Fahrzeugbauteile

Für Zulieferer normalisiert sich die wirtschaftliche Lage wohl erst im Jahr 2025 wieder. (Bild: Adobe Stock / Kovalenko I)

Automobilzulieferern stehen weiterhin harte Zeiten bevor, lautet die Kernaussage der Global Automotive Supplier Study 2022, für die Lazard und Roland Berger die Leistungsindikatoren von rund 600 Zulieferern analysiert haben. Zwar habe die durchschnittliche Gewinnmarge 2021 mit 5,3 Prozent wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht – doch der Krieg in der Ukraine, der Halbleitermangel sowie die steigenden Material- und Energiepreise hätten diese Erholung 2022 abrupt gestoppt. Der globale Umsatz der Zuliefererindustrie wird laut der Studie inflationsbereinigt in den nächsten zwölf Monaten erneut unter dem Niveau von 2019 liegen. Das anspruchsvolle Zinsumfeld erschwere zudem notwendige Investitionen in die technologische Zukunftsfähigkeit des Sektors, heißt es bei den Branchenanalysten.

Seit drei aufeinanderfolgenden Jahren hat die Automobilzuliefererindustrie nun mit einem geringeren Produktionsvolumen als vor der Pandemie zu kämpfen und es bestehen kaum Anzeichen für eine umfassende Trendwende. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist erst nach 2025 zu erwarten“, sagt Felix Mogge, Partner bei Roland Berger. Unterschiede würden sich freilich in den einzelnen Segmenten zeigen: Während Elektroniklieferanten und Aftermarket-fokussierte Zulieferer die durchschnittliche Rentabilität der Branche weit übertreffen konnten, sehen sich die meisten Anbieter traditioneller Komponenten in diesem Marktumfeld mit weiter sinkenden Gewinnspannen konfrontiert, so Mogge. Besonders kleine Zulieferer, die regional schlechter aufgestellt seien und denen es an breiter Produktdiversifizierung mangele, würden sich demnach wahrscheinlich am langsamsten erholen.

Refinanzierungsmöglichkeiten deutlich verteuert

Corona und die darauffolgenden Krisen haben den Beratern zufolge die Zulieferindustrie mit Blick auf das Umsatzwachstum um fünf Jahre auf den Stand von 2017/18 zurückgeworfen. Bereits seit 2019 entwickeln sich die Margen von OEMs und Zulieferern strukturell in gegensätzliche Richtungen. Vor allem Unternehmen aus den Bereichen Elektronik (9,4 Prozent durchschnittliche EBIT-Marge) und Aftermarket (10,5 Prozent) haben 2021 profitiert. Zulieferer von Außenkomponenten standen aufgrund von Standardisierung und steigenden Rohstoffkosten am stärksten unter Druck (4,3 Prozent). Mit Blick auf die Unternehmensgröße waren Mega-Zulieferer mit einem Umsatz von mehr als zehn Milliarden Euro mit einer EBIT-Marge von 5,9 Prozent im Jahr 2021 noch am profitabelsten. Kleinere Firmen mit unter 500 Millionen Euro Umsatz kommen nur auf niedrige Margen von durchschnittlich 2,8 Prozent.

Die Leitzinserhöhungen in Zeiten der Inflation werden die künftigen Refinanzierungsmöglichkeiten für Automobilzulieferer deutlich verteuern, konstatiert Christof Söndermann, Managing Director bei Lazard. "In Kombination mit dem schwankenden Produktionsvolumen und der potenziellen Herabstufung der eigenen Kreditwürdigkeit ist dies ein substanzielles Risiko für Zulieferer.“ Die Transformation der Automobilindustrie hin zum elektrischen und autonomen Fahren mit immer stärker digitalisierten Fahrzeugfunktionen und Mobilitätsangeboten führt auch bei den Zulieferern zu notwendigen Investitionen in neue Technologien. Umsatz- und Gewinnwachstum lässt sich den Studienautoren zufolge in den nächsten Jahren nur in Kombination mit neuen Technologien erzielen. Lag 2019 beispielsweise der Marktanteil von elektrischer Antriebstechnik an allen Komponenten nur bei vier Prozent, wird er bis 2030 auf 25 Prozent steigen.

Grafik zur Global Automotive Supplier Study 2022
Die durchschnittliche Gewinnmarge 2021 hat mit 5,3 Prozent wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht. Doch Krieg, Halbleitermangel und steigende Material- und Energiepreise haben diese Erholung 2022 abrupt gestoppt. (Bild: Roland Berger/Lazard)

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