Arbeiterin im VW-Werk in Chattanooga, Tennessee.

Arbeiterin im VW-Werk in Chattanooga, Tennessee: Im Gesamtjahr läuft Volkswagen immer noch dem Vorjahreswerten hinterher. Bild: Volkswagen

Nach einer langen Absatzflaute in den USA hat Volkswagen seine Verkäufe erstmals wieder ähnlich stark ankurbeln können wie die deutsche Konkurrenz. Daimler lag zwar beim US-Absatzwachstum im Mai noch klar vor den Wolfsburgern, bei BMW konnte aber vor allem die britische Tochter Mini ihr Wachstumstempo nicht halten und schmälerte das Konzernplus. Insgesamt hält die Belebung am US-Automarkt an – auch wenn einige große Hersteller zuletzt Rückschläge hinnehmen mussten.

Für VW ist es schon eine gute Nachricht, dass die Kernmarke im Jahresvergleich überhaupt wieder mehr Autos verkauft. Unterstützer von Konzernchef Martin Winterkorn dürften sich von den Zahlen deshalb vorerst bestätigt fühlen. Der lange Zeit schwache US-Absatz der VW-Kernmarke war dem Vernehmen nach ein Grund, warum VW-Patriarch Ferdinand Piech “auf Distanz” zu Winterkorn gegangen war. Winterkorn hatte den Machtkampf zwar für sich entschieden, die Probleme im US-Geschäft sind aber noch nicht überwunden.

Bei VW sorgt vor allem der Golf für Wachstum

Die wichtigsten Modelle Jetta und Passat verkauften sich abermals schlechter, auch wenn die Verluste nicht mehr so deutlich ausfielen wie in den Vormonaten. Den Jetta versucht VW derzeit unter anderem mit äußerst niedrigen Leasingraten in den USA loszuschlagen. Für das Wachstum im Mai sorgten vor allem die Golf-Modelle: Hier stiegen die Verkäufe um mehr als das Dreieinhalbfache, wie VW am Dienstag mitteilte.

Im Gesamtjahr läuft die Pkw-Kernmarke immer noch dem Vorjahreswerten hinterher: 2015 hat der Autokonzern bislang insgesamt 144.006 Autos seiner Hausmarke in den USA abgesetzt, 4,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei Audi läuft es dagegen weiter rund: Die VW-Tochter steigerte den Absatz im Mai um 11 Prozent und kommt damit im Gesamtjahr auf 75.353 verkaufte Wagen. Die andere VW-Tochter Porsche büßte dagegen beim Absatz 7,4 Prozent ein.

Daimler setzt sich gegen BMW durch

In der Verkaufsschlacht der Premiumhersteller konnte sich Daimler in den USA diesmal klar gegen den Hauptkonkurrenten BMW durchsetzen. Die neue Mercedes C-Klasse bescherte den Schwaben fast im Alleingang weitere Rekordverkäufe. Der Absatz des Mercedes-Mittelklasse-Wagens kletterte nach Konzernangaben um 40 Prozent, bei den Flaggschiffen E- und S-Klasse schrumpften die Verkaufszahlen weiter. Auch die in den USA besonders beliebten SUV-Geländewagen schwächelten bei Daimler. Bisher liegt Daimler 2015 aber mit mehr als 150.000 verkauften Autos neun Prozent über dem Vorjahreswert.

BMW muss nach fulminanten Zuwächsen im US-Geschäft nun wieder einen Dämpfer hinnehmen. Der Absatz des Konzerns in den USA stieg im Mai nur noch um 4,3 Prozent. Vor allem der Mini konnte sein Wachstumstempo bei den Verkäufen nicht halten. Im Gesamtjahr liegt BMW mit mehr als 160 000 verkauften Autos aber weiter vor Daimler.

Zwischenbilanz in Deutschland gemischt

In Deutschland war die Zwischenbilanz der deutschen Autoindustrie nach den ersten fünf Monaten des Jahres gemischt ausgefallen: Der Verband der Automobilindustrie hat zwar mehr Neuzulassungen verzeichnet, die Inlandsproduktion und der Export sind aber zurückgegangen.

In Amerika lieferten die großen US-Hersteller im Mai gemischte Ergebnisse. Branchenführer General Motors brachte angesichts starker Nachfrage nach Pick-up-Trucks der Marken Chevrolet und GMC drei Prozent mehr Wagen an die Kundschaft. Ford musste hingegen ein Minus von 1,3 Prozent hinnehmen. Fiat Chrysler erhöhte seine Verkäufe um vier Prozent seit 62 Monaten steigt der US-Absatz des transatlantischen Autoriesen. Enttäuschend verlief der Mai für den weltgrößten Autobauer Toyota, der 0,3 Prozent weniger Fahrzeuge los wurde.

Autobranche bleibt in den USA im Aufwind

Insgesamt bleibt die Branche in den USA im Aufwind. Günstige Kredite und billiger Sprit treiben weiter die Nachfrage, auch wenn sich Benzin zuletzt wieder etwas verteuerte. Analysten gehen davon aus, dass der US-Automarkt sein Wachstumstempo mit einem auf das Jahr hochgerechneten Monatsabsatz von 17,5 Millionen Fahrzeugen im Mai beibehalten hat und auf Kurs ist, dieses Jahr die höchsten Verkaufszahlen seit 2001 zu erreichen.

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dpa-AFX/ks