Volvo Chengdu Fertigung

Die Vorserienproduktion in Chengdu läuft bereits, die ersten 15 S60 L sind gebaut. - Bild: Daniele Mattioli

In einem seiner raren öffentlichen Auftritte seit der Übernahme der Volvo-Mehrheit von Ford im Jahr 2010 trat der chinesische Multi-Milliardär Li Shufu mit einer ungewöhnlichen Erklärung anhaltenden Gerüchten entgegen, Volvo stelle für die Geely Holding, die 51 Prozent des schwedischen Traditionsherstellers hält, lediglich eine kurzfristiges Finanzinvestment dar.

So erklärte Li Shufu, dass er schon lange eine persönliche Leidenschaft für Schweden und skandinavisches Design hege und er nicht zuletzt dadurch bei Volvo zugegriffen habe, als sich die Möglichkeit bot. Sein Ansinnen sei nun die Marke zu altem Glanz zu führen. Der chinesische Mehrheitseigner betonte, dass Volvo für Geely eine strategische und langfristige Investition bedeute um den Konzern mit den Marken Geely und Volvo zu einem global agierenden Automobilhersteller zu entwickeln.

Über die Marke Geely soll der Massenmarkt, über Volvo das Premiumsegment bedient werden. Ambitionen Geely auf absehbare Zeit auch in Europa anzubieten, verneinte Li Shufu. Dagegen bestätigten sowohl Li Shufu wie der ebenfalls anwesende Volvo-Chef Hakan Samuelsson Überlegungen, China langfristig zu einer Exportbasis für Volvo zu machen. Dabei seien auch Exporte aus China in die USA denkbar.

Li Shufu will Volvo zu altem Glanz führen

Vorrang habe jetzt aber, das Werk in Chengdu an Laufen zu bringen, dort dieselbe Qualität wie in Europa sicher zu stellen und den Absatz in China hochzufahren. Hakan Samuelsson betonte die strategische Bedeutung für die Wachstumspläne Volvos: “Ohne Geely wäre es nicht möglich gewesen, nach zweieinhalb Jahren ein Werk wie dieses in China zu bauen.”

In die Rolle als globale Premium-Marke möchte Volvo vor allem durch Wachstum in China und Aufbau von Produktionkapazitäten dort gelangen. So peilen die zuletzt schwächelnden Schweden die Steigerung des weltweiten Absatzes von knapp 430.000 auf 800.00 Einheiten an. Der Großteil des Wachstums soll dabei aus China kommen.

Zwar ist Samuelsson angesichts der schwierigen Lage in Europa davon abgerückt, den Absatz von 800.000 Fahrzeugen bereits 2020 erreichen zu wollen (?ein oder zwar Jahre später ist auch nicht schlimm?), der China-Plan steht aber. Ziel ist eine Steigerung von knapp 43.000 im vergangenen Jahr auf “mindestens 200.000″ wie Volvo-China-Chef Lars Danielson in Chengdu sagte.

Volvo China-Chef Lars Danielson (li.) und Volvo-Chef Hakan Samuelsson auf Tour im neuen Werk in Chengdu. - Bild: Daniele Mattioli

S60 L wird erster China-Volvo

Keimzelle zur Realisierung der ehrgeizigen Wachstumspläne ist das neue Werk dort. Das erste Modell, das dort ab Oktober vom Band geht, ist die Langversion des Volvo S60. In diesem Jahr werden noch 1.500 Einheiten von dem um 88 mm gegenüber dem Basismodell längeren Fahrzeug produziert, im ersten vollen Jahr 2014 dann 30.000 Einheiten. Die Kapazität in Chengdu beträgt im Zwei-Schicht-Betrieb 120.000 Einheiten, kann aber bis auf 150.000 Einheiten hochgefahren werden.

Baustart für ein zweites Werk in China ist Mitte kommenden Jahres in Daquing. Mit welchen Modellen Volvo dann die zur Verfügung stehende Kapazität von 240.000 Einheiten auslasten möchte, dazu schweigt sich das Unternehmen noch aus.

Zweites Werk in Daqing geplant

Wahrscheinlich ist aber: Mit dem Modellwechsel des S60 im Jahr 2015 wird auch der XC 60 in Chengdu produziert werden. In der Diskussion ist zudem, den Volvo 60 Hybrid in Chengdu zu zu produzieren. 2017 /2018 läuft auch die Produktion des S80L, den Volvo als letztes Erbe aus der Zeit mit Ford gemeinsam in China baut.

Der S80 war 2012 noch das meistverkaufte Volvo-Modell in Schweden. Einen direkten Nachfolger wird es nicht geben, da Volvo mit dem Ende der Ford-Kooperation dort auch die80er Reihe auslaufen lässt. Stattdessen könnten in Chengdu S90 und XC90 gebaut werden, dann schon auf der neuen Plattform SPA. Im dann ebenfalls fertig gestellten zweiten Werk in Daquing könnten die Fahrzeuge der gemeinsam mit Geely C-Plattform gebaut werden.

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Frank Volk