Foto des BMW Group-Headquarters vor blauem, leicht bewölktem Himmel, Gebäude mit leichter Wellenform

Neue und alte Welten: Im Headquarter der BMW Group in München versucht man, die Themen Elektro und Verbrenner mit maßvoller Hand im Gleichgewicht zu halten. (Bild: BMW)

Flexibilität und Expertise seien die Mittel, um den Herausforderungen der Lieferkettensituation zu begegnen. Dies hörte man zumindest im August aus der Zentrale der BMW Group, als sie ihre Halbjahreszahlen veröffentlichte. In einem schwierigen Umfeld bleibe man auf Kurs und habe ein profitables Halbjahr hinter sich. Trotz der Volatilität hat man eine Konzernumsatzrendite von 24,5 Prozent erreicht. Zu diesem Wert hat dem OEM zufolge die Neubewertung der bisher gehaltenen Anteile am chinesischen Joint Venture BMW Brilliance Automotive (BBA) beigetragen. Die Neubewertung aufgrund der Vollkonsolidierung im Februar hatte das Finanzergebnis um 7,7 Milliarden Euro erhöht. Die EBIT-Marge des Segments Automobile betrug im zweiten Quartal 8,2 Prozent, ohne die Konsolidierungseffekte aus der Vollkonsolidierung von BBA erzielte die BMW Group im zweiten Quartal eine EBIT-Marge im Automobilsegment von zwölf Prozent.

Ein hohes Maß an Flexibilität sowie operative Leistungskraft habe sich immer wieder als wirksame Kombination erwiesen, um den Erfolgskurs der Gruppe auch in rauem Fahrwasser sicherzustellen, konstatierte BMW-CEO Oliver Zipse im Sommer. „Auf diese Stärke wird es jetzt wieder ankommen, da wir zusätzlich zu den anhaltenden Versorgungsengpässen auch einen zunehmenden wirtschaftlichen Gegenwind aufziehen sehen.“ Zipse und sein Team setzen dazu auf emotionale Produkte und innovative Technologien.

Die anhaltenden Versorgungsschwierigkeiten mit Halbleitern sowie Beeinträchtigungen in den Lieferketten, vor allem infolge der Covid-Lockdowns in China, haben sich dem Autobauer zufolge negativ auf die Produktion und Auslieferungen in den ersten sechs Monaten ausgewirkt. Dennoch: Mit gut 1,16 Millionen Fahrzeugen ist der Absatz der BMW Group in den ersten sechs Monaten zwar unter dem Rekordwert des Vorjahreszeitraums geblieben. Im weltweiten Premiumsegment hat man eine führende Position dennoch weiter ausbauen können. Versorgungsengpässe insbesondere bei Halbleitern, der Krieg in der Ukraine und Unterbrechungen in den Lieferketten haben in der ersten Jahreshälfte zwar zu einem Rückgang der Auslieferungen im Segment Automobile geführt. Im Hochsommer prognostizierte man im Unternehmen für die noch laufende zweite Jahreshälfte aber ein Absatzvolumen, das solide über dem Vorjahreszeitraum liegen soll. Den im ersten Halbjahr verlorenen Absatz werde dies aber nicht vollständig kompensieren können, lautete die Prognose zugleich. Für das gesamte Jahr 2022 rechnet man in München mit Auslieferungen leicht unter dem Vorjahr.

BMW setzt auf einen spannenden Modellmix

Auch bei BMW hat man unabhängig von Verwerfungen auf den so wichtigen globalen Rohstoffmärkten freilich nach wie vor eine klare Elektrostrategie. Den Löwenanteil der abgesetzten Fahrzeuge machen aber auch im Jahr 2022 Fahrzeuge mit klassischen Antrieben aus, für die man sich im Konzern nach wie vor zumindest in der öffentlichen Kommunikation nicht entschuldigen mag, so wie es zumindest bei manchen OEMS derzeit zwischen den Zeilen durchklingt. Nach wie vor strahlt auch 2022 das von BMW-Chef Oliver Zipse bereits im vergangenen Jahr ausgegebene Credo einer „maßvollen Diskussion um die richtige Antriebsart“ durch, mit dem er den Einsatz von batterieelektrischen Antrieben dort als sinnvoll und möglich erachtet, „wo auch die entsprechenden Rahmenbedingungen stimmen“. In vielen Regionen der Welt ist dies noch lange nicht der Fall.

