Andreas Renschler breit

Andreas Renschler hat Daimler ohne Groll verlassen, wie er im Interview mit auto motor sport versichert. - Bild: Daimler

Laut Daimler-Chef Dieter Zetsche gibt es in der Causa momentan keine Gespräche mit Konkurrenten. Dass ein Wechsel zu Volkswagen in Stein gemeißelt ist, wies er zurück. Renschler sagte, er wolle zunächst die Angebote sichten und spreche mit mehreren Unternehmen aus der Automobilbranche.

Das Daimler-Urgestein war vergangenen Woche nach über 25 Jahren im Konzern völlig überraschend zurückgetreten. Der ehemalige Chef der Lkw-Sparte der Schwaben war zuletzt für die Produktion der Pkw-Sparte Mercedes-Benz verantwortlich.

Bereits kurz nach seiner Demission war bekannt geworden, dass VW an dem Schwaben interessiert ist. In Wolfsburg soll Renschler die nur schwerlich vorankommende Lkw-Allianz der Töchter Scania und MAN unter dem Dach von Volkswagen antreiben. VW hätte den 55-Jährigen gerne so schnell wie möglich unter Vertrag genommen.

Das ist allerdings nicht ohne Weiteres möglich. Wie üblich ist Renschler nämlich vorerst für einen Wechsel zu einem Wettbewerber gesperrt. Ohne sich konkret zu Renschlers Vertrag zu äußern, hatte Daimler erklärt, dass solche Fristen in der Regel sechs bis zwölf Monate lang laufen.

Im Gespräch mit auto motor und sport erklärte Renschler die Gründe für seinen Abschied aus Stuttgart. Auslöser für den Schritt war nach seiner Aussage die Personalrochade im vergangenen Frühjahr gewesen, als Daimler-Chef Dieter Zetsche auf Druck der Arbeitnehmerseite den Vorstand umbauen musste.

Wolfgang Bernhard, bis dahin für Produktion und Einkauf bei Mercedes zuständig, war beim Betriebsrat in Ungnade gefallen und sollte mit Lkw-Chef Renschler tauschen. “Ich musste zustimmen, damit Zetsche wiedergewählt wurde”, sagte Renschler auto motor und sport. Schon damals sei ihm klar gewesen, dass er “diesen Job nicht auf Dauer mache”.

Eigentlich sei sein Karriereziel gewesen, den Posten des Mercedes-Chefs zu übernehmen, den derzeit Daimler-Chef Zetsche in Personalunion ausübt. Als Aufsichtsratschef Manfred Bischof dann Mitte Januar erklärt habe, die Entscheidung über den Posten des Mercedes-Chefs werde erst Ende 2016 fallen, sei ihm klar gewesen, dass dies für ihn zu spät sei.

“Wir sind im Vorstand praktisch gleich alt”, sagte Renschler mit Blick auf seine Vorstandskollegen Wolfgang Bernhard (53), Personalvorstand Wilfried Porth (55), Finanzvorstand Bodo Uebber (54) und China-Vorstand Hubertus Troska (53). Für Renschler war offensichtlich: Wenn Zetsches Vertrag noch einmal verlängert wird, “dann sind wir alle zu alt für die Nachfolge”.

Der Rücktritt Renschlers war auch auf der Bilanzpressekonferenz von Daimler am Donnerstag eines der großen Themen. Zetsche stellte klar, dass es eine Trennung im Guten und in beiderseitigem Einvernehmen gewesen sei. Daimler habe genügend gutes Personal, um den Weggang zu kompensieren. Aus personellen Veränderungen könnten sich auch Chancen ergeben, sagte Zetsche. Nach seiner Aussage laufen aktuell keine Gespräche mit anderen Automobilherstellern über die Zukunft von Renschler.

Auch der Abtrünnige selbst machte im Gespräch mit auto motor und sport deutlich, dass er die Schwaben ohne Groll verlassen habe: “Es waren schöne 26 Jahre, es hat Spaß gemacht. Und Daimler ist ein tolles Unternehmen.”

Alle Beiträge zu den Stichworten Renschler Daimler Mercedes-Benz Volkswagen MAN Scania

Dow Jones Newswires/Andreas Karius