Audi startet Pilotprojekt für Kunststoffrecycling

Beim Hersteller will man möglichst viele Kunststoffumfänge beim End of Life aus dem Auto wieder herausbekommen, um sie erneut recyceln zu können. (Bild: Audi)

Die Volkswagentochter informiert über das neuerliche Recycling-Engagement im Rahmen der Audi-Umweltwoche. Die Aktion findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und soll Vernetzung, Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Ziel fördern, die Nachhaltigkeitsleistung des OEMs zu verbessern. Für immer mehr Materialien und Bauteile startet das Unternehmen Pilotprojekte zur Wiederaufbereitung und macht Kreisläufe, wie etwa jüngst den von Glasscheiben, zu einem Bestandteil der Wertschöpfungskette. Für Kunststoffe soll physikalisches Recycling künftig Forschungsprojekte zu chemischem und mechanischem Kunststoffrecycling aus dem Altfahrzeug ergänzen.

Audi beziffert den Anteil  diverser Kunststoffe und Kunststoffverbundwerkstoffe bei aktuellen Fahrzeugen mit mehr als 200 Kilogramm. Da sich nicht alle Kunststofftypen gleich gut oder gar auf die gleiche Weise sortieren und recyceln lassen, betrachte man verschiedene Techniken wie mechanisches, chemisches und seit Neustem auch physikalisches Recycling parallel. Da für Rezyklatbauteile dieselben Kriterien wie für Neuware gelten, liege ein Fokus etwa auf der Crash-Sicherheit, aber auch Umweltanforderungen gelte es in zunehmendem Maße zu berücksichtigen, hört man aus Ingolstadt. Mechanisches Recycling von Plastik stößt Audi zufolge dort an seine Grenzen, wo verschiedene Kunststoffe im Verbund verarbeitet werden und diverse Kleber, Lacke und Füllstoffe wie etwa Glasfasern zum Einsatz kommen.

Kunststoff-Recycling bei Audi
Für die Qualitätssicherung kommt ein Durchstoßgerät zur Analyse der Materialeigenschaften von Bauteilen aus Neuware sowie mit Rezyklat-Bestandteilen zum Einsatz. (Bild: Audi)

Methode lässt Polymerketten unbeschadet

Gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Partnern aus der Industrie hat Audi zusätzlich eine chemische Recyclingmethode entwickelt. Dabei werden gemischte Kunststoffabfälle zu Pyrolyseöl verarbeitet. Das Pyrolyseöl kann Erdöl als Rohstoff für die Produktion von hochwertigen Kunststoffen ersetzen. Die so hergestellten Bauteile sind dem Autobauer zufolge genauso wertig und sicher wie aus Neuware hergestellt. Ergänzend zu den Forschungsprojekten zum mechanischen und chemischen Recycling untersucht Audi in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten des physikalischen Recyclings von automobilen Kunststoffabfällen und den Wiedereinsatz im Fahrzeug.

Bei der physikalischen Methode kann mit deutlich höheren Verschmutzungsgraden der Kunststoffe gearbeitet werden, sodass eine einfache und unvollständige Vorsortierung aus dem Altfahrzeug ausreicht. Anders als beim chemischen Recycling wird der Kunststoff beim physikalischen nicht zerstört, sondern mit Lösemitteln aufgelöst. Es findet also keine chemische Abbaureaktion statt und die Polymerketten bleiben unbeschadet. Lösemittel werden verdampft und ebenfalls im Kreislauf geführt. Nach der Trocknung entsteht somit ein reines Kunststoffgranulat. Ziel ist es laut Audi, nun größere Mengen dieses Granulats herzustellen, um die technische Machbarkeit abzusichern sowie die Wirtschaftlichkeit zu prüfen.

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