Arndt Kirchhoff, CEO Kirchhoff Holding
(Bild: Kirchhoff Automotive)

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was verändert sich noch?
Die Arbeitszeiten werden anders werden. Ob ich nachmittags oder morgens meine Arbeit mache, spielt im Grunde genommen keine Rolle mehr. Die Arbeitszeiten werden sich entzerren. Am Fertigungsstandort sind viel mehr Mitarbeiter im Büro als in der Produktion. Die meisten Leute sind in der Steuerung, im Vertrieb, in der Projektierung oder in der Entwicklung tätig.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Deutschlands Produktion wird also intelligenten Robotern überlassen?
Es werden Maschinen ohne Bedienung eingesetzt und mit jeder neuen Maschine fallen ein paar Arbeitsplätze weg. Das ist die inkrementelle Auswirkung der Digitalisierung. Die findet jeden Tag statt. Aber es entstehen neue Jobs, die die Maschinen und Prozesse mit dem Tablet steuern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was ist Ihre persönliche Lehre aus der Zulieferer-Krise zwischen Volkswagen und Prevent?
Ich weiß  nicht, was zu der Krise geführt hat, aber ich halte das für sehr ungewöhnlich. Das Verständnis im VDA sieht so aus, dass alle Mitglieder die Verpflichtung sehen, gemeinsam Autos zu bauen. Zulieferer dürfen in keinem Fall dem Hersteller schaden. Wir haben Spielregeln bei uns im Verband, wo festgelegt ist, wie Einkauf und Verkauf miteinander umgehen oder wie das Vorgehen bei Qualitätsthemen ist. Das bedeutet nicht, dass dies immer spannungsfrei geschieht. Aber es gibt andere Möglichkeiten, sich einander anzunähern – bis hin zur Mediation.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Hinterfragen Sie als großer Zulieferer nun nicht auch Ihre eigenen Lieferanten?
Natürlich muss man diese von Zeit zu Zeit neu bewerten und ich denke, dass jetzt viele Zulieferer und OEMs ihre Lieferkette etwas genauer unter die Lupe nehmen. Aber das sollte eigentlich eine regelmäßige Routine sein. Für unsere Stähle oder das Aluminium, das wir einsetzen, haben wir oft auch nur eine Quelle oder ein Stahlwerk. Denn je spezieller das Material wird, desto weniger finden Sie es im Markt. Wenn wir das dem Kunden anbieten, haben wir das gleiche Risiko: Wenn das Stahlwerk nicht liefern könnte, müssten wir zumindest nochmals durch den Bemusterungsprozess. Am Ende wäre es nicht unmöglich, den Lieferanten zu wechseln, aber Sie hätten immer ein Zeitproblem.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wird der Zulieferer immer ein Dienstleister bleiben oder kommt der ein oder andere langsam auf Augenhöhe zu den OEMs?
Der Zulieferer bleibt Zulieferer. Wir müssen klar erkennen, wer ist hier der Kunde und wer ist der Lieferant. Wir sprechen lieber von einer Partnerschaft und darauf wird es ankommen. Der VDA hat dieses Partnerschaftsmodell sehr erfolgreich in die Welt hinausgetragen. Bei uns weiß der Hersteller, dass er den Zulieferer pflegen muss und der Zulieferer weiß natürlich, wie er den Wünschen des Herstellers am besten nachkommt. Das ist ein Mehrwert, der nicht durch einen Vertrag geschaffen wird, sondern über die Zeit und über gegenseitiges Verständnis. Die innovativen Produkte in den letzten Jahrzehnten beweisen, dass wir alle einen guten Job gemacht haben.

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