Carlos Ghosn breit

Spott für die Allianz-Kritiker von gestern: Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn. Bild: Renault

Bei der Rede vor der Vereinigung arabischer Banken in New York verschwieg Ghosn allerdings auch nicht, dass es zum Zeitpunkt, als die Allianz im Jahr 1999 geschlossen wurde, durchaus Anlass zur Skepsis gab, wie das mit Nissan und Renault funktionieren solle. Der damals in seinen Strukturen extrem verschlossene japanische Hersteller stand an der Schwelle zum Konkurs, Renault selbst war bis dato im wesentlichen durch gescheiterte Beziehungen zu anderen Herstellern aufgefallen. Kein Wunder, dass in der Branche die Meinung vorherrschte, dass das nichts werden würde, so Carlos Ghosn vor den Bankern. Und dann erinnerte er an die Worte des ebenfalls nicht um deftige Aussprüche verlegenen Bob Lutz, der damals an der Spitze von GM stand. Lutz hatte Renault empfohlen, die fünf Milliarden, die für den Einstieg bei Nissan aufgebracht werden mussten, auf einen Lastkahn zu laden und im Pazifik zu versenken. Dadurch, so Lutz, würde Renault viel Geld sparen.

Als zweites Beispiel holte Ghosn das Zitat eines deutschen Autochefs hervor, der mit Blick auf die Allianz bemerkt hatte, dass man aus “zwei Eseln kein Rennpferd machen kann”.

Glücklicherweise habe man auf die Kritik nicht viel gegeben. Resultat: Renault-Nissan ist die am längsten bestehende Allianz zwischen zwei globalen Autoherstellern. Ghosn zeigte sich überzeugt, dass die besten Jahre noch bevor stehen. In diesem Jahr steuert der Konzern auf globalem Wachstumskurs, Zugpferd dabei ist Nissan. Der große Verdienst von Ghosn selbst war es dabei, die kulturellen Unterschiede zwischen Japanern und Franzosen souverän überwunden zu haben. Aber dazu hatte der in Brasilien geborene Franzose libanesischer Herkunft ja auch ideale persönliche Voraussetzungen.

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Frank Volk