3 BMW XM, Frontalaufnahmen vor einem Gebäude
Kurz nach der Markteinführung des neuen BMW X1 schob der OEM im November '22 erstmals auch eine vollelektrische Modellvariante nach. (Bild: BMW)

Ungeachtet von Ideologien erweitern die Münchener ihre Modellpalette und bieten sowohl auf dem Gebiet klassischer Antriebe wie auch für den rein elektrischen Sektor einen spannenden Modellmix. Bestseller wie das SUV X1 wurden 2022 kräftig runderneuert und mit etwas Zeitabstand auch die vollelektrische Variante iX1 vorgestellt. Damit dürfte BMW auch mit der Elektromobilität in einigermaßen bezahlbare Sphären vordringen. Und damit auch nahezu alle Kunden- und Marktbelange abgedeckt werden, bietet der OEM neben der vollelektrischen und den verbrennungsmotorischen Varianten auch zwei Plug-in-Hybride des kompakten SUV. Dem Active Tourer haben die Entwickler in Form des 216i eine neue Einstiegsmotorisierung zur Seite gestellt, und mit dem vollelektrischen Gran Coupé i4 als eDrive35 zielt man auf eine Art Einstiegsklientel im Segment sportlicher Elektro-Coupés. Verbesserungen wie etwa die kontinuierliche Überwachung des Reifendrucks reichen im neuen Modelljahr vom kompakten Modell bis hinauf zum X7. Die My-BMW-App umfasst mit dem jüngsten 22er-Update nun eine First-Mile-Funktion, mit der BMW-Fahrern der Weg zum Fahrzeug auf dem Smartphone angezeigt wird.

Stärkstes je produziertes BMW-M-Modell

Zu den Modell-Highlights des Jahres 2022 dürfte zweifelsohne der XM zählen, mit dem man in Form spezieller High-Performance-Gene im Fahrzeugsegment hochpreisiger Sportivfahrzeuge punkten will. Auch hier setzt BMW auf die Kombination aus Verbrennungsmotor und E-Maschine, allerdings nicht der Philosophie folgend, mit einer kleinen Hubkolbenmaschine die verbrennungsmotorisch zurückgelegten Kilometer vordringlich genügsam zurückzulegen. Im Verbund stehen hier ein wuchtiger V8-Otto mit BMW-typischen 4,4 Litern Volumen und eine E-Maschine mit 197 PS Leistung. Daraus ergibt sich eine Systemleistung von 653 PS. Und schon hat BMW fürs kommende Jahr das Modell XM Label Red angekündigt. Diese Version wartet mit einer Systemleistung von 748 PS auf und wird damit zum stärksten jemals produzierten BMW-M-Modell.

Batteriezellfabriken an sechs Standorten

Da man in München wie auch an den großen Produktionsstandorten vom niederbayerischen Dingolfing bis hin zum US-amerikanischen Spartanburg die aus Verbrenner, Hybrid und Elektro resultierende Varianz produktionstechnisch abbilden muss, kann BMW auch rund um seine Fertigungsmethoden Fortschritte melden. Bereits in greifbarer Zukunft liegt die Produktion einer neuen Rundzellenarchitektur für Batteriezellen, wie sie ab 2025 in der Neuen Klasse zum Einsatz kommen wird. „Um unseren Bedarf langfristig abzudecken, werden wir mit unseren Partnern Batteriezellfabriken mit einer jährlichen Kapazität von jeweils bis zu 20 GWh an sechs Standorten in den für uns wichtigen Märkten aufbauen: zwei in China, zwei in Europa und zwei in USMCA“, sagt Joachim Post, Vorstand für Einkauf und Lieferantennetzwerk. Für die Produktion der Batteriezellen werden die Zellhersteller Kobalt, Lithium und Nickel einsetzen, die anteilig aus Sekundärmaterial bestehen. Zirkuläre Kreisläufe sollen den Bedarf an neuen Rohstoffen verringern. Die Speichertechnologie der sechsten Generation soll auch die Option bieten, erstmalig Kathoden aus Lithium-Eisenphosphat (LFP) einzusetzen, wodurch auf die kritischen Rohstoffe Kobalt und Nickel im Kathodenmaterial verzichtet werden kann. Parallel dazu treibt man auch die Entwicklung von Feststoffbatterien voran. Bis Ende des Jahrzehnts will BMW serienreife Hochvoltbatterien dieses Typs präsentieren.

