Der Eingang Nord des Messegeländes Hannover am Morgen des ersten Tags der Hannover Messe 2023

Die Hannover Messe 2024 dient als Plattform für den Austausch zwischen Industrie, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft und bietet die neuesten Technologien für eine vernetzte und klimaneutrale Industrie.

Automobil Produktion Kongress 2024

Automobil Produktion Kongress 2024

Am 16. und 17. Mai 2024 treffen sich auf dem Automobil Produktion Kongress in München auch in diesem Jahr wieder Fach- und Führungskräfte, um über die Automobilfertigung der Zukunft zu sprechen. Gemeinsam streben Hersteller, Zulieferer und Dienstleister eine smarte, flexible sowie nachhaltige Produktion mit transparenter Lieferkette an. Seien Sie dabei und profitieren Sie von kollektiven Branchenwissen. 🎫 Jetzt Ticket sichern!

Wenn es sich im April eine Woche lang auf Hannovers Messeschnellweg staut und die Stadtbahnlinien übervoll sind, ist das ein klares Zeichen, dass die Hannover Messe wieder ihre Pforten öffnet. Bereits vor den Besuchermassen, die ab Montag durch die Tore des Messegeländes strömen um die rund 4.000 Aussteller in Augenschein zu nehmen, eröffneten am Sonntagabend Bundeskanzler Olaf Scholz und der Ministerpräsident des diesjährigen Partnerlandes Norwegen, Jonas Gahr Støre, die Veranstaltung offiziell. Scholz wird sich beim traditionellen Kanzlerrundgang im Laufe der Woche einen Überblick verschaffen. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sich angekündigt und will am Nachmittag zusammen mit der Wirtschaftsvereinigung Stahl einen neuen Standard für klimafreundlichen Stahl vorstellen.

Im Mittelpunkt der Industrieschau stehen in diesem Jahr künstliche Intelligenz, klimaschonende Produktion, Lösungen für die Energiewende und Wasserstoff als Energieträger. Aussteller aus 60 Ländern sind dabei. Vertreten sind zahlreiche Technologie-Firmen wie Microsoft, Google, Amazon Web Services, Dell, SAP, Siemens und Bosch. Hinzu kommen etliche Mittelständler und mehr als 300 Startups. „Die Hannover Messe ist nach wie vor die Mutter aller Messen, die die Agenda setzt für die Industrie der Zukunft", kommentierte Messechef Jochen Köckler vor der Industrieschau.

Für Autobauer und Zulieferer sind eine intelligente und vernetzte Produktionen sowie Supply Chains elementare Größen bei der Gestaltung der Zukunft. Die Branche arbeitet daher auch im Jahr 2024 intensiv an den Instrumenten der Smart Factory. In der Sonderausgabe zur HANNOVER MESSE 2024 von Automobil Produktion, erhalten Sie wichtige Informationen zur Transformation in den Werken, zum Status Quo des Digital Twin, zur smarten Logistik sowie über die nächsten Schritte auf dem Weg zur Industrie 4.0 in der Autobranche.

BMW setzt auf Catena-X

Im Rahmen der Hannover Messe zeigt BMW neue Anwendungen rund um das Datenökosystem Catena-X. Mit Realdaten aus der Fertigung der Niere des BMW iX bildet das Unternehmen gemeinsam mit Partnern und Lieferanten eine komplette Datenkette ab, um die Vorteile einer einheitlichen Struktur zu demonstrieren. Im Werk Landshut pilotiert das Unternehmen erstmals die datenbasierte Energieverbrauchsmessung bei der Fertigung einer gesamten Komponente. „Gemeinsam mit unseren Partnern berechnen wir den Product Carbon Footprint der Niere des BMW iX über das Datenökosystem Catena-X“, erklärte Sabrina Schrangl, Projektleiterin Catena-X BMW Group Komponentenfertigung.

Die Bestimmung der Emissionen beruht auf dem Catena-X-Regelwerk und umfasst alle Punkte von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt. Hierfür nutzen die Partner die Catena-X zertifizierte CO-Applikation der Siemens AG, die den Datenaustausch auf Basis der Catena-X-Berechnungslogik und -anbindung zwischen dem Werk Landshut und der Covestro AG als Lieferant für Hochleistungskunststoffe ermöglicht. Weitere Einblicke in künftige Catena-X-Anwendungen bei BMW gibt unter anderem Oliver Ganser, der Vorstandsvorsitzende von Catena-X, im Interview mit automotiveIT.

