Vita Wolf-Henning Scheider
Vita Wolf-Henning Scheider

AUTOMOBIL PRODUKTION: Alle reden vom Change Management, um die neuen Herausforderungen wie die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehende Veränderung in der Arbeitswelt zu bewältigen. Was bedeutet das im Falle ZF?
ZF hat ein „Dual Operating System“, das die unterschiedlichen Arbeitswelten mit ihren unterschiedlichen Geschwindigkeiten synchronisiert – hier das jahrzehntelang bewährte Industrie-Produktionssystem mit akkuraten Planungsprozessen und auf Null-Fehler-Qualität hin optimierter Produktion und Entwicklung, dort die digitale Arbeitswelt mit flachen Hierarchien, agilen Arbeitsweisen und dem Mut neue innovative Wege zu gehen. Beide Arbeitsweisen haben ihre Berechtigung und stehen nicht in Konkurrenz zueinander.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Angenommen, durch die Digitalisierung fallen Arbeitsplätze in der Produktion weg. Zwar entstehen neue, aber andere, die nicht jeder Mitarbeiter ausüben kann, weil ihm die Qualifikation oder auch die Ausbildung fehlt. Wie geht man bei ZF damit um oder sind Sie der Meinung, das ist Sache der Politik?
Ob durch Digitalisierung wirklich Arbeitsplätze wegfallen oder eher zusätzliche entstehen, werden wir erst in etlichen Jahren rückblickend sehen. Zweifellos aber verlangen die neuen Jobs nach neuen Qualifikationen. Darauf muss die Personalwirtschaft der Unternehmen reagieren – und bei ZF tut sie das auch, angefangen bei der Ausbildung, wo neben dem klassischen Zerspanungsmechaniker auch der Elektroniker für Automatisierungstechnik ausgebildet wird, bis hin zu umfassenden Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogrammen für die bestehende Belegschaft. Und auch den demografischen Wandel können wir nutzen, indem wir die geburtenstarken Jahrgänge, die nun in Rente gehen, mit Mitarbeitern ersetzen, die andere Qualifikationen mitbringen. Sie sehen, wir nehmen den Wandel gemeinsam mit unserer Belegschaft und deren Vertretung in die Hand.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Täuscht mich der Eindruck oder versuchen Politiker über Gesetze mehr und mehr Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen - Beispiel: WLTP-Prüfzyklus?
Dass die Politik solchen Einfluss nimmt, ist grundsätzlich in Ordnung, denn zum Beispiel Klimawandel, Energiewende und ein gestiegenes Umweltbewusstsein verlangen nach klaren Regeln. Diese sollten aber global vergleichbar oder idealerweise sogar einheitlich sein. Klimaschutzziele sollten immer technologieoffen formuliert sein – ob die Unternehmen zum Beispiel die geforderten Schadstoffgrenzwerte mit modernster Dieseltechnologie, mit Brennstoffzellentechnik oder – wie derzeit politisch präferiert – mit batterieelektrischen Antriebslösungen erreichen, sollte allein in deren Handlungsspielraum liegen. Der neue WLTP-Prüfzyklus ist eher ein Beispiel dafür, dass die Politik auf öffentlichen Druck reagiert. Realitätsnähere Testverfahren zur Ermittlung von Verbrauchs- und Schadstoffwerten sind sicher wünschenswert; die Einführungsfrist für den neuen Prüfzyklus ist aber sehr knapp bemessen und wird wohl zu Produktionsbeeinträchtigungen führen – in einer Phase, in der die Automobilindustrie Importzölle und Handelsembargos verdauen muss.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Glauben Sie, dass ZF im Jahr 2025 noch Hardware herstellt, oder werden Sie nur noch Angebote mit den Stichworten Smart Mobility, KI oder AR anbieten?
Wir werden das eine tun, ohne das andere zu lassen. Die neuen Angebote werden stark zunehmen. Aber ohne Achsen, Lenkungen und Bremsen wird auch ein elektrisch angetriebenes und autonomes Fahrzeug nicht unterwegs sein können. In diesen Komponenten, die wir zu kompletten Systemen verbinden, wird weiterhin eine hohe Wertschöpfung stecken. Unser breites Portfolio zeichnet ZF aus und macht uns im Markt einzigartig, denn mit Elektronik versehen und gut vernetzt sind diese Produkte künftig noch attraktiver für unsere Kunden.

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