Mini propagiert weiter das Gokart-Feeling

Mit britischem Charme und deutscher Technik unter den Karosserien kann die Marke Mini auch im Jahr 2022 punkten. Doch der Wandel hin zur rein elektrischen Marke ist gesetzt. Anfang der 2030er Jahre will man aus dem britischen Label die erste ausschließlich vollelektrische Marke machen. Bereits für Ende 2023 hat BMW den neuen vollelektrischen Mini Countryman angekündigt, den man erstmals im Werk Leipzig fertigen wird. Das Werk in Sachsen wird damit zum ersten deutschen Standort, an dem Fahrzeuge der Marken BMW und Mini gemeinsam von den Bändern rollen. Das neue Modell wird Mini zufolge dort sowohl als reine E-Variante wie auch mit Verbrennungsmotor montiert. Die elektrische Architektur erfolgt 2023 zeitgleich mit der Ablösung des nunmehr seit 2016 laufenden Countryman. Auch Hatch 3- und 5-Türer sowie das Cabrio werden auf der kommenden IAA gezeigt. Schon im Jahr 2027 erwartet man in München und Oxford die Hälfte des weltweiten Mini-Absatzes mit E-Modellen zu erzielen.

Was Mini sich für das Design der künftigen Autos und Modelle vorstellt, soll das im vergangenen Sommer gezeigte Concept Aceman vorwegnehmen. Bei der Marke spricht man mit Blick auf die Studie davon, sich neu zu erfinden. Das gewohnte Gokart-Feeling soll jedenfalls ungeachtet etwaiger neuer designerischer Akzente dazugehören. „Das Mini Concept Aceman ermöglicht den Ausblick auf ein völlig neues Fahrzeug, das in der künftigen Modellfamilie die Position zwischen dem Mini Cooper und dem Mini Countryman einnimmt“, sagt Stefanie Wurst, Head of Mini. Zum Fahrverhalten soll sich ein immersives digitales Erlebnis und ein starker Fokus auf einen minimalen ökologischen Fußabdruck hinzugesellen. Sorge über eine Abkehr vom ikonenhaft-knuffigen Auftritt der Fahrzeuge brauchen sich Fans der Marke wohl nicht zu machen: Man entwerfe die Designikone Mini mit all ihren analogen Stärken für die digitale Zukunft neu, kombiniere diese aber mit den typischen und unverwechselbaren Designmerkmalen, betont Design-Chef Adrian van Hooydonk.

Mini Concept Aceman in hellblau, Aufnahme von frontal-links aus der Vogelperspektive, Auto steht auf einem Parkplatz inmitten vieler Reifenspuren
Das im Sommer vorgestellte Mini Concept Aceman soll Mini-Tugenden wie Gokart-Feeling mit neuen digitalen und ökologischen Ansprüchen kombinieren. (Bild: Mini)

Rolls-Royce elektrifiziert das Luxussegment

Die Fahrzeuge der BMW-Tochter Rolls-Royce schweben erhaben über manchen Fragen dieser Tage. Traditionell über jener der exakten Leistung wie auch jener, wo Luxus beginnt und endet. Die Fahrzeuge aus dem südenglischen Goodwood sind die pure Verheißung, was opulente Accessoires und komfortables Fahren anbelangt. Wenn auch unter der Regie eines deutschen Konzerns stehend, bleibt die Marke höchst britisch-exklusiv, trotz der Stückzahlen, die in den vergangenen Jahren wuchsen. Das Label verkauft auch in Krisenzeiten ungebrochen gut.

Eine zumindest technische Zäsur dürfte auch für Rolls-Royce das „E“ im Antrieb sein. Doch transferiert man das Thema mit britischem Understatement ins neue Zeitalter. Rolls-Royce-CEO Torsten Müller-Ötvös bekannte sich zur Elektrifizierung und bestätigte bereits 2021, dass man mit den Tests des ersten vollelektrischen Rolls, dem Modell Spectre, begonnen habe. Von Anfang wurde das neue Coupé als Elektroauto konzipiert und konstruiert. Die Briten klassifizieren es als „geistigen Nachfolger des Phantom Coupés“. Spectre steht auf der Luxus-Vollaluminiumarchitektur und soll multimedial wie auch bei den Assistenzfunktionen dank der sogenannten neuen Spirit-Softwarearchitektur keine Wünsche offenlassen. Die ersten Auslieferungen an Kunden sollen den Briten zufolge im vierten Quartal 2023 beginnen. Preislich wird Rolls-Royce den Stromer wohl zwischen Cullinan und Phantom ansiedeln.

Rolls-Royce Spectre in gelb, Aufnahme frontal von links, leichte Froschperspektive vor neutralem, weißem Foto-Hintergrund mit Schatten
Mit dem elektrischen High-Class-Coupé Rolls-Royce Spectre wagt die britische Marke den Vorstoß ins Elektro-Zeitalter und bedient auch hier den Superlativ. (Bild: Rolls-Royce)

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