habe sich Daimler rasend schnell von der Krise erholt, sagte Zetsche am Dienstag bei einem Besuch in New York. “2011 wird es nur noch besser”, versicherte Zetsche. Nun gehe es darum, neue Technologien und Märkte zu erschließen sowie Partnerschaften auszubauen. In den USA hat sich Daimler am Elektroauto-Pionier Tesla beteiligt, in Russland am Nutzfahrzeughersteller Kamaz. Parallel befreit sich Daimler von altem Ballast.

Voraussichtlich noch in diesem Jahr will Daimler entscheiden, ob der Konzern bei EADS aussteigt oder nicht. Eine Vorentscheidung deutete Zetsche bereits an: “Wir glauben nicht, dass die Luftfahrt unser Kerngeschäft ist”, stellte er fest. Derzeit liefen Gespräche mit der Bundesregierung. “Wir können diese Diskussionen nicht für immer führen.”

Eines der möglichen Szenarien ist, dass die Bundesregierung die Anteile übernimmt, damit die deutsch-französische Balance im Airbus-Mutterkonzern gewahrt bleibt. Daimler hält 15 Prozent der EADS-Aktien und 22,5 Prozent der Stimmrechte und bildet damit das deutsche Gegengewicht zum französischen Staat und dem Lagardère-Konzern. Daimler ist noch bis 2012 vertraglich an seinen Anteil gebunden.

Partner für die Premiummarke gesucht

Auch im Falle von Maybach drängt Zetsche auf eine Entscheidung. Er zeigte sich offen für eine Kooperation, etwa mit dem britischen Hersteller Aston Martin. “Es gibt da draußen offensichtlich Unternehmen, die mehr Erfahrung mit geringen Stückzahlen haben als wir”, sagte Zetsche. Daimler könne sich diese Erfahrungen möglicherweise zunutze machen, formulierte er vorsichtig. Die Diskussionen liefen aber noch. Die Maybach-Verkäufe liegen nach Angaben von Branchenkennern weit unter den geplanten Stückzahlen.

Mit Verkaufsproblemen musste sich auch die Kleinstwagen-Tochter Smart herumschlagen. Die Lage habe sich jedoch zum Besseren gewendet, führte Zetsche aus. “Wir sehen weltweit, dass die Verkaufe zunehmen.” Auf dem wichtigen US-Markt verliert der Zweisitzer allerdings anhaltend Kunden. “Es kann sein, dass wir nicht genug getan haben, um den Wagen in den USA zu verkaufen”, räumte Zetsche ein. Mercedes hat den Vertrieb nun in die eigene Hand genommen.

Smart Cabrio

Smart im Aufwind: Auf dem wichtigen US-Markt verliert der Zweisitzer anhaltend Kunden. - Bild: Daimler

Mit dem US-Geschäft im Allgemeinen zeigte sich Zetsche zufrieden. “Nicht nur die Pkw entwickeln sich gut, auch die Lkw.” Zum Konzern gehören unter anderem die US-Marken Freightliner und Western Star. Mercedes stellt auch Busse und Motoren vor Ort her. In Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama laufen Geländewagen für den Weltmarkt vom Band.

Besorgnis über die Schuldenkrise im Euroraum

Allerdings steht Daimler in den USA unter enormen Druck vor allem vonseiten BMWs. Die beiden liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel der beliebtesten Premiummarke. In diesem Jahr liegt Mercedes-Benz in den Staaten noch knapp vorne. “Das ist nicht unsere Hauptsorge”, sagte Zetsche, der zur Einweihung der neuen Vorzeige-Niederlassung von Mercedes in Manhattan angereist war.

Gedanken macht sich Zetsche vielmehr über die Schuldenkrise im Euroraum, die Nachwirkungen des Bebens in Japan sowie die Inflation in China. “Es gibt einige Wolken am blauen Himmel”, sagte Zetsche. Die Nachfrage sei zwar weiterhin hoch, führte Zetsche aus, vor allem in den Schwellenländern. “Wir müssen aber etwas vorsichtiger sein.” Zetsche will nichtsdestotrotz in diesem Jahr das gute Ergebnis von 2010 überbieten.

dpa-AFX/Guido Kruschke