Softwareupdates über Satellit
Neue Funktionen erfordern Partnerschaften für das Portfolio: Softwareupdates über Satellit. (Bild: Continental)

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie sieht der Konnektivitätsfahrplan aus?
Wir arbeiten schon lange an Telematikeinheiten. Das hat mit 2G begonnen, Edge, 3G, 4G und wird sich in Richtung 5G weiterentwickeln. Wir sehen dabei zum einen, dass Vernetzung für Fahrzeuge ein zentrales Zukunftsthema ist. Auf der anderen Seite können wir uns nicht darauf verlassen, dass es überall und zu jederzeit eine perfekte Netzabdeckung gibt. Deshalb ist es unsere Aufgabe, Lösungen für die bestmögliche Konnektivität zu finden. Unsere Network Access Devices können zum Beispiel nahtlos zwischen Netzwerken umschalten. Bislang fehlte uns nur der Satellit, weshalb wir nun eine Partnerschaft mit der englischen Firma Inmarsat eingegangen sind, die auf dem Gebiet der Satellitenkommunikation führend ist. Damit sind wir in der Lage, ein Software-Update über Satellit zu machen und große Datenmengen zum Beispiel für ein Firmware-Update oder eine neue Funktion ins Fahrzeug zu laden.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was wird Continental auf dem Gebiet Services künftig zeigen?
Eine Brücke zu diesem Thema baut das Mobiltelefon und seine vielfältigen Integrationsmöglichkeiten ins Fahrzeug. Ein wichtiges Beispiel ist dabei das Verschmelzen von Handy und Schlüssel. Im Joint Venture mit D’Ieteren sind wir stark auf dem Gebiet Fahrzeugflottensteuerung und Mietwagensteuerung unterwegs. Wir haben mit OTA keys ein System aufgesetzt, bei dem wir den Schlüssel temporär über eine Backend-Struktur in ein Handy kopieren. Damit lässt sich ein Mietvorgang via App umsetzen, ganz ohne Papierkram. Mit Vertragsabschluss wird der Schlüssel temporär auf das mobile Gerät geladen, um das Auto aufsperren und starten zu können. Bei Beendigung bestätigen Sie der App, dass das Fahrzeug wieder abgesperrt werden soll. Ein Beispiel dafür, wie Technologie in End-to-End-Services übergeht. Als Continental konzentrieren wir uns auf solche Services, auf die nicht auch der OEM geht, die also cross OEM laufen. Dies ist unsere Stärke. Wir wissen, was bei den unterschiedlichen Fahrzeugherstellern los ist. So gehen wir zum einen auf der Produktseite nach vorne und erweitern zum anderen das Portfolio auch um Service-Themen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Eine serienreife Technik, für die Sie bereits Partner auf der Vermiet-Seite haben?
Für OTA keys gibt es mittlerweile acht Aufträge. Dazu zählen Vermietfirmen, Carsharing-Dienste oder Flottenbetreiber, also all jene, die viele Fahrzeuge einsetzen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Eine Dienstleistung, die ganz Ihr Business und vom Druck der OEMs befreit ist…
Das ist das Schöne, dass es in diesem Service-Umfeld unterschiedlichste Themen geben kann. Themen, bei denen wir für OEMs arbeiten, so wie heute auch, und Themen, die wir direkt anbieten. Das eröffnet uns neue Geschäftsfelder und größere Möglichkeiten. Unser Ansatz ist es, den Fokus zu halten, ausgehend von unserem Produkt-Know-how mit einem neuen Sales-Channel. Leichte Anpassung nehmen wir dann mit einem Partner zusammen vor. Damit sind dies auch keine Riesen-Investitionen oder drastische Veränderungen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sind Sie in Ihren Kooperationen mittlerweile so aufgestellt, dass Sie relevante Entwicklungsziele abbilden, oder brauchen Sie noch mehr Partnerschaften?
Wir sind schon immer mit Partnern gewachsen. Seien es IBM, Cisco, HERE, DigiLens und Inmarsat. Die Zusammenarbeit mit anderen kommt uns jetzt zugute. Überall dort, wo wir sagen, hier wollen wir schnell sein, hier wollen wir möglichst die Anfangsfehler vermeiden, setzen wir stark auf Partnerschaften. Auch unsere Rolle als Systemintegrator hilft uns hier, denn wir müssen schon lange Entwicklungen verschiedener Unternehmen zu einem System vereinen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie gehen als Systemintegrator in neue Themenfelder und suchen dann je nach dem nach passenden Startups?
Genau, sowohl im Produkt- als auch im Service-Umfeld. DigiLens etwa ist ein reines Startup-Unternehmen mit einer Technologie aus der Aeronautik. Die Überlegung dahinter war, Technologie aus der Luftfahrt Automobil-fähig zu machen. Das macht die nächsten Schritte leichter.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie findet man in so einer bewegten Zeit die richtigen Partner?
Wenn Sie sich tagein, tagaus mit dem Thema beschäftigen – und die Hälfte meiner externen Gespräche führe ich nicht mehr nur mit traditionellen OEMs, sondern mit Partnern, Zulieferern, Startups, mit industrieverwandten Firmen und dies eigentlich schon seit Jahren –, dann schaffen Sie es auch, die Perlen zu finden. Mit aktivem Zuhören kommen Sie da schon ein ganzes Stück weiter. Auch deshalb sind wir vor elf Jahren zum ersten Mal auf die CES gegangen: um zu lernen. Wenn Sie sukzessive, aber ständig am Thema dran sind, dann ist es nicht mehr so, dass Sie jeden Tag überrascht werden. Die Dynamik ist extrem hoch. Aber unseren Schwerpunkt Systemintegration wird es immer geben. Die Erweiterung vom Produkt in Richtung Service ergibt da einfach Sinn.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie lösen Sie das Thema der unterschiedlichen Ansprüche in den Weltregionen?
Gerade komme ich aus Indien wegen genau dieses Themas. Wird dort die Automatisierung das Thema der nächsten zwei, drei Jahre sein? Ich würde sagen: nein. Wird Indien aber der Markt sein, der mit Konnektivität stärker und schneller nach vorne pusht als der ein oder andere? Definitiv: ja. Und damit ist eines ganz wichtig und klar: In den einzelnen Märkten brauchen wir auf die Märkte angepasste Lösungen. Das heißt nicht, dass in jedem Land alles alleine entwickelt wird, denn große Technologien brauchen eine Plattform, auf der skaliert werden und auf der man Applikationen aufsetzen kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was heißt das für die Entwicklung?
Wir nennen das: „in the market, for the market“. Mit dem Thema Services kommen wir in eine sehr dynamische Situation. Es ist schon viel im Fluss, aber wenn man so will, ist noch nicht unbedingt alles im Flussbett. Wichtig ist es, zuzuhören, sich anzupassen und Veränderungen auf sich wirken zu lassen. Dann hat man schön die Möglichkeit, im neuen Zeitalter voll mitzumachen, was riesig Spaß bereitet.

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