Paccar Lkw

Die Gerüchteküche kocht schon lange, dass Volkswagen in Nordamerika zukaufen muss und Paccar hier als Partner in Betracht kommt. Bild: Paccar

Bernhard hatte auf einer Veranstaltung von Daimler Trucks unter Berufung auf “mehrere und glaubwürdige” Quellen gesagt, VW wolle kommendes Jahr den US-Nutzfahrzeughersteller übernehmen. Über Bernhards Aussagen hatte Analyst Max Warburton der Bank Bernstein berichtet.

Über den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen aus dritter Hand lässt sich nur spekulieren. Immerhin kocht die Gerüchteküche schon lange, dass Volkswagen in Nordamerika zukaufen muss und Paccar hier als Partner in Betracht kommt. Analyst Warburton fragt selbst, welche Motive Bernhard wohl verfolgt, gerade jetzt die Spekulationen wieder anzuheizen. Er hält es aber für seine Pflicht, darüber zu berichten. Weder Volkswagen noch Daimler antworteten auf Anfrage für eine Stellungnahme.

Warburton hält einen Zusammenschluss von Paccar und Volkswagen immerhin für denkbar. Vor zwei Jahren gab es schon einmal Medienberichte, dass Europas größter Autokonzern damals einen Einstieg beim US-Lastwagenbauer Navistar prüfte. Die Allianz könnte den Abstand zum Rivalen Daimler verkleinern. Paccar ist mit 17 Milliarden Dollar Umsatz nun noch eine Nummer größer – nämlich fast doppelt so groß. In Europa ist der US-Konzern vor allem mit seiner niederländischen Marke DAF bekannt.

Analyst Warburton weist darauf hin, dass Volkswagen mit Paccar endlich einen Fuß in Nordamerika an den Boden kriegen würde, denn die Lkw-Marken des Wolfsburger Konzerns – MAN und Scania – sind nur in anderen Ländern präsent.

Allerdings wäre eine Übernahme teuer. Paccar wird an der Börse mit umgerechnet fast 17 Milliarden Euro bewertet. Der Kauf wäre ohne eine Kapitalerhöhung kaum denkbar. Laut Analyst Warburton hat VW noch die Ermächtigung, für 9,6 Milliarden Euro neue Vorzugsaktien zu begeben. Das würde aber nicht ausreichen, so dass auch die Emission neuer Stammaktien erforderlich wäre. Die Übernahme würde den VW-Gewinn nach Einschätzung des Analysten stark verwässern. Investoren könnte der Deal wohl nur schmackhaft gemacht werden, wenn mit der Transaktion große Synergien zu heben sind.

Daimler-Vorstand Bernhard dachte auf der Trucks-Veranstaltung in Berlin noch weiter. Da Paccar mit der Marke DAF einen Marktanteil von unter 15 Prozent in Westeuropa haben würde, müsste Volkswagen DAF aus kartellrechtlichen Gründen wohl verkaufen. Einen natürlichen Käufer hatte Bernhard auch schon parat: In seinen Augen ist das der italienische Nutzfahrzeughersteller Iveco. Die Neuordnung der Branche spielt Bernhard also wie Schach mehrere Züge im Voraus durch. Den nächsten Zug müssten jetzt die Wolfsburger machen.

Zunächst werden die Spekultionen aber an der Börse für Gesprächsstoff sorgen. Die Kurse der beteiligten Unternehmen sind vorprogrammiert: Volkswagen-Aktien dürften aus Sorge vor einem teuren Zukauf erst einmal fallen. Freuen werden sich dagegen die Paccar-Aktionäre, die am Nachmittag, wenn die US-Börsen öffnen, sich ein Stückchen reicher fühlen dürfen. Analyst Warburton rechnet auch für die Daimler-Aktien mit einem Plus. Denn Bernhard habe auf dem Event auch über Daimler Trucks gesprochen. Und die Aussagen waren unerwartet gut, sagt der Analyst.

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Jürgen Hesse, Dow Jones Newswires