Bernd Osterloh

Bernd Osterloh: "Aus Sicht der Arbeitnehmer sei das Geschäft in den USA eine "Katastrophenveranstaltung" für Volkswagen." - Bild: dpa

Die USA seien für VW eine “Katastrophenveranstaltung”, sagte der VW-Aufsichtsrat am Mittwoch vor Journalisten in Wolfsburg. Dem Konzern fehlten in zentralen Segmenten die passenden Autos, das Händlernetz sei nicht eng genug, und den Erwartungen der US-Kunden werde zu wenig Rechnung getragen.

Alles wird von Wolfsburg aus gesteuert

Für Osterloh ist auch ein Grund für das schlechte Abschneiden die zentralistische Organisation von Volkswagen. “Alles werde von der Zentrale in Niedersachsen entschieden werde. Dadurch seien die Entscheidungswege zu lang”, so der Betriebsratschef. “Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das bei uns anders ist”, sagte Osterloh weiter. VW müsse sich verstärkt fragen, wo das Delegieren von Verantwortung in die jeweilige Region Sinn ergebe.

Modellvielfalt für Nordamerika

Er sprach sich dafür aus, neben dem geplanten siebensitzigen Geländewagen auch einen Pick-up auf den US-Markt zu bringen. “Wir brauchen mehr als vier Modelle, die in Nordamerika gebaut werden.”

Die Worte des Betriebsratschefs haben in Wolfsburg besonderes Gewicht, da er im einflussreichen Präsidium des Aufsichtsrates sitzt. Auch der neue US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, hatte einen Sinneswandel in Wolfsburg angemahnt, um in den USA in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Experten halten das ambitionierte Ziel, 2018 mehr als eine Million Autos der Marken VW und Audi in den Vereinigten Staaten zu verkaufen, für nur noch schwer erreichbar. 2014 hatte der VW-Konzern insgesamt 611.700 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in den USA verkauft.

Golf soll neuen Schub bringen

Produktseitig sei der jahrelange Verkaufserfolg der Pick-ups der Ford-F-Serie ein Beispiel für die offenen Flanken der Wolfsburger. Der F-150 ist seit 32 Jahren der am meisten verkaufte Wagen in den USA. Er gehört für Ford zur wichtigsten Modellserie mit zuletzt 763.000 Verkäufen allein in dem Land. “750.000 Einheiten pro Jahr von einem Modell. Und das Schöne ist: Wir haben keins”, sagte Osterloh.

Seinen eigenen Pick-up Amarok verkauft VW bisher nicht in den USA. Laut Osterloh wäre er für den Markt auch kaum geeignet. Zur Automesse in Detroit versprach der Entwicklungschef der Kernmarke VW-Pkw, Heinz-Jakob Neußer, Besserung. VW werde dem Problem mit größerer Auswahl an einzelnen Modellvarianten begegnen und mehr Abwechslung in die jahrelangen Entwicklungszyklen der Modellgenerationen bringen.

VW produziert seit kurzem seinen Verkaufsschlager Golf auch in Mexiko – vor den Toren der USA also. Das Modell soll Schub bringen. Außerdem ist für 2016 der Start einer siebensitzigen Geländelimousine geplant. Über den Produktionsstandort ist noch nicht entschieden, es steht neben Mexiko noch das US-Werk in Chattanooga zur Auswahl. Der Golf trifft jedoch eher ein vergleichsweise kleines Segment in den USA. Osterloh glaubt an die Wende erst für die Jahre 2016/2017.

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dpa/Dow Jones Newswires/Guido Kruschke