Andreas Renschler

In Renschlers Vertrag gibt es eine Wettbewerbsklausel, die ihm einen Wechsel für eine bestimmte Zeit verbietet. Wie lange dem Manager die Hände gebunden sind, ist offen. - Bild: Daimler

Der scheidende Daimler-Vorstand Andreas Renschler darf vorerst nicht zur Konkurrenz wechseln – das ist ihm vertraglich untersagt. Ein Wechsel zu einem Wettbewerber ist auf absehbare Zeit ausgeschlossen.

Das sagte Vorstandschef Dieter Zetsche sowohl bei einer Veranstaltung des Branchenverbands VDA. Auch am Rande der Weltpremiere der Mercedes V-Klasse am Donnerstagabend betonte Zetsche nochmals: Ob Renschler ein Angebot habe und von wem, sei “völlig irrelevant”, da er durch die Wettbewerbsklausel für “ziemlich lange Zeit” zu keinem Mitbewerber wechseln könne, so Zetsche mit Nachdruck. Damit ist erstmal auch ein Wechsel Renschlers zu Volkswagen ausgeschlossen, über den am Markt spekuliert wird.

Wechsel zur Konkurrenz vorerst ausgeschlossen

Renschler, der im Daimler-Vorstand die Produktion und den Einkauf von Mercedes-Benz verantwortet und als einer der potenziellen Nachfolger für Vorstandschef Dieter Zetsche gehandelt wurde, war am Dienstag überraschend zurückgetreten.

In verschiedenen Medienberichten war daraufhin zu lesen, Renschler solle bei dem Wolfsburger Konzern die Position des Lastwagenchefs übernehmen. Volkswagen hat mit der Integration von MAN und Scania zu kämpfen. Deswegen könnte Wolfsburg durchaus an Renschler interessiert sein, denn dieser hätte die Erfahrung und den Schwung, die Lkw-Allianz voranzutreiben, wie Marktbeobachter sagten. Ein VW-Sprecher wollte sich gegenüber dem Wall Street Journal Deutschland zu den “Personalspekulationen” nicht äußern.

Konkurrenz belebt (doch nicht) das Geschäft

Doch laut Vertrag darf der 55-Jährige nun für zwölf Monate nicht bei anderen Autobauern anheuern. Zwar könnte der Aufsichtsrat von Daimler auf diese Option verzichten und ihm einen Wechsel zu Volkswagen erlauben. Dazu wird es aber wohl nicht kommen, wie Zetsche gegenüber den Journalisten deutlich machte. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass Daimler im Lkw-Geschäft mit Volkswagen aufs Schärfste konkurriert.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal hatte Renschler kurz nach seinem Rücktritt gesagt, es habe “viele Gründe” für seinen Abgang gegeben. Einer war offenbar die unsichere persönliche Perspektive bei Daimler. Die Zetsche-Kronprinzen seien mehr oder weniger alle in demselben Alter, werden könne es am Ende aber eben nur einer. Er habe sich daher entschieden, eine “neue Perspektive” zu suchen. Die These, dass Renschler hingeschmissen hat, weil er keine Chance mehr auf die Nachfolge von Zetsche gesehen habe, wird aus seinem engeren Umfeld aber entschieden dementiert. Viel mehr läge die Ursache darin, dass sich der “Freigeist” Renschler in seiner Rolle als Mercedes-Produktionschef zu eng eingeschnürt gefühlt habe. “Sein Ding” sei der Chefposten bei der Lkw-Sparte gewesen, sagte ein langjähriger Wegbegleiter.

“Die Besten ködern die Besten”

Die “Stuttgarter Zeitung” hatte über den möglichen Wechsel Renschlers zur Nutzfahrzeugsparte von VW berichtet. Das wollten aber weder Daimler noch die Wolfsburger kommentieren. Am Rande einer Veranstaltung am Donnerstag sagte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch dem Blatt auf die Frage “Womit haben Sie Herrn Renschler geködert?”: “Ich habe noch keinen Kommentar dazu, denn erst einmal muss der Aufsichtsrat etwas entscheiden”. Dann fügte Piëch hinzu: “Hinterher können Sie sagen, die Besten ködern die Besten.”

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Dow Jones Newswires/Frank Volk
Aktualisiert am 31. Januar 2014 um 9:14 Uhr