Sergio Marchionne

Eigentlich wollte Fiat-Chef Sergio Marchionne nur bis 2015 an der Spitze des italienischen Autobauers stehen. Doch ein Puzzleteil fehlt noch in seiner Karriere. - Bild: Chrysler

Fiat-Chef Sergio Marchionne wird die Geschicke des Autobauers Fiat länger leiten als gedacht. Der 61-jährige Manager werde noch “viele Jahre” die Geschäfte führen.

Das sagte Fiat-Verwaltungsratsvorsitzender John Elkann. Er habe mit Marchionne gesprochen und nun überzeugt, dass der Manager angesichts der anstehenden Aufgaben Fiat noch lange treu bleiben werde – auch über 2015 hinaus, sagte Elkann auf der Hauptversammlung der Holding Exor, in der die Agnelli-Familie ihren 30-prozentigen Anteil an dem Autobauer gebündelt hat.

Eigentlich hatte der Fiat-Chef angekündigt, nur bis 2015 an der Spitze des italienischen Konzerns zu stehen. Neben Fiat führt Marchionne auch die Geschäfte des drittgrößten amerikanischen Autobauers Chrysler, den die Italiener bei Ausklingen der Finanzkrise übernommen hatten. Auch Chrysler dürfte Marchionne nun länger führen als bis 2015.

Chyrsler-Übernahme als wichtigster Schritt in Marchionnes Karriere

Marchionnes wichtigster Schritt in seiner bisherigen Karriere war die Einleitung der Chrysler-Übernahme im Jahr 2009. Der US-Autobauer befand sich damals in Insolvenz und wurde möglicherweise nur durch den Einstieg der Italiener gerettet. Chrysler hat inzwischen fast zu alter Stärke zurückgefunden, und das hilft nun wiederum den Italienern, die stark unter der Wirtschaftsflaute in Europa leiden.

Fiat gehören inzwischen 58,5 Prozent an Chrysler, die Anteile waren Schritt für Schritt von den Italienern übernommen worden. Der Rest liegt in den Händen eines Gewerkschaftsfonds und dient der Finanzierung der Krankenfürsorge für die Mitarbeiter.

Marchionne strebt Komplettübernahme von Chrysler an

Mit diesem Fonds liegt Fiat im Streit. Vergangenes Jahr hatten die Italiener eine Option zum Kauf von 3,3 Prozent an Chrysler ausüben wollen. Die beiden Chrysler-Eigentümer konnten sich jedoch nicht auf einen angemessenen Preis einigen. Die Gewerkschaft bewertet ihren gesamten Anteil mit 4,3 Milliarden US-Dollar, Fiat setzt den Wert 60 Prozent niedriger an. Nun muss ein Gericht entscheiden. Ein Urteil wird im Juli erwartet. Elkann schloss aber auch nicht aus, dass sich die Streithähne schon vorher auf einen Preis einigen.

Marchionne hatte immer betont, dass Fiat genug Geld hat, um auch die restlichen Anteile am US-Autobauer von der Gewerkschaft zu kaufen. Allerdings hatte der Manager angedeutet, nach einem solchen Schritt werde wahrscheinlich eine Kapitalerhöhung notwendig werden. Informanten berichten, dass Investmentbanken bereits eine Reihe von Optionen durchspielen. So könnte ein Anteil an Chrysler auch zurück an die Börse gebracht werden. Mit den Erlösen würde dann ein Teil der Schulden abgebaut.

Elkann hält solche Überlegungen aber noch für zu früh. Ob Kapitalerhöhung oder Chrysler-Übernahme, zu all dem gebe es weder Zeitpläne noch Vorstellungen über die genaue Ausgestaltung der Transaktionen. Auch die oftmals vorgetragene Idee von Analysten, Geld über den Verkauf der Sportwagenmarke Ferrari aufzutreiben, wies der Manager weit von sich.

Mit der vollständigen Übernahme von Chrysler würde Marchionne ein Lebenswerk vollenden. Er hätte dann aus dem inzwischen eher unbedeutenden europäischen Autohersteller einen weltweit operierenden und wichtigen Mitspieler gemacht, der es mit den Branchengrößen aufnehmen kann.

Fiat will der “weltgrößte Autobauer werden”

Elkann hat aber noch weiter reichende Visionen. “Wenn sich die Chance für noch größere Allianzen ergibt, schauen wir uns das an”, sagte er. Fiat wolle der weltweit größte Autobauer werden – ein Titel, den auch Volkswagen, GM oder Toyota anstreben.

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Dow Jones Newswires/Guido Kruschke