Bosch will Automatisierung und Wasserstoffeinsatz vorantreiben

Bosch stellt auf der Hannover Messe 2024 in erster Linie Technologien und Lösungen rund um die Themenfelder Automatisierung, Digitalisierung sowie Wasserstoff in den Fokus. Für die Fabrikautomation stellt Bosch Rexroth das Automatisierungssystem ctrlX AUTOMATION vor, das alle Bausteine für komplette Automatisierungslösungen bereitstellt und so den Komponenten- und Engineering-Aufwand um bis zu 50 Prozent reduzieren soll. Für den Einsatz in der Batteriefertigung hat Rexroth unter anderem schnell einsetzbare Linearroboter im Gepäck. Diese wurden für typische Anwendungen wie das Handhaben von Zellen oder Packs sowie Schrauben oder Dosieren entwickelt, um die Prozesse in der Modul- beziehungsweise Packmontage und -demontage zu optimieren. Bosch Manufacturing Solutions (BMG), der Sondermaschinenbau von Bosch, bietet zudem fortschrittliches Fertigungsequipment und Prüftechnik für die Brennstoffzellenfertigung an.

Des Weiteren will der Zulieferer den Einsatz von Wasserstoff durch smarte Technik vorantreiben und präsentiert hierfür einen Elektrolyse-Stack, das Herzstück eines Elektrolyseurs, bestehend aus über hundert Elektrolyse-Zellen, die Wasser mit Strom in Sauerstoff und Wasserstoff umwandeln. Der Bosch Elektrolyse-Stack ist für den Einsatz in kleineren Anlagen ab 1 Megawatt bis hin zu Großanlagen der Gigawattklasse geeignet und soll ab 2025 marktreif sein. Zusätzlich plant das Unternehmen den Stack mit Steuergerät, Leistungselektronik und Sensoren zum sogenannten Smart Electrolysis Module zu kombinieren.

Wasserstofftankstelle Bosch
Rexroth hat außerdem skalierbare Lösungen servohydraulischer Verdichterantriebe im Leistungsbereich zwischen 10 und 280 kW für die Komprimierung von Wasserstoff entwickelt. (Bild: Bosch)

Festo und KIT präsentieren Recycling-Systeme

Möglichkeiten zur effizienten Nutzung von Rohstoffen zeigt auch Festo auf der Hannover Messe. Eine Lösung des Unternehmens soll unter anderem dabei helfen, Batteriepacks mechanisch in ihre Bauteile zu zerlegen. Ebenfalls im Fokus steht die Energiegewinnung über Bioreaktoren und die Stromerzeugung über Wasserstoff.

Recycling steht auch im Fokus des HMI-Standes des KIT. Im Gepäck hat die Forschungseinrichtung unter anderem Ergebnisse aus dem Projekt AgiProbot, in dem die Forscher an der automatischen Optimierung von smarten Fabriken arbeiten. Im Bereich des Remanufacturing zeigt das KIT unter anderem, wie das System gebrauchte Produkte inspizieren und Demontageprozesse unterstützen kann. Zudem zeigt das Kompetenzcluster Anonymisierung für vernetzte Mobilitätssysteme (ANYMOS) auf, wie Mobilitätssysteme datenbasiert verbessert werden können ohne dass der Datenschutz auf der Strecke bleibt.

Fraunhofer zeigt 5G-Potentiale für Smart Factory

Wie das Zusammenspiel aus 5G, Digital Twin und KI inzwischen funktionieren kann, zeigt das Fraunhofer IPT anhand seines 5G-Kickers. Die Spielfiguren steuert eine KI, die anhand eines digitalen Zwillings des realen Fußballtisches trainiert wurde. Die rasche Interaktion der menschlichen Gegner mit dem Kicker erfordert eine schnelle Prozessverarbeitung, die durch 5G ermöglicht wird.  In kürzester Zeit simuliert die KI Millionen von Szenarien und wertet die Ergebnisse aus, um optimale Strategien zu entwickeln - ein Prozess, von dem selbstverständlich nicht nur Tischfußballer profitieren sollen, sondern auch Industrieunternehmen.

Die 5G-Technologie biete die erforderlichen kurzen Latenzzeiten, um eine präzise und sichere Steuerung von Maschinen, Anlagen und Robotern auch über größere Entfernungen hinweg zu gewährleisten, so die Forscher. Die Möglichkeit, in Echtzeit auf die Messdaten der eingebauten Sensorik zu reagieren, bilde die Grundlage für eine adaptive Steuerung komplexer Bewegungsabläufe.

DFKI stellt Nutzen von KI in den Fokus

„Green AI ist das Top-Thema für Deutschlands Industrie. Unternehmen müssen in Zukunft unbedingt auch die Umweltwirkung der Künstlichen Intelligenz und ihre Chancen für die Nachhaltigkeit berücksichtigen", sagt Antonio Krüger, Wissenschaftlich-technischer Direktor und CEO des DFKI. "Deshalb zeigen wir in unseren Beiträgen auf der Hannover Messe wie Künstliche Intelligenz konkrete ökonomische und ökologische Mehrwehrte schafft."

