Bernie Ecclestone breit

Das Landgericht München hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen Formel-1-Chef Ecclestone wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue zugelassen. - Bild: dpa

Das Landgericht München hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den 83-jährigen Briten wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue zugelassen. Der 16. Januar 2014 droht damit für Ecclestone und die Formel 1 zu einem denkwürdigen Datum zu werden, auch wenn seine Verteidiger die Bestechungsvorwürfe erneut umgehend zurückwiesen.

Die Zulassung der Anklage sei kein Befund in der Sache selbst, teilten die Anwälte Sven Thomas und Norbert Scharf mit. “Es verbleibt dabei: Die behauptete Bestechung gab es nicht.” Die Vorwürfe seien unzutreffend und ergäben kein schlüssiges Bild. Ihr weltbekannter Mandant muss in dem Strafprozess, der voraussichtlich Ende April beginnen wird, als Angeklagter auch persönlich erscheinen. Mehrfach hatte er schon seine Kooperation signalisiert.

Ende offen im Falle einer Verurteilung

Was im Falle einer Verurteilung mit der Formel 1 passieren würde, ist offen. Ein potenzieller Nachfolger für Ecclestone, der Ende der 70er Jahre die Vermarktungs- und TV-Rechte gekauft hatte, steht nicht fest. Einige Rennställe reagierten zunächst mit der erwarteten Zurückhaltung. Eine Sprecherin von Ferrari sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass die Scuderia zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben werde. Das Williams-Team wird nach eigenen Angaben zu diesem Sachverhalt ebenfalls keinen Kommentar veröffentlichen. Auch Lotus mochte sich dazu nicht äußern.

Es wird in dem Prozess vor dem Landgericht München um den Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB im Jahr 2006 gehen. Damals kassierte Ecclestone von dem zuständigen Bankvorstand Gerhard Gribkowsky 66 Millionen Dollar Provision. Dem deutschen Banker soll der britische Formel-1-Boss dann wiederum 44 Millionen Dollar heimlich zurückgegeben haben, damit dieser den Verkauf der Formel 1 in seinem Sinne regelte. 2012 war Gribkowsky vom Münchner Landgericht zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Bei der Urteilsverkündung gegen Gribkowsky hatte der Vorsitzende Richter Peter Noll gesagt, Ecclestone habe den Banker “ins Verbrechen geführt”. Auch die Entscheidung über die Anklage gegen Ecclestone lag bei Nolls Kammer. Ecclestone selbst hat die Bestechungsvorwürfe stets bestritten. Er versicherte immer wieder, “nichts Illegales” getan zu haben.

Ecclestone fühlte sich von Gribkowsky “unter Druck gesetzt”

In einem Zivilprozess in London, in dem sich Ecclestone bereits seit Ende Oktober vergangenen Jahres verantworten muss, hatte er die Zahlungen an Gribkowsky zugegeben, wie früher aber darauf beharrt, dass dieser ihn unter Druck gesetzt habe. “Ich habe Dr. Gribkowsky bezahlt, weil er sagte, er würde mich mit Blick auf Steuerregelungen unserer Familien-Stiftung erpressen … was sehr teuer geworden wäre”, sagte Ecclestone. Er sagte dort aber auch aus, dass er Gribkowsky zehn Millionen Pfund gezahlt habe. Eine andere Version der Dinge stritt er ab. In dem Prozess in Ecclestones Heimat – sein Büro liegt unmittelbar am Hyde Park – geht es um eine Klage der Constantin Medien AG auf die Zahlung von 171 Millionen US-Dollar (rund 124 Millionen Euro) Entschädigung.

Die Medien AG ist der Meinung, dass Ecclestone das Aktienpaket an die Investmentgesellschaft CVC zu billig verkauft habe. Auch die BayernLB hatte Mitte Dezember bestätigt, Schadenersatz von Ecclestone wegen der damaligen Vorgänge einzuklagen – die Summe: 400 Millionen. Ecclestone war nach dem Verkauf der Formel 1 an CVC von dem Investmentunternehmen weiter als Geschäftsführer der Motorsport-Königsklasse eingesetzt worden.

Und in dieser Position hat sich der schon als kleiner Bub geschäftstüchtige Brite (“Ich habe schon früh mit allem gedealt und gehandelt, was mir nur in die Finger kam”) praktisch unabkömmlich gemacht. Ecclestone handelt mit den Streckenbetreibern die zig-millionenschweren Verträge aus. Jüngst soll er sogar ein Kaufangebot für den Nürburgring abgegeben haben.

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dpa/Guido Kruschke