Der People Mover of Tomorrow, ein autonomes Shuttle von Akka, steht auf einer Straße.

Dienstleister wie Akka arbeiten etwa an autonomen Mobilitätskonzepten. Bild: Akka

| von Götz Fuchslocher

Corona verändere einiges, hört man aus der Branche der Entwicklungsdienstleister (EDL). Zu ihren Größen zählen bekannte Namen wie Akka, Bertrandt oder Valmet Automotive. Diese Unternehmen arbeiten aktiv an den Megatrends Digitalisierung, Vernetzung, Elektromobilität sowie autonomes Fahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Wie die Automobilindustrie selbst hatten auch die EDL während der letzten zwei Jahre mit einem zunehmend angespannten Markt zu kämpfen, bringt es Robert Hentschel von Valmet Automotive Engineering auf den Punkt. 2020 markiere freilich eine Zäsur.

Die gesamte Automobilindustrie sehe sich nicht nur mit dem größten Markteinbruch ihrer Geschichte konfrontiert, sie sei auch geprägt von maximaler Unsicherheit mit Blick auf dieses und die nächsten Geschäftsjahre. Für die Entwicklungsdienstleister bedeute dies kurzfristig einen signifikanten Anstieg der Kurzarbeit „und für einige kleinere bis mittlere EDL kann das auch ganz schnell das Aus bedeuten“, stellt Hentschel fest.

Zukunftssicherheit durch Digitalisierung

Von Licht am Ende des Coronatunnels mag noch niemand sprechen. Stück für Stück werde man in eine neue Normalität zurückfinden, sagt Hans-Gerd Claus, Vorstand für Technik bei Bertrandt mit etwas Zuversicht. Es gelte, Kompetenzen und Leistungen auch in der Krise weiterhin für die Kunden verfügbar zu halten. „Dank Tisax/VDA-ISA-Zertifizierung und unserer leistungsfähigen IT-Infrastruktur können wir das sicherstellen.“

Trusted Information Security Assessment Exchange, kurz Tisax, ermögliche Mitarbeitern weltweit eine sichere Projektarbeit – auch von mobilen Arbeitsplätzen aus, so Claus. Die Auswirkungen werden vielfältig sein, deshalb beobachte man die Entwicklung der Lage sehr aufmerksam, antwortet man bei Akka auf die Zukunftsfrage. Man habe den klaren Vorteil, über verschiedene Mobilitätssektoren breit aufgestellt zu sein.

In den letzten Jahren habe man massiv in die Ausweitung des digitalen Portfolios investiert, derzeit überdenke man Produktions- und Lieferketten. „Hier sehen wir eine Möglichkeit, das Lieferkettenmanagement durch unsere erfahrenen Berater zu unterstützen“, sagt Jochen Hagel, Business Line Leader Electrics & Electronics. Der Einsatz modernster digitaler Technologien könne einen wichtigen Beitrag hin zur Zukunftssicherheit in der Engineering-Branche leisten.

Dienstleister für die E-Mobilität

Bei Akka biete man genau die Kompetenz und Erfahrung, die alle Akteure zwingend brauchen, um den Sprung vom reinen Hersteller hin zum digitalen und nachhaltigen Provider vollvernetzer Hard- und Software zu schaffen. Der EDL kann auf erfolgreiche Projekte etwa in der Ladekommunikation, bei 5G, im Car-to-Car- oder Car-to-X-Bereich, aber auch in einer erweiterten Backend-Toolchain verweisen.

Zudem arbeitet der Dienstleister im Bereich autonomer Mobilität an neuen Mobilitätskonzepten und künstlicher Intelligenz im Transportsektor. Ein Beispiel hierfür bietet der sogenannte People Mover of Tomorrow, ein modulares autonomes Shuttlekonzept

Eine Auflistung der Entwicklungsdienstleister nach Umsatz in den Jahren 2018 und 2019
Die Entwicklungsdienstleister konnten ihre Umsätze im Jahr 2019 steigern. Die Pandemie könnte die Euphorie jedoch trüben. Quelle: AP, Unternehmensangaben

Der Markt für Dienstleistungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie bei digitalen Lösungen wird sich laut Akka in den nächsten fünf Jahren verdoppeln. „Ein großer Anteil des Geschäfts im Gesamtfahrzeugbau entwickelt sich hin zu digitalen Kompetenzen“, konstatiert Hagel. Kunden könne man in jeder Phase des Fahrzeugbaus unterstützen.

