AUTOMOBIL PRODUKTION: VW-Chef Matthias Müller hat angekündigt, er möchte das Thema Zulieferer in die nächste VDA-Sitzung tragen. Was könnte er da ausrichten?
Natürlich werden wir das im Verband besprechen, ob es systemische Fehler gibt oder ob es Verhaltensfragen waren, die dazu führten, dass es nicht so reibungslos lief, wie es sollte. Wir haben auch immer wieder bei Naturkatastrophen gesehen, dass Lieferanten ausgefallen sind. Solche „Schwachstellen“ zu erkennen ist wichtig, denn am Ende schadet es allen, wenn Lieferunterbrechungen zu lange anhalten – schließlich sitzen wir alle im gleichen Boot.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der „Code of Conduct“ des VDA stammt aus dem Jahre 2001. Müsste der nicht überarbeitet werden?
Bisher hat er gut funktionert. Man sollte überprüfen, ob etwas missverständlich formuliert ist. Ich denke die Geschäftsstelle und Klaus Bräunig haben das schon im Visier.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das Auto Cluster Thüringen, in dem Kirchhoff ebenfalls Mitglied ist, fordert eine permanente Schiedsstelle für Streitigkeiten. Was ist Ihre Meinung?
Das halte ich nicht für zweckmäßig. Ich glaube, wir sind auch so in der Lage, Probleme in der Lieferbeziehung oder im Verband zu lösen. Klar, es gibt immer die Möglichkeit den Rechtsweg zu beschreiten, aber ich sehe keinen Anlass eine Schiedsstelle einzurichten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: So eine Schiedsstelle müsste doch ohnehin beim VDA angesiedelt sein, oder?
Ich meine nein. Aber es gibt in vielen Verträgen spezielle Schiedsgerichtsklauseln. Das hat den Vorteil, dass eine Entscheidung schneller herbeigeführt werden kann und nicht so viel Geld kostet, als wenn ich den regulären Gerichtsweg beschreite. Ein Zulieferer hat normalerweise gar nicht das Geld dafür. Der VDA könnte darüber nachdenken, ob man eine Schiedsgerichtsordnung einführt. Schiedsgerichte sind ja etwas Gutes.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Auf der IZB Mitte Oktober treffen Volkswagen und seine Zulieferer erstmalig wieder aufeinander. Was darf man erwarten?
Es wird wie immer eine Leistungsschau sein und für uns Zulieferer ist es natürlich auch immer eine Chance, VWs Einkäufer und Techniker zu treffen. Das ist eine gute Gelegenheit, neues Geschäft anzubahnen. Die Zulieferer haben ihrerseits auch das Interesse, dass VW möglichst schnell aus den Schlagzeilen kommt. Schließlich ist es der größte Autohersteller der Welt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die IZB ist eigentlich eine internationale Zulieferer-Messe. Kommen wirklich auch andere Einkäufer vorbei?
Klar, es ist eine VW-lastige Messe, aber es ist nicht so, dass gar keine anderen Kunden kommen. Wir hatten in den letzten Jahren auch Einkäufer von General Motors und von Ford auf dem Stand. Es ist also kein Closed Shop.

Arndt G. Kirchhoff Infokasten

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