| von Götz Fuchslocher
Aktualisiert am: 19. Mai. 2017

Mit der Konzeptstudie „Intuition“ zeigen die Interieur-Experten des französischen Zulieferers, wie für unterschiedliche Materialien piezoelektrische Technologie, die bei Berührung ein haptisches Feedback gibt, genutzt und sich so traditionelle Bedienelemente ablösen lassen. Im Konzept bildet eine Aluminium-Oberfläche die Schaltfläche, die traditionelle Bedienelemente ersetzt. Darin sind berührungsempfindliche kapazitative Schalter eingelassen, deren Aktivierung sich durch leichte Vibration und Beleuchtung ankündigt. Wenn etwa die Funktion der Klimaanlage aktiviert werden soll, kann die Oberfläche eine Vibration auslösen, um den Vorgang zu bestätigen. Gleichzeitig verändert das Licht in der Luftdüse seine Farbe, um die Temperatur und Intensität des Luftstroms anzuzeigen. Zudem übernimmt das animierte DecoLight im Türverkleidungsmaterial die Funktion eines Totwinkel-Assistenten und bestätigt das Blinkersignal.

In der Mittelkonsole kommen sehr flach bauende High-Definition-Touchscreens mit hoher Bildauflösung unter. Die zentrale Steuereinheit verwendet einen Aktivmatrix-OLED-Bildschirm, kurz AMOLED, der schneller reagiert und weniger Energie verbraucht als frühere Technologien. Speziell für den Ausblick in die nahe Zukunft und mit dem Ziel vor Augen, Bedienoberflächen in eine Dreidimensionalität zu führen, hat man sich bei Faurecia mit dem finnischen Startup Canatu zusammengetan. Das 2004 gegründete Unternehmen arbeitet an transparenten, leitenden Folien. Technisches Highlight ist ein Nano-Netz, das als eine Art „Spaghetti-Struktur“ und nicht in gewohnter Netzstruktur geformt ist und so eine extreme Biegsamkeit der Oberfläche ermöglicht. Mit dieser Technik gelinge es, ein Display nahtlos auf eine Oberfläche zu laminieren, wie Titus Suck, Sales Director Europe bei Canatu, erläutert. Der Clou des Produkts: Es lässt sich im Spritzgussverfahren verarbeiten. Mit der Foliensensorik müsse auch nicht mehr in die Tiefe gegangen werden, zudem reduziere sich das Gewicht erheblich, hört man.

Faurecia: Sitzkonzept als Vorbereitung für autonomes Fahren

Faurecia denkt auch den Sitz weiter und stellt mit Active Wellness 2.0 einen Fahrersitz vor, der mit Hilfe ausgeklügelter Sensorik die Insassen auf das autonome Fahren vorbereiten möchte. Das Sitzsystem sammelt biometrische Daten des Fahrers und merkt sich seine Verhaltensweisen und Vorlieben. Daraus lassen sich neben Sicherheits- auch zahlreiche Komfortfeatures kreieren (siehe auch Beitrag in AP 12-2016). Faurecia präsentiert eine Auswahl vernetzter und wandelbarer Technologien, die in einem eigenen Bereich wie ein Wohnzimmer angeordnet wurden und nennt das Ganze „Smart Pebbles“. Sie lassen sich ins Cockpit der Zukunft integrieren und sollen zu einem neuen Fahrzeugerlebnis beitragen. Dabei kommen integrierte Elektronik, Mechatronik, smarte Oberflächen und neue Materialen zum Einsatz.

Info-Video von Faurecia: Autositz weitergedacht

"Autonomes Fahren beginnt für uns bei Adient schon mit dem Öffnen der Fahrzeugtür, indem unser Sitz den Fahrer begrüßt und sich im wahrsten Sinne des Wortes auf ihn einstellt", beschreibt Andreas Maashoff, Director Industrial Design und Craftsmanship Europa beim Sitzexperten, das Sitz-Konzept, das man kürzlich anlässlich der Innovative Seating Konferenz in Düsseldorf zeigte. 15 Neuentwicklungen seien in das aktuelle Luxussitzkonzept „AI17“ für autonome Fahrsysteme eingeflossen, hört man. Mit dem Demonstrator will man zeigen, wie sich automatisiertes Fahren in der Premium-Klasse auf das Fahrerlebnis von Fahrer und Beifahrern auswirkt. Zu den Clous zählt etwa die weitgehende Verstellbarkeit der Vorder- und Rücksitze, die bis zu 70 Grad schwenkbar sind. Auch bei Adient demonstriert man mit der „Cushion Console“ nahtlose Übergänge, konkret in Form einer Konsole zwischen vorderem und rückwärtigem Passagierraum.