Norbert Reithofer

BMW-Chef Norbert Reithofer gehört zu den wenigen Dax-Vorständen, die es auch mit sozialen Netzwerken halten. - Bild: BMW

Obwohl die Unternehmen immer höhere Summen ausgeben, um sich in Netzwerken wie Facebook und Twitter zu präsentieren, sind bislang lediglich 24 der 182 Dax-Vorstände in sozialen Netzwerken aktiv – dies berichtet die “Wirtschaftswoche” unter Berufung auf eine exklusive Studie der Düsseldorfer Agentur Deutsche Markenarbeit.

Lediglich BMW-Chef Norbert Reithofer ist demnach in drei Netzwerken zu finden: bei Facebook, Twitter und LinkedIn. Zwar bringt er es nur auf wenige Kontakte – bei Facebook hat Reithofer gerade mal 65 Fans, bei Twitter 36 Follower und bei LinkedIn noch keine einzige Kontaktperson – doch er wagt sich immerhin so weit in die Social-Media-Welt hinaus, heißt es in dem Bericht. Telekom-Vorstand Reinhard Clemens sei auf zwei Plattformen vertreten, weitere 22 Vorstände in einem der Netzwerke. Der Rest der Firmenlenker und Manager hüllt sich in vornehmes digitales Schweigen.

Widersinnig genug: „Sämtliche Dax30-Konzerne erhöhen derzeit ihre Social-Media-Etats – und die Vorstände selbst verstehen nicht, dass sie und kein anderer das Gesicht des Unternehmens ist”, findet Markenarbeit-Gründer Frank Dopheide.

Social Media tickt anderes als klassische Öffentlichkeitsarbeit

Warum die deutsche Dax-Vorstände nicht auf Twitter, Facebook & Co. einsteigen, um dort ihrem Unternehmen zu dienen und selbst an ihrem eigenen Image mitzufeilen? “Immerhin kennen sie alle gute Gründe, warum ihre Company in der Social-Media-Welt vertreten sein soll”, merkt Frank Dopheide an. Zum Beispiel weil die Unternehmen ihre Mitarbeiter hierüber schneller erreichen können, weil sie mehr Kundennähe gewinnen, schneller selbst und direkt die Öffentlichkeit informieren können als die Presse.

“Die Unternehmenslenker sind so publizitätsscheu, weil die Dressur jahrelanger Unternehmensberatung sie dazu gemacht hat”, glaubt Dopheide. Den Vorständen wurde jahrelang geraten, dass sie sich von der öffentlichen Bühne zurückziehen und aus dem Hintergrund führen sollten. Zum Schutz der Unternehmensmarke. Denn dann war es auch weniger riskant für die Unternehmen, wenn die Vorstände wechselten, hieß es.

Facebook Reithofer

Vorbild Norbert Reithofer: Immerhin 65 Usern gefällt seine Seite - und ab und an scheint es auch ihm zu gefallen. - Bild: Screenshot Facebook

Social Media birgt viele Gefahren

So schön Selbstdarstellung und Öffentlichkeitsarbeit auch sein kann, in den sozialen Netzwerken kann so etwas schnell zum unangenehmen Bumerang werden, wenn man die Klaviatur nicht spielen kann. Statements sind in Minuten geschrieben, die „Enter“-Taste schnell gedrückt. Was einmal gepostet wird, macht in Sekunden die Runde durch die Netze dieser Welt. Und läßt sich nicht mehr zurücknehmen.

Soziale Netzwerke wollen laufend bedient werden – wie eine gut funktionierende Maschine, die ständig wohldosiert geölt werden will. Es reicht nicht aus, sich ab und an zu melden und „Hallo…“ zu sagen. Die User sind verwöhnt, sie wollen Informationen, sie wollen teilhaben.

Wer die Klaviatur des Social Media beherrscht, der kann eine Menge erreichen. Für sich, sein Unternehmen und vor allem auch für die User da draußen in der Netzwelt.

Marc Zuckerberg von Facebook hat wie seine Kollegen bei Google, Microsort oder Dell verstanden, dass der Kopf eines Unternehmens der schnellste, wirkungsvollste und günstigste Weg ist die Unternehmensmarke zu profilieren. Sie verstehen sich als Manager und Markenartikel des Unternehmens. Die deutschen Manager haben da noch erheblichen Nachholbedarf, wollen sie den Anschluß nicht verlieren.

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wiwo/dpa/Guido Kruschke