Rupert Stadler Audi Q3

Rupert Stadler: "Strategisch gesehen wird sich die Marke Audi auch künftig im oberen Premiumbereich positionieren." - Bild: APR

AUTOMOBIL PRODUKTION: Audi ist derzeit der Renditesieger unter den drei Premiummarken – und zwar mit 10,6 Prozent. Sind Sie damit zufrieden und wo geht es hin?

Rupert Stadler: Ich bin mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. Vor allem freut mich, dass wir ausgesprochen gut durch die schwierige Phase unmittelbar nach der Weltfinanzkrise gekommen sind und damit Stabilität und Stärke bewiesen haben. Und das genau ist unser Ziel und unsere unternehmerische Aufgabe: wir wollen keine Strohfeuer abbrennen, sondern wir streben eine nachhaltig profitable Entwicklung an.

Unser Zielkorridor liegt bei einer Umsatzrendite von langfristig acht bis zehn Prozent. Wir haben zur Zeit eine besonders gute Phase und eine hohe Nachfrage. Und deshalb liegen wir im Moment am oberen Rand der Ziellinie. Aber wir wollen auch künftig überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.

Rupert Stadler Audi

Rupert Stadler: "Unser Ziel ist, auch künftig alle unsere Investitionen aus dem operativen Cash Flow zu tätigen, zum Beispiel für die Elektromobilität." - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Behalten Sie bis Jahresende die Nase vorne?

Rupert Stadler: Ich bin zuversichtlich, aber wir sind in einem Langstreckenrennen. Unser Ziel ist, auch künftig alle unsere Investitionen aus dem operativen Cash Flow zu tätigen, zum Beispiel für die Elektromobilität.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie sagen, Sie haben auf den neuen Q3 schon gewartet. Jetzt ist er da. Auf welche Modelle warten Sie jetzt noch?

Rupert Stadler: Unser Team hat noch viele interessante Ideen. Nur ein Beispiel: Wir haben in der Q-Familie nun drei Modelle, da muss noch nicht Schluss sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wer kommt dann schneller: der Q4 oder der Q1?

Rupert Stadler: Über Modellbezeichnungen reden wir noch nicht. Aber wir haben in unserem Portfolio sicher noch Platz. Lassen Sie sich überraschen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Welches Fahrzeug ist strategisch wichtiger? Der kleine Q1 für höhere Stückzahlen aber weniger Rendite oder der größere Q4 mit kleinerer Stückzahl, dafür attraktiverer Marge?

Rupert Stadler: Strategisch gesehen wird sich die Marke Audi auch künftig im oberen Premiumbereich positionieren. Wir werden vor allem beobachten, wie sich die Bedürfnisse der Menschen in Metropolen entwickeln.

Dafür haben wir den A1 und machen mit dem Q3 ein weiteres Angebot. Die Mobilitätsbedürfnisse entwickeln sich weiter und dafür werden wir unseren Kunden die richtigen Autos und Serviceleistungen anbieten.

Rupert Stadler Audi

Rupert Stadler: "Wir haben für die USA ambitionierte Wachstumspläne." - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wenn die Q-Familie so wichtig für Audi ist, dann ist es doch sicherlich auch wichtig, dass Sie bald entscheiden, ob Sie in den USA ein eigenes Produktionswerk errichten. Warum sagen Sie, dass es noch ein Jahr dauert, bis Sie das entscheiden und welche Faktoren werden ausschlaggebend sein?

Rupert Stadler: Wir sind keine Marktschreier. Unsere Entscheidung bereiten wir gut vor und klären dazu wichtige Details. Fest steht: wir haben für die USA ambitionierte Wachstumspläne. Wir sind inzwischen bei über 100.000 Einheiten pro Jahr angekommen und verzeichnen im Verlauf dieses Jahres weiter zweistellige Wachstumsraten. Der Handel in den USA hätte gerne noch mehr Autos, und wir sind in unseren Werken zum Teil an der Kapazitätsgrenze. Die Richtung stimmt also, und deshalb ist es für mich nur noch eine Frage der Zeit, bis die Entscheidung fällt. Dabei ist aber auch zu klären, wie eine solche Produktion in den schon bestehenden Verbund der Audi-Werke eingepasst werden kann.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Der Q3 wird in Martorell gebaut. Hat dort noch ein weiteres Modell der Q-Familie Platz?

Rupert Stadler: Nein. In Martorell haben wir Kapazität für rund 100.000 Einheiten. Und das innerhalb des Konzerns zu sehr attraktiven Bedingungen, da die Grundlagen-Investitionen schon vorbereitet waren. Insofern war das eine win-win-Situation für beide Partner.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Die 100.000 Einheiten gehören allein Audi oder müssen Sie diese später mit einem Seat-Derivat oder womöglich Porsche teilen?

Rupert Stadler: Die Kapazität gehört alleine uns.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wenn sich Seat und Porsche zu einem Q3-Schwester-Modell entscheiden, käme das also „on top“ zu den 100.000 Einheiten?

Rupert Stadler: Das ist eine spekulative Annahme, die ich nicht kommentiere.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Haben Sie sich das Werk angesehen?

Rupert Stadler: Klar, ich bin regelmäßig dort.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie bewerten Sie das Qualitätsniveau?

Rupert Stadler: Auch bezüglich Qualität, Lack, der Montage und bezüglich der gesamten Anlagentechnik sind wir in Martorell völlig auf Audi-Standard.