Im Gepäck hat das Forschungsinstitut unter anderem einen gemeinsam mit der SmartFactory-KL entwickelten Demonstrator, der zeigt, wie mithilfe einer visuellen Qualitätskontrolle durch KI benutzte Teile in der Produktion im Sinne der Kreislaufwirtschaft weiterverwendet werden können. Ein E-Transporter bringt diesen zu KMU, um sie an das Thema Ressourceneffizienz heranzuführen. Weitere Exponate umfassen etwa das Remote Maintenance-System Cortex², der Laderoboter ChargePal für E-Fahrzeuge oder Erkenntnisse aus de Projekt Escade zur energieeffizienten KI-Nutzung.

bolt_it ergänzt MHPs Industrial Cloud Solutions-Portfolio

Gemeinsam mit Volkswagen und Porsche entwickelt Industrial Cloud Solutions (ICS) von MHP cloudbasierte Lösungen, die industrielle Produktionsprozesse effizienter, datengetriebener und nachhaltiger machen sollen. Nun freut sich das ICS-Portfolio über Zuwachs: Mit dem SaaS-Produkt bolt_it will die Management- und IT-Beratung den nächsten Schritt in Richtung Qualitätssicherung in der Produktion gehen. Ziel der neuen Lösung ist die Optimierung von Schraubvorgängen, die einen großen Teil der Wertschöpfung in der Montage ausmachen.

Mit der intelligenten Software bolt_it sollen Prozessdaten zur Problembehebung überwacht und Anomalien durch die Analyse historischer Daten frühzeitig erkannt werden. Ausgewertet werden die Daten durch eine KI, die ihre Erkenntnisse an Qualitätsingenieure sowie Werks- und Produktionsmitarbeitende übermittelt. Die Lösung bietet laut MHP eine bis zu sieben Mal höhere Erkennung von Prozessanomalien, Schraubprozesse würden durch sie bis zu 70 Prozent weniger Nacharbeit benötigen. An weiteren Add-ons zur Erweiterung der Funktionalität, darunter auch eine Fehler-Klassifikation und Prozess-Empfehlung für den Mitarbeitenden, arbeite man aktuell ebenfalls.

Gaia-X hält auf Hannover Messe Ausschau nach neuen Partnern

Auch die Gaia-X-Community präsentiert sich vom 22. bis 26. April auf der Hannover Messe und will dort demonstrieren, wie branchenübergreifende, vertrauenswürdige Datenökosysteme und Cloud-Infrastrukturen die Wirtschaft transformieren. Das Ziel der Initiative ist der Aufbau vertrauenswürdiger Datenökosysteme und -infrastrukturen, bei denen Datenbesitzer die volle Kontrolle über ihre Daten behalten. „Die zukünftige Wirtschaft wird datengetrieben sein. Datenökosysteme bieten enorme Chancen für neue Lösungen. Die Gaia-X-Community und die Plattform Industrie 4.0 sind auf der Hannover Messe die zentrale Anlaufstelle, um zu sehen, was möglich ist und wie es funktioniert“, erklärt Ernst Stöckl-Pukall, Referatsleiter für Digitalisierung und Industrie 4.0 im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Der Gaia-X Hub Deutschland und seine Mitaussteller möchten auf der Messe in erster Linie Unternehmen für die Mitarbeit an Gaia-X gewinnen.

Besucher und Besucherinnen des Community Stands können sich über die Nutzungsmöglichkeiten eines Gaia‑X Digital Clearing House (GXDCH) informieren, präsentiert von der Gaia-X European Association for Data and Cloud (AISBL). Das Clearing House funktioniert wie ein Kontrollzentrum für Gaia-X-Dienste, indem es die Einhaltung von Regeln technisch sicherstellt und konforme Dienste zertifiziert. Außerdem stellt der Gaia-X-Verband auf der Hannover Messe neue Mitgliedsmodelle und Pläne für die weitere Internationalisierung der Initiative vor.

VDMA präsentiert Studie zu Produktpiraterie

Erfreuliche Nachrichten verkündet der Branchenverband VDMA auf der Hannover Messe: Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer werden nicht mehr so oft Opfer von Produktpiraterie. Nur noch knapp jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) gab in einer Umfrage an, von illegalen Nachbauten ihrer Produkte betroffen zu sein. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Studie 2003. Bei der vorherigen Umfrage 2022 hatten sich noch 72 Prozent der Befragten betroffen gezeigt. Die Studie führt den Rückgang auf die verstärkten Anstrengungen und Aktivitäten gegen Produkt- und Markenpiraterie zurück.

"Das heißt aber, dass trotz der Besserung immer noch fast jedes zweite Unternehmen unter Plagiatoren leidet", sagte Steffen Zimmermann, Leiter des VDMA Competence Center Industrial Security. "Größere Firmen sind tendenziell stärker von Produktpiraterie betroffen als kleine Mittelständler." Ganze Maschinen würden aber deutlich seltener kopiert. Den Gesamtschaden, der den Unternehmen dadurch entstanden sei, bezifferte der Verband auf 4,1 Milliarden Euro. Vor zwei Jahren waren es noch 6,4 Milliarden Euro gewesen. Nach wie vor stammten die meisten Fälschungen aus China (82 Prozent der Fälle), gefolgt von Indien (18 Prozent) und Deutschland (16 Prozent).

Mit Material der dpa

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