Auch in den Bereichen Lieferkettenmanagement und Smart Factory positioniert sich der EDL zunehmend in Deutschland. Insbesondere für das wachsende Zukunftsfeld der E-Mobilität werden händeringend Dienstleister gesucht. Solche, die etwa das Thema Akku aus dem Effeff beherrschen. Valmet Automotive hat seine Kompetenzen und insbesondere seine Testkapazitäten auf diesem Gebiet letztens massiv ausgebaut.

Rund um Batteriesysteme sei man gut aufgestellt, konstatiert Valmet-Experte Robert Hentschel. Hier decke man die gesamte Wertschöpfungskette im Engineering ab. „Zudem unterstützen wir unsere Kunden beispielsweise in der Entwicklung und Umsetzung neuer Elektrik-/Elektronik-Architekturen.“

Externe Unterstützung und Kostendruck

Zwei wichtige Stichworte in der EDL-Branche lauten: Vergabepakete und Kostendruck. Valmet fährt in den traditionellen Entwicklungsdomänen eigenen Angaben zufolge einen konsequenten Best-Cost-Country-Ansatz mit Entwicklungswertschöpfung in Indien. „Dadurch sind wir preislich richtig attraktiv und das ist gerade auch mit Blick auf den sich noch weiter verschärfenden Preis- und Kostendruck immens wichtig“, sagt Hentschel.

 

Zum einem würden Kunden in den klassischen Entwicklungsdomänen wie etwa Karosserie oder Interieur nach Dienstleistern suchen, die immer größere Pakete als langfristige Partner übernehmen. Zum anderen herrsche aber auch bei den neuen Themen wie der Elektromobilität, dem automatisierten Fahren oder der Konnektivität viel Dynamik, die auch zusätzliche externe Unterstützung erfordere.

Eine Vergabe größerer und übergreifender Projektumfänge sieht man auch beim Unternehmen Bertrandt. Dies erfordere entsprechend breites Knowhow, erklärt Technik-Vorstand Claus. Er nimmt mit Blick auf die Kunden wahr, dass diese nun stärker auf die konkrete Auswahl ihrer Partner achten.

„Wir bemerken, dass immer größere Pakete mit übergreifender Verantwortung an uns vergeben werden und nicht wie früher häufig einzelne Projekte im Entwicklungs- und Fertigungsschritt.“ Der Experte ergänzt: „Dank unseres großen Netzwerks können wir kompetenzübergreifende Projekte umsetzen.“

Nachfrage nach digitaler Kompetenz

Ein Beispiel dafür biete der Technologieträger „Harri“. Mit ihm zeige man, dass man entlang der gesamten Wertschöpfungskette Fähigkeiten für Mobilitätskonzepte der Zukunft realisieren könne. Die Highly Automated Driving Platform for Innovation (Harri) stellte der Entwicklungsdienstleister Anfang des Jahres auf der CES in Las Vegas vor.

Bei Akka sieht man eine rasant steigende Nachfrage nach fundierter digitaler Kompetenz für die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte. Der Innovationsdruck für alle Akteure im Mobilitätssektor, allen voran im Bereich Automotive, sei riesig.

„Unsere Kombination von Schlüsselkompetenzen im Digital- und Ingenieursbereich, sowohl im Entwicklungs- als auch Produktionsumfeld, entspricht genau der sich massiv verändernden Nachfrage im Markt“, so Jochen Hagel.

Der Technologieträger Harri von Bertrandt steht vor einem Gebäude mit Garagen.
Der Technologieträger Harri von Bertrandt verdeutlicht, dass die Projektumfänge für Dienstleister immer größer werden. Bild: Bertrandt

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