Audi Q3 Fertigung Martorell

Rupert Stadler: "In Martorell haben wir Kapazität für rund 100.000 Einheiten. Und das innerhalb des Konzerns zu sehr attraktiven Bedingungen, da die Grundlagen-Investitionen schon vorbereitet waren." - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und waren die Probleme, die sie dort vorgefunden haben, ähnlich gelagert wie im VW-Werk in Brüssel?

Rupert Stadler: Wir wissen, was wir tun. Der Qualitätsanspruch, den wir an unsere Produkte stellen, ist sonnenklar und gilt für alle Produktions-Standorte. Und da gibt es auch keine Abstriche. Ein Audi ist immer ein Audi, egal wo das Auto produziert wird.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie bauen noch ein Werk aus – Györ. Dort sollen 125.000 Fahrzeuge produziert werden ab 2013. Angeblich wird es der A3 Stufenheck. Bauen Sie Györ vom Motorenwerk zum Vollwerk aus?

Rupert Stadler: Das Werk in Györ entwickeln wir gerade über die Motorenfertigung hinaus zu einem vollwertigen Montagewerk. Dort werden schon seit Jahren der TT und das A3 Cabrio montiert. Aus dieser Keimzelle heraus können wir Györ jetzt sehr gut erweitern.

Rupert Stadler Audi

Rupert Stadler: "Es gilt der Grundsatz, dass jede Marke im Konzern für Ihre Modellplanung verantwortlich ist." - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Müssen Sie sich bezüglich dem Ausbau der Q-Familie eigentlich mit den Porsche-Kollegen absprechen?

Rupert Stadler: Es gilt der Grundsatz, dass jede Marke für Ihre Modellplanung verantwortlich ist. Weil wenn Porsche den Cajun entwickelt und das ist doch ein Q5….

Wir haben im VW Konzern klare Zuständigkeiten der einzelnen Marken: Die Marke Audi hat etwa die Entwicklungshoheit für den modularen Längsbaukasten und für große SUVs. Der modulare Standard-Baukasten, den Porsche künftig verantwortet, ist in der Hauptsache für heckgetriebene Autos gedacht. Aber selbstverständlich arbeiten wir bei allen gemeinsamen Projekten eng mit den Kollegen aus Zuffenhausen zusammen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Also sprechen Sie sich mit Porsche ab?

Rupert Stadler: Ja klar. Ziel ist es ja, dass die Produkte so positioniert sind, dass sie klar unterscheidbar bleiben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Das wirkt sich – um unseren Ausgangspunkt aufzugreifen – sicherlich positiv auf Ihre Rendite aus, wenn noch eine Marke für Entwicklungskosten aufkommt und das Einkaufsvolumen vergrößert. Inwieweit hilft Ihnen Porsche bei Ihren Renditezielen?

Rupert Stadler: Die Modulstrategie im Volkswagen-Konzern ist für alle Seiten ein Gewinn, das ist keine Einbahnstraße.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Können Sie das in Prozentzahlen kleiden?

Rupert Stadler: Könnte man schon, aber solche Zahlen diskutieren wir nicht öffentlich.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Dürfen Sie dafür nun mehr Investments tätigen?

Rupert Stadler: Wir gewinnen natürlich an Handlungsspielraum.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Audi hat eine sehr komfortable Lage im VW-Konzern, oder?

Rupert Stadler: Komfortabel ist eine Lage nie, das würde ja bedeuten, man könnte verschnaufen und sich zurücklehnen. Sie müssen sich aber immer im Wettbewerb messen. Es geht ja darum, Kostenvorteile dem Kunden durch eine noch bessere Ausstattung und dem bestmöglichen Produktwert weiterzugeben. Deshalb haben wir zum Beispiel die hochwertigsten Innenräume im direkten Vergleich mit unseren Wettbewerbern.

Rupert Stadler Audi

Rupert Stadler: "Die Integration von Porsche nützt allen Marken im Volkswagen-Konzern." - Bild: Audi

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie haben doch immer zwei Baustellen – Sie müssen Audi sozusagen nach außen verkaufen, aber auch immer nach innen in den Konzern. Und da ist Ihre Situation doch durch Porsche nicht nur schlechter geworden, sondern zum Teil auch besser…

Rupert Stadler: Die Integration von Porsche nützt allen Marken im Volkswagen-Konzern.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ist es denkbar, dass Sie mit einem der Q-Produkte zu Porsche in die Produktion gehen?

Rupert Stadler: Im Moment steht diese Frage nicht auf der Tagesordnung.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie steht es in punkto Elektrik/Elektronik mit der Kooperation mit Porsche?

Rupert Stadler: Die Elektronik ist ein sehr geeignetes Feld zu kooperieren. Hinter einer markenspezifischen Oberfläche können ja durchaus die gleichen Prozessoren arbeiten, um es mal auf dieses einfache Bild zu reduzieren. Wichtig ist, dass alles was der Kunde sieht, fühlt und hört unverwechselbar spezifisch für die jeweilige Marke ist.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Aber das klingt ja fast schon wie ein eigenes Geschäftsmodell für Audi – der Verkauf innerhalb des Konzerns…

Rupert Stadler: Die Verantwortlichkeiten sind im Konzern sauber aufgeteilt, so dass jeder etwas anbietet und viele etwas nachfragen. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil.

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Das Interview führte Bettina Mayer