Bosch-Chef Volkmar Denner

Bosch-Chef Volkmar Denner: "Unser Umfeld verändert sich derzeit nicht nur technisch und geschäftlich, sondern mehr denn je auch politisch." Bild: Bosch

Bosch-Chef Volkmar Denner bezieht gleich zu Beginn der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Stellung: "Unser Umfeld verändert sich derzeit nicht nur technisch und geschäftlich, sondern mehr denn je auch politisch – ich könnte auch sagen: populistisch. Bosch ist international aus Überzeugung, wir wollen eine Welt und vor allem ein Europa ohne Nationalismus", sagte der CEO, der Mitarbeiter aus über 150 Ländern beschäftigt. Und genauso wie für eine grenzenlose Welt, stehe man beim Technologiekonzern auch für eine "Umwelt- und Ressourcenschonung aus Überzeugung".

"Paradox" erscheine es ihm daher, dass Bürgermeister von Mexiko-City, Paris, Athen und Madrid ausgerechnet auf einer Klimaschutz-Konferenz Diesel-Fahrverbote ankündigen. "Ein Diesel-Fahrverbot wäre ein Kurzschluss, der ökologische wie ökonomische Tatsachen verdrängt", erklärt Denner, "schädlich für Arbeitsplätze und Handel, schädlich aber auch für den Klimaschutz." Es sei das gute Recht der Politik, Emissionen zu verschärfen, doch der Bosch-CEO stellt klar, dass sie es "so techntechnologieoffen wie bisher" tun sollte – ohne dabei den Diesel zu bevorzugen oder zu verteufeln. Wenn es um das Thema Luftreinhaltung geht, verfolgt Bosch das Ziel der gesamten Autoindustrie: den Verbrennungsmotor so umweltschonend, den Elektroantrieb so kostengünstig wie möglich machen.

Dabei betont Denner noch einmal eindringlich: "Die Kreativität unserer Ingenieure darf jedoch nicht politisch auf einen Pfad beschränkt werden – denn es ist diese Kreativität, die Fahrverbote technisch überflüssig machen könnte." 

Um die Stickoxid-Emissionen des Diesels im realen Straßenverkehr weiter zu senken, arbeitet Bosch an nahezu 300 Real Driving Emissions- (RDE-)Projekten und beim Thema Feinstaub plant der Konzern künftig die Einführung eines Partikelfilters für den Ottomotor. "Mit einem auf 350 bar gesteigerten Einspritzdruck beim Benzindirekteinspritzer wird dann auch beim Benzinmotor das Partikelproblem gelöst", sagt Denner. Mit dem neuen Geschäftsbereich "Powertrain Solutions" ist Bosch in mehr als 30 Projekten für Elektromobilität bereits in Serie gegangen und konnte 2016 in China elf Aufträge für sich gewinnen.

Zeitsparen beim Parken sorgt für bessere Luft

Bosch schlägt auch außerhalb der Motorhaube Wege zur Luftreinhaltung ein. So verfolgt der Konzern die Theorie, dass durch das schnellere Finden eines Parkplatzes das Verkehrsaufkommen gemindert werden kann. Mit einer neuen App, mit der man Fahrten mit verschiedenen Verkehrsträgern plant, bucht und bezahlt, soll sich der tägliche Parksuchverkehr in Städten um 20 Prozent reduziert lassen. "Dazu haben wir eine Reihe von Lösungen für das vernetzte Parken entwickelt – zum Beispiel Autos, die im Vorbeifahren Parklücken erkennen und via Internet in eine Echtzeit-Parkkarte übermitteln." Das Projekt soll schon im nächsten Jahr starten.

Um das automatisierte Fahren voranzutreiben, ging Bosch in den letzten Wochen zwei strategische Schritte. Die Kooperation mit Daimler soll dazu dienen, automatisierte Autos in die Städte zu bringen. Mit Nvidia soll ein „KI Autocomputer“ entstehen, der zum Gehirn des autonomen Autos wird. Desweiteren arbeitet Bosch mit TomTom sowie den chinesischen Anbietern AutoNavi, Baidu und NavInfo zusammen, um eine hochgenaue digitale Karte auf den Weg zu bringen, die auch die Signale der Bosch-Radarsensoren beinhaltet.

Eine Schlüsselkompetenz sieht Bosch in der Vernetzung des Fahrens. "Denn sie unterstützt nicht nur das elektrifizierte und automatisierte Autofahren, sie ermöglicht auch internetbasierte Services für jeden, der unterwegs ist." Der Markt für vernetzte Mobilität, so Denner, wächst bis Anfang der nächsten Dekade um jährlich fast 25 Prozent, weltweit werden 2020 voraussichtlich 250 Millionen Fahrzeuge Teil des Internets sein. "Dazu werden wir im nächsten Jahr die Bosch Automotive Cloud Suite starten, eine Software-Plattform, die sich als technisches Herzstück der vernetzten Mobilität verstehen lässt."