Smart_Winkler_Abgang

Amart-Chefin Annette Winkler tritt nach acht Jahren ab, ihren Lieblings-Smart, den For Jeremy (links) mit dem sie auch privat in Stuttgart und Umgebung herum kurvt, nimmt sie mit. Bild: Smart

| von Stefan Grundhoff

Wer Annette Winkler kennt, weiß, dass sie mehr Energie hat als ein Duracell-Häschen und ihr Menschen - bei aller Professionalität - weit mehr bedeuten als Autos. Sie mag Autos, doch sie liebt ihre kleine Marke Smart – trotz aller Schwächen, die das ehemalige Swatch-Auto bis heute mit sich herumschleppt.

Als Daimler vor ein paar Tagen verkündete, dass das Smart-Werk im französischen Hambach zukünftig nicht nur den Smart Fortwo, sondern ab 2020/2021 auch das Einstiegsmodell der neuen Mercedes-Elektromarke EQ produzieren würde, war zu befürchten, dass Annette Winkler sich zufrieden in den Ruhestand verabschieden würde. Sie hatte sich die letzten Jahre mehr denn je dafür ins Zeug gelegt, das Werk und insbesondere die Arbeitsplätze in Hambach zu sichern. Mit der Produktion des Smart Fortwo allein hätte das mittelfristig schwierig werden dürfen. Mit dem neuen Modell von EQ, einer elektrischen Variante der Mercedes A-Klasse, ist Hambach auf Jahre gesichert und hat sogar weitere Ausbauchancen.

Zudem könnte der Zeitpunkt für Annette Winkler rein persönlich besser nicht sein. Sie wird bald 59 Jahre alt und bei 60 ist für die Daimler-Oberen zumindest offiziell Schluss mit beruflichen Alltag. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird bei Smart nicht viel passieren und die Verkaufszahlen dürften weiter fallen. Nachdem mittlerweile feststeht, dass der kleine Bruder von Mercedes in den nächsten Jahren komplett zur Elektromarke wird, bot sich jetzt, da die Zukunft des Werks Hambach gesichert ist,  ein Rückzug für die umtriebige Managerin an. 

Als Annette Winkler die Marke Smart als Chefin übernahm, war sie die erste Marken-CEO bei Daimler. Und sie übernahm die Kleinwagenmarke von Vorgänger Ulrich Walker als es düsterer denn je aussah. Seit dem Marktstart in der zweiten Hälfte der 90er Jahre hatte Smart milliardenschwere Verluste eingefahren. Und jetzt fehlten neue Produkte. Doch Annette Winkler machte gute Miene zum schlechten Spiel und trommelte weltweit lauter denn je und mit gigantischer Energie für ihre totgesagte Marke, bis nach Jahren die längst überfälligen neuen Produkte zu den Händlern rollten und insbesondere China endlich auf dem Smart-Geschmack kam.

Dabei kam die Managerin oft daher wie der größte Fan der eigenen Marke, was sich auch in ihrer persönlichen Auto-Vorliebe wiederspiegelt: Das Lieblingsauto von Annette Winkler war abseits der Pflicht-S-Klasse der strahlend weiße Smart Fortwo  For Jeremy mit weißen Flügeln an der B-Säule, mit dem sie nicht nur quer durch Stuttgart zuckelte. Jetzt hat die frankophile Vorruheständlerin endlich auch Zeit für ein weiteres Lieblingsstück aus ihrem Fuhrpark: eine historische Mercedes G-Klasse.

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