Erfahrener Entwickler: Dr. Wolfgang Ziebart, Technikvorstand von Jaguar Land Rover, hat keine Angst

Erfahrener Entwickler: Dr. Wolfgang Ziebart, Technikvorstand von Jaguar Land Rover, hat keine Angst vor den Premium-Riesen. Bild: JLR

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wo stehen Sie im Wettbewerbsvergleich?
Wir sehen uns in einer Führungsposition bei allen Themen, die mit Allrad und Off-Road zu tun haben, insbesondere bei der Anwendung von Elektronik zur Verbesserung der Off-Road-Eigenschaften. In anderen Bereichen haben wir aufgrund der Vergangenheit Defizite, die wir aus meiner Sicht relativ zügig beseitigen können, wie das Beispiel Infotainment mit der neuen InControl Technologie beweist. Auch der Motor, den wir gerade vorgestellt haben, wird das effizienteste Aggregat im Markt sein.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Stehen Ihnen als „kleiner“ Hersteller die Mittel zur Verfügung, um die „Riesen“ zu schlagen?
Ich kann mich nicht erinnern, dass in dem einen Jahr, in dem ich jetzt bei Jaguar bin, es irgendeine sinnvolle Sache gegeben hat, die wir aus finanziellen Restriktionen nicht gemacht hätten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie ist Ihre Zielsetzung bei der Baukasten-Strategie?
Grundsätzlich sind für uns Baukasten-Prinzipien aufgrund unserer kleineren Volumina noch wichtiger als für jeden anderen. Und auch hier sind wir schon sehr weit. Insofern hat das Unternehmen eine gute Historie. Lange, bevor andere von Baukasten-Systemen und Plattformen gesprochen haben, hatte – teilweise getrieben aus finanziellen Engpass-Situationen heraus – das Thema Baukasten und Gleichteileverwendung schon immer einen sehr, sehr hohen Stellenwert bei JLR.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie setzen Sie Baukästen ein?
Wir bauen im Moment auf drei verschiedenen Plattformen. Die eine ist die Plattform auf der die großen SUVs aufbauen, d. h., das ist der Range Rover, der Range Rover Sport sowie weitere Varianten, die dazu kommen werden. Die zweite ist die Limousinen-Plattform. Der Jaguar XE wird das erste Fahrzeug sein, das auf dieser Plattform aufbaut. Dann werden weitere Fahrzeuge folgen. Und dann haben wir eine stahlorientierte Plattform. Das ist die, auf der Freelander und Evoque aufsetzen. Nur der Defender ist eine „Sondergeschichte“ und endet ja bekanntlich im nächsten Jahr.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie definieren Sie denn Baukasten?
Wir sehen ihn nicht unbedingt als Plattform im klassischen Sinne. Früher hat man beim Autobau den Rahmen gebaut mit dem Motor vorne dran. Ein anderer hat dann die Karosserie obendrauf gemacht. Wir verstehen das als einen Komponenten-Baukasten.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mit dem Evoque haben Sie eine neue Zielgruppe erobert. Sind Sie dabei, wiederum eine neue Zielgruppe zu erschließen?
Ja, mit dem XE werden wir das tun. Mit dem XE gehen wir ja in den Bereich der heute mit C-Klasse, A4, BMW 3er besetzt ist. Und der ist natürlich viel, viel größer als der, den wir bisher abgedeckt haben. Bislang ging ja insbesondere bei Jaguar eigentlich unsere Marktabdeckung erst bei der E-Klasse/5-er Reihe los. Das ist ein viel kleinerer Markt.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ein noch kompakteres Auto denken Sie nicht an?
Also da kann ich nichts Konkretes dazu sagen. Jede Aussage dazu ist spekulativ.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Ihr Partner Chery soll ein Luxusauto planen …
Das höre ich jetzt zum allerersten Mal.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Was bauen Sie denn in China für China?
Die gemeinsame Fabrik mit Chery.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und was bauen Sie in einem rasant wachsenden Geländewagenmarkt?
Range Rover, Range Rover Sport, Discovery und Defender.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und wie wäre eine lange, große Limousine?
Ein langer XF? Das kann ich klar verneinen. Der XF wird ja ersetzt durch einen Nachfolger in nächster Zeit.

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Das Interview führte Bettina Mayer